Haben Sie sich schon mal gefragt, wo dieses verräterische Sex-Grinsen, dieser ganz spezifische Gesichtsausdruck danach, eigentlich herkommt? Das woran alle Leute um einen herum, die Kollegen im Büro, und die Nachbarn bei einer zufälligen Begegnung im Treppenhaus, plötzlich kontingent ablesen können, dass man die Nacht nicht mit Schlafen verbracht hat? Es muss sehr tief in unserer Natur als sexuelle Spezies eingebettet liegen, dümmlich vor uns hin zu lächeln, und diese Handschrift der Befriedigung auf unseren Zügen zu tragen. Wie faszinierend, dass Menschen dies tun, dass einem der hormonelle Versand diese Quittung ausstellt, wenn einem auf erquickliche Weise, die Erinnerung an den Sinn der eigenen Körperlichkeit, nach einer anstrengenden Achterbahnfahrt mit dem Unterleib aufgefrischt wurde.
Wer wir sind entscheidet sich nicht zuletzt dadurch, welche Personen wir besonders wichtig nehmen. Ich zum Beispiel, bin ein totaler Verlierer. Ein Versager in den Augen meiner Mutter, und ein sozialer Sonderling. Und das ist wahr, ohne dass es mir Angst bereiten würde. Aber in den Augen meiner Frau, bin ich zum Beispiel eine wunderschöne Seele, und es liegt jetzt an mir, mit welchem dieser Bilder ich mich identifizieren möchte. Weil das was andere von uns denken, die Wege sind, die wir mit unserem Kopf beschreiten, auch wenn wir eine unabhängige Seele besitzen. Für mich, bin ich immer nur der, der ich bin, aber das was an anderen von mir zurück hallt, ist die Resonanz in der wir uns selbst erfahren.
Verpackungen
Und während ich krampfhaft versuche, diese Salami aus dieser nachhaltigen 0815 Plastebox zu bekommen, schneidet sich die scharfe Kante so ein, zwei, nein dreimal in meinen Zeigefinger. Irgendwann bin ich so genervt, dass ich mich für Käse entscheide, der ebenfalls noch fest verschlossen, grimmig zu mir aufblickt.
Gut!
Challenge?
Provocation?
Act of Defiance?
Also ich nutze das Überraschungsmoment und ziehe Käse direkt auf die Arbeitsplatte, setze am angeblichen Öffnungsrand, der kein Öffnungsrand ist, an und zerre mit Schmackes daran.
Schwupp. Es geht auf.
Schwupper. Rechts und links liegt der Käse blank, während in der Mitte ein 4 cm Folienstreifen weilt.
Und dann schaue ich mir den überlegen lachenden Käse in seinem Versteck an und denke …
Die Deutschen können alles, außer Verpackungen!
Ich habe nichts gegen Menschen. Wirklich nicht. Auch wenn ich ihnen fast immer aus dem Weg gehe. Mein Problem ist die Attitüde des Alltags. Mit fast jedem Menschen kann man so einen Moment haben, in dem man plötzlich gegenseitig ein Stück weit sein Inneres begreift. Ich hatte das schon oft, dass man ganz unerwartet mit jemandem vertraut wird, der auf diese Weise ein Stück näher rückt. Es zeigt mir aber auch, dass wir die meiste Zeit nicht ganz echt sind. Was ziemlich anmaßend ist, von jemandem wie mir, der selbst die längste Zeit seines Lebens eine Maske getragen hat, ohne, dass es ihm bewusst war. Und nein, niemand schuldet mir einen Blick in sein Inneres. Ich komme nur nicht damit klar, wenn ständig Nähe gespielt wird, weil man schon fast vergessen hat, was Nähe wirklich ist. Wenn man das erst mal mit einigen Menschen wirklich hatte, in meinem Fall zumindest, will man danach alles andere nicht mehr, und es wird sogar ein stückweit eklig. Vor allem aber braucht Nähe Zeit. Es darf uns davor nicht unangenehm sein, dass wir nichts haben, das uns miteinander verbindet, weil es überhaupt nichts Schlimmes ist einander fremd zu sein. Aber wenn wir diesen Moment überspielen, aus Höflichkeit oder Einsamkeit, wenn wir nie voneinander entfernt waren, dann gibt es auch keine Gelegenheit sich näher zu kommen. Nähe braucht erst mal Distanz. Das Beste was man tun kann, ist einfach echt zu sein, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern, und dann kommt so ein Moment vielleicht, oder eben auch nicht. Und beides ist in Ordnung, aber es muss echt sein. Auch wenn ich selbst immer wieder in diese Falle aus Angst und Höflichkeit tappe, bis ich mich wieder aus sozialen Zwängen häuten muss, damit ich der Gelegenheit Luft verschaffen kann, bis Echtes entsteht, ohne etwas zu wollen, zu erwarten, daran zu ziehen oder zu zupfen, sondern einfach nur unkontrollierte Spontanität und Authentizität, als Architekten des Moments.
Der Weg der Erkenntnis – Part II
Immer noch 06. Dezember 2020
Naturgemäß laufen mir die Tränen, da mein Lebensfreudegenerator im Kern der Erde steckt, also gaaaaannnzzzz weit unten. Also unten Mitte, ist ja nen Kern, also nur um die Geografie zu erklären. Ich wundere mich, dass ich mich so einfach, einfach so krank gemeldet habe, halte das aber für richtig, bevor ich atomare Waffen nutze, um da draußen meinen Frust abzulassen. Bei diesem Gedanken muss ich teuflisch grinsen. Es nützt nichts, ich schmeiße mich auf mein Bett und heule wie ein Teenager, bis mir auffällt, dass ich nicht wirklich weiß, warum ich weine, mein Kissen mit Rotze besudele und sich die Mascara der letzten drei Jahre mit Rotze verbrüdert.
Verschiedene Gründe ziehen durch meinen Kopf.
1. Weil mein Wecker nen Drecksding ist
2. Weil ich schon seit fast 30 Jahren jeden Morgen aufstehe und arbeiten muss
3. Weil der Gott der Adipositas mir nicht beistand als ich ihn gerade vorm Spiegel wirklich, wirklich brauchte
4. Weil ich mit 42 nicht in Regelaltersrente gehen darf
5. Weil Passionata unbedingt über Größen nachdenken muss, wo 44 draufsteht muss auch 44 reinpassen
6. Weil ich ohne schlechtes Gewissen auf Arbeit ziemlich krass gelogen habe
Ich finde schon, dass alle Gründe eine gewisse Heulberechtigung hätten und weine erst mal weiter. Was natürlich auch bedeutet, dass ich nachher unbedingt mein vollgerotztes Kissen mit dem Kissen meines Mannes tauschen muss. *teuflisch grins
Irgendwann hört es auf und ich bin konfus, weil ich immer noch nicht weiß, welcher der sechs Gründe nun der Auslöser war. Ich muss aber anmerken, dass nicht arbeiten zu müssen meine Laune definitiv besser gemacht hat, allein schon, weil ich nicht arbeiten muss. #begründungenkannich
Ich schleiche erneut die Treppe runter, ziehe im Bad angekommen diesen elenden, viel zu klein geschnittenen String aus und schlüpfe in einen arschumspannenden Schlüpfer, dann in meinen Lümmellook, bestehend aus uralter Jogginghose und ein verflecktes Shirt.
Ich finde, dass ich wie ein Assi aussehe und es ist mir scheißegal, was nicht zuletzt am Lebensfreudegenerator im Minusbereich liegt. Alle Spiegel ignorierend, schlurfe ich nach unten und nehme mir fest vor, ab sofort Diät zu machen. Jede Faser meines Seins stimmt mir zu und ich koche mir als erstes einen Kaffee.
Ding, dong.
Okay, denke ich und schlurfe depressiv zur Tür, davor steht ein endgeiler, zirka 30-jähriger DeHaEl – Mann und übergibt mir Corona konform mit einem Abstand von 25 cm ein riesiges Paket.
»Ich habe nichts bestellt«, maule ich ihn an. Er weiß natürlich nicht, dass sein Leben momentan am seidenen Faden hängt, schließlich der Generator und so, Mitte der Erde, ihr wisst schon.
Er strahlt trotzdem, schaut auf mein verflecktes Shirt, genau genommen auf Augen- ähm Tittenhöhe und ich bemerke, dass ich keinen BH drunter trage.
Klar, denke ich, nehme ihm das Paket ab und teleportiere Todesformeln in seine Richtung.
Ich sollte unbedingt den Volkshochschulkurs „Voodoo Puppen richtig anwenden“ besuchen, denke ich und schlurfe absichtlich arschwackelnd ins Haus zurück.
Coming soon. Part III
Selbstrespekt
Das herangereifteste Erwachsenen-geworden-sein an mir ist, dass ich es geschafft habe, dass es irrelevant wurde, ob ich mich in meiner Kindheit zu wenig geliebt, zu wenig gefördert, zu wenig geschätzt, und zu wenig ernstgenommen fühlte, weil ich jetzt an einem Punkt stehe, und es mir verdient habe, dort hin zu kommen, an dem ich mir das alles endlich selbst geben kann. Ich habe meine Wunden mit Selbstrespekt desinfiziert, und mit Selbstliebe geheilt. Das glaube ich mir zwar nicht immer, aber ich kann es leise fühlen, weil ich immer noch da bin, und beschlossen habe zu bleiben. Ich bin gut wie ich bin, weil ich das sage, und ohne die Bestätigung von irgendjemandem zu brauchen. Ich bin immer noch ein Idiot, aber ich bin jetzt mein Idiot.
Der Weg der Erkenntnis – Part I
06. Dezember 2020
Ich winde mich endmüde aus dem Bett, nachdem ich meinen Wecker am liebsten killen würde, da ich absolut keine Lust auf Aufstehen, Arbeiten oder, oder, oder habe. Alternativ darf jetzt jeder hier sein absolutes morgendliches No Go reinschreiben. Und doch nützt es nix und ich schlurfe steif (kein Penis, meine Gelenke, bin ne Frau) die Treppe herunter, um ins Bad zu kommen. Regelaltersrente mit 42 würde ich begrüßen, denke ich geistesabwesend.
Die morgendliche Routine beginnt und ich denke unwillkürlich an ein Altenheim. Da läuft ja auch alles in Routinen. Ob mein faules Brain nun Rente und Altenheim miteinander verknüpft kann ich beim besten Willen nicht sagen. Zähneputzen, Haare glätten, Schminken. Letzteres damit die Gesellschaft da draußen nicht vor mir erschreckt und dann könnte es losgehen.
Ich stehe nutzlos herum und finde, dass ich morgens die personifizierte Schlaftablette bin. Ich blicke meine Zahnputzutensilien komisch von der Seite an und denke nach, denn Zähneputzen ist ja nun auch nicht wirklich ein Highlight, also blicke ich mich um und entdecke meine Shoppingausbeute von gestern.
Wuhuuu, es regt sich was in mir. „ES“ fühlt sich voll positiv an.
Lebensfreudegenerator ist angesprungen, funkt mein träges Hirn und ich hüpfe nun doch schon ein wenig fröhlich (so 4%) in Richtung der Tüte, schließlich habe ich mir gestern zwei wunderschöne Passionata Strings gekauft und einer der beiden soll es jetzt richten, damit meine Laune sich bessert. Jetzt überlege ich, ob nur noch Geld ausgeben mich glücklich macht, habe aber gerade noch keine Muße über Soziologie, Kapitalismus und den tiefen Sinn von so endgeiler Passionata Unterwäsche zu ergründen, schließlich läuft das mit der Lebensfreude gerade erst an. (Stand 7%)
Zack, Schild vom Schlüppi gerissen und damit fast einen sieben cm tiefen Schnitt auf meinen Handrücken riskiert. Das Stück Plastik gibt doch noch nach und ich werfe das Preisschild in den Müll. Als wäre ich wieder zwanzig springe ich leichtfüßig in das edle Teil und ziehe ihn hoch.
Er passt. (Lebensfreudegenerator bei 99%)
Jetzt will ich natürlich noch wissen, wie er aussieht und gehe in mein angeberisches, dekadentes Anziehzimmer, was kein angeberisches, dekadentes Anziehzimmer ist, sondern mein großer Kleiderschrank in einem sonst leeren Zimmer und stelle mich beschwingt mit aufgeladener Lebensfreude vor den Ganzkörperspiegel und sehe …
Nichts!
Also. Das klingt jetzt natürlich echt dämlich, aber ich sehe meinen Kopf, bemerke schmerzlich, dass ich ungeschminkt bin und sehe meine nackten Brüste. Da mein Bauch überpräsent ist, erwähne ich nicht, dass er sich förmlich aufdrängt und da liegt auch mein Problem. Ich kann diesen sündhaft teuren, endlos schönen, sich genial anfühlenden String nur deshalb nicht sehen, weil mein Bauch ihn aufgefressen hat.
Mein morgendlicher Lebensfreudegenerator stürzt wie der Dax in der Bankenkrise in riskante Tiefen. Lebensfreudegenerator – 3.725.595,22
Was soll ich tun, frage ich mich, schnappe mir mein Telefon und melde mich als allererstes beim Chef krank.
Coming soon. Part II
Die Nachsorge – oder nach der Operation II
»Der Porno läuft ja schon«, presste er mehr für sich selbst und völlig irritiert hervor, was Mrs. Happy End grinsend kommentierte. Es war ja nicht so, dass er prüde war oder so, aber im Normalfall war seine Frau dann ziemlich schnell nackt, wenn beide sich so ein Filmchen gönnten. Und nun? Fremde Frau, die dann auch noch angezogen blieb? Noch ehe er was Vernünftiges sagen konnte, zeigte sie ihm den BECHER.
Das Gefäß für die Probe sozusagen. Sie säuselte noch irgendwas, wo das Ding dann hingestellt werden sollte und verabschiedete sich mit einem grinsenden »Viel Spaß«. Wie jetzt, fragte er sich, denn Spaß und ihr Verlassen des Raumes passten für ihn gerade so gar nicht zusammen. Er blickte sich um, plötzlich schoss Adrenalin durch seine Adern. Was, wenn er nur ein paar Minuten Zeit hatte, weil dann der Nächste ins Schüttelzimmer musste?
Scheiße …
Die Brünette aalte sich noch immer und ihre Brüste wippten über den riesigen Flat und das Erste, was er jetzt tun würde, wäre aufs Klo gehen. Vielleicht war es das Adrenalin, möglicherweise aber auch sein fortgeschrittenes Alter von 36. Aber er musste jetzt kacken. Das klang nicht gut, es passte auch nicht zur Situation, dennoch zog er gemächlich die Tür zur Toilette hinter sich zu.
*Piiieeppppppppppppppppppppppppppp
Als sich die Tür wieder öffnete, wackelten die Brüste immer noch auf dem Bildschirm und er fühlte sich in jedem Fall gelöster als vorher. Prima, dann mal los, dachte er und fragte sich, ob er vielleicht beobachtet wurde. Krasser Scheiß, sein Gemächt zog sich gefühlt nach innen. Er musste unbedingt aufhören an sowas zu denken. Sein Blick fiel auf den Flatscreen und er fragte sich, welches Modell das war, und, ob es in sein Wohnzimmer passen würde.
Wenn das nicht aufhörte, müsste er schlussendlich in den Becher spucken, weil was anderes nicht ging. Konzentration, du Freak!
Also verlor er sich für gefühlte 37 Sekunden in diesen Softporno. Prinzipiell wirkte das Video wie ein nicht enden wollendes GIF. Wackelnde Brüste und so. An sich ja jetzt nicht so schlecht, aber es turnte ihn in keinster Weise an. Er könnte auch die Anzeigen des Dr. Sommer Teams in der Bravo lesen, oder sich Unterwäsche im Frauenkatalog anschauen.
Da regte sich nichts.
Rausgehen und nach was Härteres fragen fiel auch aus. Verdammt!
Also brachte er es irgendwie hinter sich. Obwohl, Moment mal …
Kurz überschlug er, wie lange er wohl dafür brauchen würde und ärgerte sich, dass er keinen Snickers dabei hatte. Nee, Unsinn. Scheiß Werbung.
Ihm fiel auf, dass, wenn das männliche Glied erigiert, waagerecht vorm Bauch stand, was es ja musste, um die gewünschte Probe zu geben, dann fragte er sich, wie er in den Becher proben sollte. (Krass cool ausgedrückt, eigentlich wollte ich spritzen schreiben.)
Und während er seine Pflicht tat, rückte die Frage nach den anatomischen und ergonomischen Verhältnissen immer näher und er überlegte kurz, ob er auf alle Viere gehen sollte, um das Flüssige in das Plastische zu bringen. Dann stellte er sich vor, wenn Mrs. Happy End reinkam und dazu kam, dass er dann den Flat nicht mehr bewundern konnte. Nicht wegen der Frau mit den wackelnden Dingern, eher wegen des Fernsehers an sich.
Lange Rede kurzer Sinn, er würde nicht zu 100% verraten, wie das nun alles in den Becher passte, aber eins ist sicher, ich musste so sehr lachen, dass ich sein Erlebtes aufgeschrieben habe.
Die besten Geschichten schreibt eben das Leben selbst.
Erster Geschlechtsverkehr Ü30
Weil ich erst sehr spät meine Jungfräulichkeit verloren habe, weit jenseits der Dreißig, wurde Geschlechtsverkehr für mich zu einem völlig anderen Erlebnis, als ich es jemals erwartet hätte. Ich habe den eigenen Körper dabei zuerst als Hindernis erfahren, nicht als Spaßinstrument, obwohl ich eigentlich erwartet hätte, gerade dabei völlig darauf zentriert zu werden, aber erst mal musste ich mich vergessen, um mich auf einer völlig anderen, vagen und teilbewussten Ebene wiederzufinden. Die vollkommene Wahrnehmung meines Körpers, was ich gerade wie mache, und wo ich den anderen berühre, ob ich dabei geschickt wäre, ob es ihr gefällt, dieser gesamte innere Monolog; das alles war zuerst einfach nur ein Auslöser für zahlreiche Hemmungen. Die Selbstbeobachtung gab mir das Gefühl, als ob ich mich dabei filmen würde. Was mir das Gefühl gab, mich in mein Schneckenhaus zu verkriechen, innerlich in mir selbst verloren zu gehen, und meinen Körper nicht mehr richtig auszufüllen. Zum ersten Mal hat mir die Reflexion nicht weitergeholfen, statt dessen musste ich einfach loslassen. Nicht darüber nachdenken, ob ich gut wäre, sondern einfach das tun, worauf ich gerade Lust hatte. Sie berühren ― bis wir eine gemeinsame Gleichzeitigkeit finden, um uns dann in Bewegung gegenseitig festzuhalten, als ob man in den Wellen seinen Rhythmus finden müsste, um gleitend mit der Strömung zu schwimmen, die Bewegung ineinander aufgehen zu lassen, und zwei Linien zu einem Kreis zu biegen ― bis sie von alleine ihre neue Form halten. Eine Erfahrung absoluter Körperlichkeit hätte ich erwartet, dass ich alle meine Sinne auf Hochbetrieb fahren würde, und wir gemeinsam versuchen würden, den Strombedarf einer Kleinstadt zu erzeugen. Nicht, so wie es dann wirklich war, dass ich vieles für mir einfach ausschalten müsste, es in den Schlummermodus versetzen, weil es mir sonst nur im Weg stehen würde. Es war viel eher rudimentär als kreativ, weniger animalisch als entspannt, und dabei doch ziemlich anstrengend, gleitend mit einer tiefen inneren Ruhe, bis sich diese Gefühle hochschaukeln, und immer fordernder werden, als ob man einen sehr rohen mit einem äußerst zärtlichen Teil verlötet. Ich habe zuerst versucht die eigenen Gedanken zu ficken, mir dabei irgendetwas vorzustellen, weil ich das Übermaß Nähe etwas beängstigend fand, diese pulsierende Verbindung zwischen unseren Körpern, dieses wortwörtliche Eindringen in die tiefste aller tiefen Intimitäten, dass es etwas dauerte, bis ich merkte, dass ich dieses Gefühl ficken muss. Eigentlich gehst du durch den Körper hindurch, wie durch eine Flammenwand, und dann fickst du die Seele mit diesem Gefühl des Loslassens, aber auch einem gleichzeitigen Ergreifen, als ob man jemand über einem Abgrund festhalten würde. Solange bis einem das alles nichts mehr ausmacht. Man fickt sich gegenseitig durch ein Meer aus Nebensächlichkeiten, und hält sich mit den Augen aneinander fest, oder macht sie einfach zu, fällt in sich hinein, bis man irgendwie fliegen kann. Scheiße, das ist eine gute Beschreibung.
Die Nachsorge – oder nach der Operation I
Nachdem er die Durchtrennung seiner heiligen Samenstränge zwar wach, dennoch unversehrt überstanden hatte, flatterte wenige Wochen später ein Brief ins Haus, dass er zur Nachsorge kommen sollte.
Nachsorge, fragte er sich? Was sollte denn nachgesorgt werden, außer vielleicht, dass ihm irgendein Guru die Angst vor tätowierten, großen Männern nehmen würde. Das wäre ja was, aber die Aussicht darauf lag in seinen Augen bei null. Schließlich konnte er gut und gerne schnell an den ganzen behackten Typen vorbei latschen. Angst sah man je niemandem per se an.
Gott sei Dank.
Zack Telefon geschnappt – zack Termin zur NACHSORGE ausgemacht.
Als er an besagtem Morgen aufstand verschwendete er keine Gedanken an den kommenden Termin. Im Auto lief dieselbe Musik, zum Frühstück gab es wie immer Nix, der Kaffee aus diesem unsäglichen Senseo-Ding, welches seine Frau unbedingt haben wollte, schmeckte genauso scheiße wie immer …
Irgendwann stand er in so einer super-hightec-nigelnagel-neuen-Arztpraxis und die Dame am Empfang sah nicht nur gut aus, sondern eröffnete ihm, dass er jetzt eine Spermaprobe abgeben musste.
Als wenn es ne Sperma-P*R*O*B*E gäbe …
Entweder Mann kommt oder Mann kommt nicht. Ein bisschen Kommen gibt es nicht. Das bedeutete, dass er sich also hier einen Schütteln musste. Darauf war er nicht vorbereitet, wobei ihm nicht ganz klar war, was Nachsorge sonst so hätte bedeuten können. Eine mögliche Auswahl:
– Vier wunderschöne Frauen, die ihm eine Ganzkörpermassage mit Happy End schenkten, einfach weil er bei der elenden Operation einfach nicht in den Schlaf kam
– Vier wunderschöne Frauen, die ihm eine Ganzkörpermassage mit Happy End schenkten, einfach weil er bei der elenden Operation einfach nicht in den Schlaf kam
– Vier wunderschöne Frauen, die ihm eine Ganzkörpermassage mit Happy End schenkten, einfach weil er bei der elenden Operation einfach nicht in den Schlaf kam
– Vier wunderschöne Frauen, die ihm eine Ganzkörpermassage mit Happy End schenkten, einfach weil er bei der elenden Operation einfach nicht in den Schlaf kam
Okay, nachdem er nun alle denkbaren Entschädigungsmöglichkeiten durchspielte, überlegte er, dass er die Senseo zu Hause sterben lassen musste. Einfach, weil er gern vor diesem Live Event einen geilen Kaffee gehabt hätte. Geschenkt! (Er würde sie heute Abend aus Versehen von der Arbeitsplatte stoßen, schließlich machte er dort selten irgendwas, da konnte das schon mal passieren.)
Die hübsche Happy End Assistentin begleitete ihn ins Schüttelzimmer. Joar. Rechteckiger Raum, hypermodern eingerichtet, bisschen Kunstleder. Abwischbar (kicher, kicher).
Sein Blick wanderte durch den Raum und blieb an einem riesigen Flachbildschirm hängen, auf welchem sich gerade eine schmucke Brünette mit großen Brüsten rekelte.
Coming soon. Part II