Der Weg der Erkenntnis – Part II

Immer noch 06. Dezember 2020

Naturgemäß laufen mir die Tränen, da mein Lebensfreudegenerator im Kern der Erde steckt, also gaaaaannnzzzz weit unten. Also unten Mitte, ist ja nen Kern, also nur um die Geografie zu erklären. Ich wundere mich, dass ich mich so einfach, einfach so krank gemeldet habe, halte das aber für richtig, bevor ich atomare Waffen nutze, um da draußen meinen Frust abzulassen. Bei diesem Gedanken muss ich teuflisch grinsen. Es nützt nichts, ich schmeiße mich auf mein Bett und heule wie ein Teenager, bis mir auffällt, dass ich nicht wirklich weiß, warum ich weine, mein Kissen mit Rotze besudele und sich die Mascara der letzten drei Jahre mit Rotze verbrüdert.

Verschiedene Gründe ziehen durch meinen Kopf.

1. Weil mein Wecker nen Drecksding ist

2. Weil ich schon seit fast 30 Jahren jeden Morgen aufstehe und arbeiten muss

3. Weil der Gott der Adipositas mir nicht beistand als ich ihn gerade vorm Spiegel wirklich, wirklich brauchte

4. Weil ich mit 42 nicht in Regelaltersrente gehen darf

5. Weil Passionata unbedingt über Größen nachdenken muss, wo 44 draufsteht muss auch 44 reinpassen

6. Weil ich ohne schlechtes Gewissen auf Arbeit ziemlich krass gelogen habe

Ich finde schon, dass alle Gründe eine gewisse Heulberechtigung hätten und weine erst mal weiter. Was natürlich auch bedeutet, dass ich nachher unbedingt mein vollgerotztes Kissen mit dem Kissen meines Mannes tauschen muss. *teuflisch grins

Irgendwann hört es auf und ich bin konfus, weil ich immer noch nicht weiß, welcher der sechs Gründe nun der Auslöser war. Ich muss aber anmerken, dass nicht arbeiten zu müssen meine Laune definitiv besser gemacht hat, allein schon, weil ich nicht arbeiten muss. #begründungenkannich

Ich schleiche erneut die Treppe runter, ziehe im Bad angekommen diesen elenden, viel zu klein geschnittenen String aus und schlüpfe in einen arschumspannenden Schlüpfer, dann in meinen Lümmellook, bestehend aus uralter Jogginghose und ein verflecktes Shirt.

Ich finde, dass ich wie ein Assi aussehe und es ist mir scheißegal, was nicht zuletzt am Lebensfreudegenerator im Minusbereich liegt. Alle Spiegel ignorierend, schlurfe ich nach unten und nehme mir fest vor, ab sofort Diät zu machen. Jede Faser meines Seins stimmt mir zu und ich koche mir als erstes einen Kaffee.

Ding, dong.

Okay, denke ich und schlurfe depressiv zur Tür, davor steht ein endgeiler, zirka 30-jähriger DeHaEl – Mann und übergibt mir Corona konform mit einem Abstand von 25 cm ein riesiges Paket.

»Ich habe nichts bestellt«, maule ich ihn an. Er weiß natürlich nicht, dass sein Leben momentan am seidenen Faden hängt, schließlich der Generator und so, Mitte der Erde, ihr wisst schon.

Er strahlt trotzdem, schaut auf mein verflecktes Shirt, genau genommen auf Augen- ähm Tittenhöhe und ich bemerke, dass ich keinen BH drunter trage.

Klar, denke ich, nehme ihm das Paket ab und teleportiere Todesformeln in seine Richtung.

Ich sollte unbedingt den Volkshochschulkurs „Voodoo Puppen richtig anwenden“ besuchen, denke ich und schlurfe absichtlich arschwackelnd ins Haus zurück.

Coming soon. Part III

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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