Die Nachsorge – oder nach der Operation II

»Der Porno läuft ja schon«, presste er mehr für sich selbst und völlig irritiert hervor, was Mrs. Happy End grinsend kommentierte. Es war ja nicht so, dass er prüde war oder so, aber im Normalfall war seine Frau dann ziemlich schnell nackt, wenn beide sich so ein Filmchen gönnten. Und nun? Fremde Frau, die dann auch noch angezogen blieb? Noch ehe er was Vernünftiges sagen konnte, zeigte sie ihm den BECHER.

Das Gefäß für die Probe sozusagen. Sie säuselte noch irgendwas, wo das Ding dann hingestellt werden sollte und verabschiedete sich mit einem grinsenden »Viel Spaß«. Wie jetzt, fragte er sich, denn Spaß und ihr Verlassen des Raumes passten für ihn gerade so gar nicht zusammen. Er blickte sich um, plötzlich schoss Adrenalin durch seine Adern. Was, wenn er nur ein paar Minuten Zeit hatte, weil dann der Nächste ins Schüttelzimmer musste?

Scheiße …

Die Brünette aalte sich noch immer und ihre Brüste wippten über den riesigen Flat und das Erste, was er jetzt tun würde, wäre aufs Klo gehen. Vielleicht war es das Adrenalin, möglicherweise aber auch sein fortgeschrittenes Alter von 36. Aber er musste jetzt kacken. Das klang nicht gut, es passte auch nicht zur Situation, dennoch zog er gemächlich die Tür zur Toilette hinter sich zu.

*Piiieeppppppppppppppppppppppppppp

Als sich die Tür wieder öffnete, wackelten die Brüste immer noch auf dem Bildschirm und er fühlte sich in jedem Fall gelöster als vorher. Prima, dann mal los, dachte er und fragte sich, ob er vielleicht beobachtet wurde. Krasser Scheiß, sein Gemächt zog sich gefühlt nach innen. Er musste unbedingt aufhören an sowas zu denken. Sein Blick fiel auf den Flatscreen und er fragte sich, welches Modell das war, und, ob es in sein Wohnzimmer passen würde.

Wenn das nicht aufhörte, müsste er schlussendlich in den Becher spucken, weil was anderes nicht ging. Konzentration, du Freak!

Also verlor er sich für gefühlte 37 Sekunden in diesen Softporno. Prinzipiell wirkte das Video wie ein nicht enden wollendes GIF. Wackelnde Brüste und so. An sich ja jetzt nicht so schlecht, aber es turnte ihn in keinster Weise an. Er könnte auch die Anzeigen des Dr. Sommer Teams in der Bravo lesen, oder sich Unterwäsche im Frauenkatalog anschauen.

Da regte sich nichts.

Rausgehen und nach was Härteres fragen fiel auch aus. Verdammt!

Also brachte er es irgendwie hinter sich. Obwohl, Moment mal …
Kurz überschlug er, wie lange er wohl dafür brauchen würde und ärgerte sich, dass er keinen Snickers dabei hatte. Nee, Unsinn. Scheiß Werbung.

Ihm fiel auf, dass, wenn das männliche Glied erigiert, waagerecht vorm Bauch stand, was es ja musste, um die gewünschte Probe zu geben, dann fragte er sich, wie er in den Becher proben sollte. (Krass cool ausgedrückt, eigentlich wollte ich spritzen schreiben.)

Und während er seine Pflicht tat, rückte die Frage nach den anatomischen und ergonomischen Verhältnissen immer näher und er überlegte kurz, ob er auf alle Viere gehen sollte, um das Flüssige in das Plastische zu bringen. Dann stellte er sich vor, wenn Mrs. Happy End reinkam und dazu kam, dass er dann den Flat nicht mehr bewundern konnte. Nicht wegen der Frau mit den wackelnden Dingern, eher wegen des Fernsehers an sich.

Lange Rede kurzer Sinn, er würde nicht zu 100% verraten, wie das nun alles in den Becher passte, aber eins ist sicher, ich musste so sehr lachen, dass ich sein Erlebtes aufgeschrieben habe.

Die besten Geschichten schreibt eben das Leben selbst.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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