Erkenntnisse

Ich vertraue dieser narzisstischen Gesellschaft nur soweit ich sie werfen kann.

Also gar nicht! (Wie überraschend.)

Du fragst warum?

Weil Menschen Dir immer zeigen wer sie sind, es bedarf dazu nur eines: Geduld.

Es ist immer und immer dasselbe. Eine soziologische Endlosschleife des beschissenen täglichen Murmeltiers.

Nimm hin, muss ich schließlich auch.

Enttäuscht

Bis heute hatten alle Apotheken bei mir so nen Souveränitätsstatus. Der war implizit, den habe ich nie gedacht, er war einfach da. Frau von Welt gibt also ihr Hausarztrezept in Souveränien ab und wartet bis die souveräne Frau im weißen Kittel die benötigte Chemie von hinten holt. Zack bezahlt, Zack injepackt. Und weil wir Kapitalisten eben überall nen Benefit in Form von kleinen Geschenken erwarten, Kundenbindung und so, schob sie mir so ne rote Packung rüber. Eben ausjepackt und nicht schlecht geguckt!

Vagisan? Creme? Hat mir die bis eben vorletzte moralische Instanz dieser Gesellschaft ernsthaft ne Creme für die Muschi als Geschenk mitgegeben?

Häääää?

Was bekommen denn dann die Herren in meinem Alter als Gratisprobe? Erektionssalbe? Marke Stehpimmel, genderungerecht in blau? Ich meine, wenn, dann doch bitte konsequent!

Dicke Glasscheibe

Ich habe manchmal Angst, dass andere Menschen bemerken, dass ich immer noch ein Kind bin. Obwohl ich immer weiter von mir weg wachse, mich die Zeit wie ein Rasiermesser von meiner Kindheit abschneidet. Darum stehe ich in einem Art Niemalsland. Ich denke und handle nicht wie ein Kind. Das Leben hat mir das schon lange ausgetrieben, aber ich fühle immer noch so. Was ich war fühlt sich an wie eine viel tiefere Wahrheit, als das was ich bin, aber es ist eine dieser lautlosen Welten, von denen man durch eine dicke Glasscheibe getrennt ist. Mein Erinnern ist reines Beobachten, ohne dass ich noch etwas verändern kann. Die Welt in der mein Leben spielt dagegen, ist allgegenwärtig und voller Handlungsraum, aber gibt mir das Gefühl blind zu sein. Also wandere ich einsam zwischen diesen Welten, und versuche herüberzuretten was ich kann.

Der Partyunterschied

Der Partyunterschied …, oder die differenzierte Diversität zwischen den Entitäten in West- und Ostdeutschland (meine Fresse, es klingt soooo schlau)

Die ultimative, hammergeile, super duper Party im Westen …

Das Gastgeberpaar plant die Party bereits 5 Monate zuvor, schickt allen ein Save the date Reminder, eröffnet eine WhatsApp Gruppe, aus der niemand aussteigen sollte, ansonsten erlebt er sein zivilisiertes Inferno und wird aus allen Vereinen rausgeschmissen, in denen er nie drin sein wollte, aber musste. Zeitgleich werden jedes Wochenende die Angebote vom Aldi-Alda gecheckt, um möglichst alle Utensilien für das Megaevent im reduzierten Zustand zu erstehen. Vormittags wird die Bude mit Zahnbürste geschrubbt, damit niemand denkt, die Familie wäre unsauber. Am Abend der Party hatte das Paar seinen dritten großen Streit, weil er ihren Rock zu kurz findet und sie findet, dass der Alte zu wenig mithilft. Dabei steht er bereits Stunden vorm offenen Kühlschrank und sucht die Butter.

Na, jedenfalls kommen die drei geplanten Gäste pünktlich 17 Uhr mit zwei Kindern, die ausgerechnet an diesem Abend brechend schlechte Laune haben. Es gibt keinen Kuchen, da 17 Uhr überraschenderweise keine Kuchenzeit mehr ist, dafür gibt es aber Laktose freie Milch zum entkoffeinierten Kaffee und Gemüsechips als dargebotene Knabberei. Alle unterhalten sich über die Kindertagesstätte, den aufkommenden Fluglärm und dem Edeka im Dorf mit seinen unverschämten Preisen, während die beiden Kinder in Dauerschleife schreien, das jedoch ignorieren alle, da antiautoritär eben nicht inflationär zu sein scheint.

Zurück zum teuren Edeka. Niemand erwähnt, dass jedes Paar locker 100-tausend Euro Barvermögen zur Verfügung hat und allein der Ehemann 70-tausend Jahresgehalt mit nach Hause bringt. Da die Jemüsechips vom Aldi-Alda sind, schmecken sie entsprechend scheiße und vertrocknen auf dem Tisch. Die Gäste funkeln sich gegenseitig an und geben geheime Abreisezeichen, jedoch wissen sie sehr genau, dass sie noch bis zum Abendessen durchhalten müssen. Es kommt im schlimmsten Fall Robby Bubble – Alkoholfreier Sekt auf den Tisch, damit der Fahrer bei 0,0 Promille bleibt, um richtig aufzutrumpfen, holt der Gastgeber noch ein Jever Alkoholfrei dazu. Ist ja auch undenkbar, sich für drei Kilometer Entfernung nen Taxi zu nehmen. Wobei ich die schreienden Kinder definitiv als Ausschlusskriterium betrachten würde. Zum Abendessen um 17:42 Uhr gibt es dann halt irgendwas, was Maggi oder Knorr im Angebot hatte und alle essen schweigend das perfekte Dinner. Gegen 18:30 Uhr verlassen die Gäste die Party und fahren nach Hause, während sich die Gastgeber unfassbar über den gelungenen Abend freuen.

Irgendeine Party im Osten

Freitag nachmittags.

Langeweile? – Langeweile!

Bock auf Party? – Bock auf Party!

Via WhatsApp alle kurz angefragt, ob sie Bock haben, morgen Abend gegen 20 Uhr vorbei zu kommen. In drei Sätzen klärt man ab, dass die Gäste die Getränke mitbringen und der Gastgeber sich um das Essen kümmert. Eher die Saufgrundlage. Meistens sind das Mettbrötchen mit Jewürzjurken und Zwiebeln, oder Wiener Würstchen mit frischen Brötchen oder man bestellt mal schnell 20 Pizzen beim lecker Lieferservice.

Zack, ab 20 Uhr geht es los, alle kommen. Es gab keinen Streit, die Ossigastgeber und alle Gäste haben am Nachmittag vorgeschlafen, niemand kam auf die Idee sauber zu machen und Streit gab es nicht, da niemand die Butter suchen musste. Röcke sind nicht zu kurz und Kinder bei Oma und Opa.

Da knapp vierzig Gäste nicht auf die Möbel passen, werfen die Gastgeber Decken und Kissen an die Erde, damit es sich alle irgendwie bequem machen können.

Ding-Dong, der Pizzabote liefert 20 Pizzen, alle sind froh um 21 Uhr den Boten klingeln zu hören, da die Bässe ordentlich wummern in der 55qm Wohnung. Alle, egal ob dick oder dünn essen nach Herzenslust die Pizzen, nichts ist laktose- oder glutenfrei und alle trinken dazu Lausitzer Porter, Berliner Luft und eben alles, was alle so mitgebracht haben. Es gibt nichts Alkoholfreies. Der finanzielle Aufwand spielt keine Rolle, niemand hat 100-tausend in Bar und noch niemander verdient 70-tausend im Jahr.

Irgendwer fragt nach dem süßen Abschluss und die Gastgeberin haut alle Chips- und Schokoladenreserven auf den Tisch, was alle voll freut und das große Fressen geht weiter. Gegen 23 Uhr sitzt die Hälfte der Gäste auf dem Balkon, raucht und betrinkt sich, während in der Bude die Musikanlage auf Anschlag läuft. Zehn der fünfunddreißig Gäste tanzen zur lauten Mukke, der Rest ist auf dem Balkon und genießt den Abend.

Gegen 3 Uhr morgens fallen die letzten Pizzareste, während der fünfte Kasten Porter und die neunte Flasche Berliner Luft geleert ist. Alle trinken alles durcheinander, es tanzen noch immer die zehn von 23 Uhr, der Rest ist weiterhin auf dem Balkon. Alle quatschen, die ohrenbetäubende Lautstärke wird von allen ignoriert, da man sich ja so herrlich anschreien kann. Die Stimmung ist cool, alle wollen bleiben.

6 Uhr morgens. Die Gastgeber bestellen Taxen für die letzten vierunddreißig Gäste und treten sie bei Eintreffen der Autos aus der Bude. Alle verabschieden sich lallend mit dem besoffenem Bewusstsein, dass nächstes Wochenende irgendwer von den anderen einlädt.

Nichts steht fester als das!

Aus der besseren Gegend

Diese Jugendlichen aus der besseren Gegend in der ich jetzt wohne, sind völlig anders als wir es damals waren. Irgendwie sind sie gleichzeitig klüger und dümmer. Sie wirken deutlich gebildeter, aber gleichzeitig auf infantile Weise intellektualisiert. Wir? Wir waren junge Erwachsene. Obwohl wir gar nichts wussten. Unsere Probleme haben uns dazu gemacht. Nicht unser Verstand. Unser hartes Leben formte uns schneller. Ihren kindlichen Freigeist hatten wir nicht. Wir kannten nur Rebellion und Wut. Wir hatten andere Augen. Man sieht wenn darin… Dinge sind. Dinge die in einer Kinderseele nicht untergehen. Und daraus werden Geheimnisse. Wir waren schneller als unsere natürliche Zeit.

Der Senf der anderen

Es nervt mich, das diese postmaterialistische Gesellschaft überall ihren uninformierten, normativen Senf ungefragt abgeben muss. Egal um was es auch geht, jeder hat ne Meinung! Klar, darf auch jeder haben, aber warum um alles in der Welt glauben alle, dass jeder diese auch hören will? So viele Finger zum in die Ohren drücken, um lalala zu singen kann es gar nicht geben, so sehr kotzt mich diese vorgegaukelte direkte Demokratie an, während im Hintergrund alles andere als Demokratie passiert. Das Schlimme? Es wird gefühlt täglich mehr Senf.

Der gefallene Engel II

Als Bafa endlich ging konnte er damit beginnen sich über seine Zukunft Gedanken zu machen. Es brauchte eine ordentliche Portion Überzeugungskraft, damit der weibliche Engel diesen beschissenen Ort endlich verließ. Fair war das eben nicht von ihm.

Er hatte sie einfach nicht mehr ertragen.

Dieses Weinen, diese Stille, Angst und Verzweiflung. Und auch ihr Licht, ihr Halo ertrug er nicht eine Sekunde länger. Sie liebte ihn, er wusste das und auch sein Herz brach als er sie eben aus seiner Verdammnis warf, doch das war der Punkt. Seine Strafe, seine Verdammnis.

Seine beschissen dunkle Ewigkeit.

Als Bafa ging und es dunkel wurde in der Unterwelt, als die Fäulnis dieser kalten Höhle sich wieder in seine Nase schob und all seine physischen und psychischen Wunden simultan aufbrachen, wallten Wut und hemmungsloser Zorn durch seine Adern und sein Herz krampfte, weil alles unabänderlich war.

Er atmete tief durch und schleppte sich an die steinerne Wand. Sein linker Unterarm zog seinen Oberkörper und dieser anscheinend irgendwie seine Beine mit sich. Mit Kraft hatte das alles nichts mehr zu tun.

Kalt, nass und schroff rutschte seine Haut mit samt den Muskeln über den harten und kantigen Boden, er bemerkte schmerzhaft, dass sein Fleisch teilweise von seinem gepeinigten Körper riss. Er roch sein eigenes Blut. Als er zum Sitzen kam, begann er damit, seine Wunden zu ertasten und zu klassifizieren.

Es dauerte eine ganze Weile, aber irgendwann war er damit fertig und konnte fünf verschiedene Kategorien für sich festhalten. Von kleinstem Kratzer bis zur tiefsten Fleischwunde, bilanzierte er und wusste nicht wirklich, was er gegen diese Blessuren tun sollte. Anscheinend heilte er schlechter als zuvor. Oder gar nicht mehr und die Unterwelt sollte sein Ende sein? Sterben auf Raten?

»Oh nein«, presste er wütend hervor.
»Noch nicht!« Sich aus der sitzenden Perspektive ins Stehen zu wuchten, kostete immens viel Kraft und er bemerkte jede einzelne Wunde. Äußerlich wie innerlich.

Aber er stand. Immerhin, schob er gedankliche Ironie hinterher. Der metallische Bogen, der anstatt seiner Flügel jetzt auf seinem Rücken verweilte, fühlte sich kalt und schwer an. Ganz im Gegensatz zu den weichen, vor allem ultraleichten Federn, welche über Jahrhunderte auf seinen Schultern fest verankert waren.

»Okay«, hauchte er leise in die Dunkelheit und schob vorsichtig eine Hufe vor die andere. Dabei rutschten die Sohlen über den Boden, ohne den Kontakt zu selbigen zu verlieren, denn er besaß nicht die Energie, seine Füße zu heben.

Er sah an sich herab.

»Eher Hufe«, schnaubte er verärgert, denn er war ein Engel und kein Dämon. Sein Oberkörper nach vorn gebeugt wie ein alter, vom Leben enttäuschter Mann, schleppte er sich über die Steine, auf denen er vor ein paar Wochen aufgeschlagen war. Vor einer großen Pfütze kam er zum Stehen und verharrte eine Weile. Angst packte ihn. Er wusste nicht, ob er sein Antlitz sehen wollte. Alles bisher war Hypothese. Er hatte keinen blassen Schimmer, was der Aufprall aus seinem einst so perfekten Körper gemacht hatte. Ihm war nicht klar, was ihn optisch erwartete. Noch einen Schritt weiter, schliffen die Hufe beschwerlich nach vorn, ehe sie das Wasser und somit den Spiegel berührten. Sein Atem ging nur noch stoßweise, da Angst, Schwäche und Schmerzen einen heftigen Tanz in ihm tanzten und ihn davon abhielten, sich dem zu stellen, was er seit dem Urteil des Höchsten war.

Immer sein würde …

Es schlurfte etwas durch die Höhle, erschrocken drehte er sich um. Eine Bewegung, die jegliche Schmerzen auf einer neuen Ebene entfachte.

»Wer ist da«, fragte er grollend, denn er war ein leichtes Opfer. Schwach und angeschlagen.

Keine Reaktion.

Gut, dachte er. Wenn das sein Schicksal sein sollte und sich seine eigentliche Unsterblichkeit an diesem Platz vollenden sollte, würde er es annehmen.
Das Schlurfen kam näher, er hievte seinen Körper in die Richtung des Geräuschs. Er schwankte wie ein schmaler Ast im Wind aber er schaffte es, stehen zu bleiben.

Das Schlurfen stoppte, ein bekanntes Geräusch erfüllte die Stille. Ein Streichholz, dachte er. Noch einen Moment Stille und dann erhellte eine kleine Kerze den Raum. Eine zierliche Person schlurfte auf ihn zu. Eine alte Frau? Ein alter Mann? Das Licht der Kerze brannte in seinen Augen, dennoch breitete sich rasend schnell Hoffnung in ihm aus.

»Wer bist du«, hauchte er lediglich. Zitternd stand er in dieser Kälte und die einzige Hoffnung schien das Licht zu sein. Sein Blick hing tranceähnlich an der Kerze. Er dachte an nichts, die Angst legte sich langsam, das Adrenalin wurde weniger. Der Körper schwach, der Geist müde, vernahm er ihre wenigen Worte.

»Ich bin gekommen, um dich zu heilen.« Ungläubig starrte er Richtung der Stimme. »Aber warum …«, stieß er skeptisch aus. Sie kam näher. Er konnte nichts tun, er stand an Ort und Stelle. Wartete auf das, was sie ihm sagen würde. Licht und Hoffnung, dachte er.

»Weil du zu Unrecht hier bist«, hörte er noch als seine Knie nachgaben und er komplett in sich einknickte. Er reckte seinen Kopf gen Himmel. Seine Lungen hörten kurz auf zu atmen, denn er schrie aus vollem Halse. 

Und schrie und schrie und schrie.

Das letzte, was er sah, bevor er in Ohnmacht fiel, sollte ihr Licht sein, das unaufhörlich auf ihn zukam.