Der Weg der Erkenntnis – Part I

06. Dezember 2020

Ich winde mich endmüde aus dem Bett, nachdem ich meinen Wecker am liebsten killen würde, da ich absolut keine Lust auf Aufstehen, Arbeiten oder, oder, oder habe. Alternativ darf jetzt jeder hier sein absolutes morgendliches No Go reinschreiben. Und doch nützt es nix und ich schlurfe steif (kein Penis, meine Gelenke, bin ne Frau) die Treppe herunter, um ins Bad zu kommen. Regelaltersrente mit 42 würde ich begrüßen, denke ich geistesabwesend.

Die morgendliche Routine beginnt und ich denke unwillkürlich an ein Altenheim. Da läuft ja auch alles in Routinen. Ob mein faules Brain nun Rente und Altenheim miteinander verknüpft kann ich beim besten Willen nicht sagen. Zähneputzen, Haare glätten, Schminken. Letzteres damit die Gesellschaft da draußen nicht vor mir erschreckt und dann könnte es losgehen.

Ich stehe nutzlos herum und finde, dass ich morgens die personifizierte Schlaftablette bin. Ich blicke meine Zahnputzutensilien komisch von der Seite an und denke nach, denn Zähneputzen ist ja nun auch nicht wirklich ein Highlight, also blicke ich mich um und entdecke meine Shoppingausbeute von gestern.

Wuhuuu, es regt sich was in mir. „ES“ fühlt sich voll positiv an.

Lebensfreudegenerator ist angesprungen, funkt mein träges Hirn und ich hüpfe nun doch schon ein wenig fröhlich (so 4%) in Richtung der Tüte, schließlich habe ich mir gestern zwei wunderschöne Passionata Strings gekauft und einer der beiden soll es jetzt richten, damit meine Laune sich bessert. Jetzt überlege ich, ob nur noch Geld ausgeben mich glücklich macht, habe aber gerade noch keine Muße über Soziologie, Kapitalismus und den tiefen Sinn von so endgeiler Passionata Unterwäsche zu ergründen, schließlich läuft das mit der Lebensfreude gerade erst an. (Stand 7%)

Zack, Schild vom Schlüppi gerissen und damit fast einen sieben cm tiefen Schnitt auf meinen Handrücken riskiert. Das Stück Plastik gibt doch noch nach und ich werfe das Preisschild in den Müll. Als wäre ich wieder zwanzig springe ich leichtfüßig in das edle Teil und ziehe ihn hoch.

Er passt. (Lebensfreudegenerator bei 99%)

Jetzt will ich natürlich noch wissen, wie er aussieht und gehe in mein angeberisches, dekadentes Anziehzimmer, was kein angeberisches, dekadentes Anziehzimmer ist, sondern mein großer Kleiderschrank in einem sonst leeren Zimmer und stelle mich beschwingt mit aufgeladener Lebensfreude vor den Ganzkörperspiegel und sehe …

Nichts!

Also. Das klingt jetzt natürlich echt dämlich, aber ich sehe meinen Kopf, bemerke schmerzlich, dass ich ungeschminkt bin und sehe meine nackten Brüste. Da mein Bauch überpräsent ist, erwähne ich nicht, dass er sich förmlich aufdrängt und da liegt auch mein Problem. Ich kann diesen sündhaft teuren, endlos schönen, sich genial anfühlenden String nur deshalb nicht sehen, weil mein Bauch ihn aufgefressen hat.

Mein morgendlicher Lebensfreudegenerator stürzt wie der Dax in der Bankenkrise in riskante Tiefen. Lebensfreudegenerator – 3.725.595,22

Was soll ich tun, frage ich mich, schnappe mir mein Telefon und melde mich als allererstes beim Chef krank.

Coming soon. Part II

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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