



Wortstarke und seelentiefe Schriftstellerei. Lyrik-berührt-Moderne




08. Dezember 2020
Genervt von Arbeit, Arbeitskollegen, meinem kratzigen Pullover, dem Chef, meinem winzigen Mittagessen und vielen anderen Faktoren, betrete ich die Muckibude in der Innenstadt meiner Heimat. Ich habe es wahrgemacht, denke ich und in meinem Kopf ertönt so heroische Musik wie im Film Gladiator. Aber nur kurz, denn danach denke ich an dumme Musik aus dummen amerikanischen Filmen.
Nein, verrate ich nicht!
Mein Blick gleitet zu der überdimensionalen Bahnhofsuhr über den Tresen und ich trauere meiner Freizeit hinterher, denn es ist 17 Uhr. Ich bin seit heute Morgen kurz nach sieben aus dem Haus und es gibt keine Aussicht auf Besserung, soll heißen, da komme ich auch so schnell nicht wieder hin. Eigentlich könnte ich jetzt heulen, da ich den Mist aber selbst bezahlt und auch gebucht habe, muss ich da wohl durch.
Die Kaugummi knatschende Fee im Fitnessdress hat wahrscheinlich Size zero, denke ich anerkennend und versuche mir ihren elfengleichen Körper an mir vorzustellen. Joarr, gefällt mir in jedem Fall. Sie quatscht und quatscht und quatscht, bemerkt jedoch nicht, dass ich noch immer in der Elfenkörpervorstellung gefangen bin.
»Ob sie nen Eiweißdrink haben wollen«, faucht sie mich regelrecht an.
Hä? Nein, kein Grande oral, denke ich kichernd und verneine. (Im Übrigen finde ich die Assoziation von Eiweiß hin zum Oralsex ziemlich grandios von mir.) Daraufhin übergibt sie mir meinen Spind Schlüssel. Warum erinnert mich das nun schon wieder an Arbeit, frage ich mich und schlurfe in Richtung …? Ja, keine Ahnung, ich war ja noch nie hier. Also latsche ich bis ans Ende der Halle und wieder zurück, da da ganz hinten nichts mehr kam, was an eine Umkleide erinnert hätte.
Irgendwann stehe ich auf dem gefließten Boden der Umziehhalle und hole gelangweilt und mit Abscheu meine Assilümmelbuxxe aus der Sporttasche. Ich halte sie wie ein Neugeborenes nach oben in die Luft und bin traurig, dass ich anstatt ner Size zero ne Größe 44 drinnen stehen habe. Ich könnte das Abändern, denke ich. Nen Edding würde reichen zum Überschreiben, neige aber nicht oder nur manchmal, naja „nur“ immer mal wieder zur Selbstverarsche.
Frau von Welt eben!
Während ich die Buxxe und das Shirt anziehe, bemerke ich, dass Sport mich ziemlich hungrig macht, wobei ich ja noch gar keinen gemacht habe. Also heute nicht und gestern nicht. Und die restlichen 42 Jahre eben auch nicht.
Geschenkt!
Scheu wie ein Reh schleiche ich mich in die stinkige Halle zurück und übergehe, dass viele Size zero Augen auf meinen wohlgenährten Körper blicken. Was davon Heiratsanträge und was die pure Abneigung ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, da ich das alles ja ignoriere.
Da mein Hunger mich quält, weil ich den ganzen Tag über lediglich 500 gr. fettarmen, trostlosen, super-sauren Joghurt mit garnichts hatte, sterbe ich fast vor Verhungerung, obwohl ich weiß, dass es dieses Wort eigentlich nicht gibt.
Ich gehe also als erstes zu der Fee unter der Bahnhofsuhr und ordere einmal Grande Oral, vielleicht macht mich das ja satt und ich bin etwas mehr bereiter zum Sport, da ich merke, dass mein Lebensfreudegenerator schon wieder Richtung Mittelpunkt der Erde unterwegs ist.
Nachdem Fee mir gefühlte 99 verschiedene Geschmacksrichtungen aufgezählt hat, entscheide ich mich für ohne Geschmack, also naturbelassen. Was auch immer das sein mag, denke ich und bekomme wenig später einen halbe Liter Becher aus nachhaltigem Plastik in die Hand gedrückt, der randvoll ist mit einem Mäcces ähnlichen Milchshake.
Ich strahle, sage danke und höre noch, dass mir die 27,50€ von meiner Kundenkarte abgezogen werden. Meinetwegen denke ich und überlege, wie ich jemand anderem das Mitgliedskärtchen unauffällig klauen kann, um meine Shakes zu finanzieren. Verträumt latsche ich also an das erste Gerät und sauge wie eine Irre an dem Strohhalm, aber der Milchshake scheint Beton zu sein, denn es rührt sich nichts. Ich ziehe noch fester und riskiere eine damengleiche Ohnmacht.
Verdammt!
Als ich nur noch 2 Prozent normal atmen kann und immer noch keinen Milliliter Beton im Mund habe, reiße ich den nachhaltigen Plastedeckel vom Becher und versuche mit dem Strohhalm alles umzurühren. Klappt halt nicht. Null. Nada. Also rühre ich mit meinem Finger drin rum, wie in der Kindheit und erleide fast einen Fingerbruch, da sich das Zeug kaum rühren lässt.
Okay, denke ich, ich nehme die Challenge an und setze an, reiße den Becher über meinen Kopf und es passiert nichts! Ich schüttele und schüttele und es lösen sich so 25 Milliliter Beton und fallen in meinen Mund.
Umgehend spucke ich den naturbelassenen Beton in hohem Bogen irgendwo hin und versuche die Reste von meiner Zunge zu kratzen. Wie widerlich, denke ich und ekle mich endlos …
Als ich das erste Mal wieder gucken kann steht die Fee vor mir und irgendwer hat sie angespuckt.
Die amerikanischen Slapstick Filme geistern wieder durch meinem Kopf …
Bleibe ich oder renne ich weg?
Coming soon Part VII
Vietnamesisches Essen, ist das einzige Essen, bei dem sie, wenn sie scharf sagen, auch wirklich scharf meinen. Oder „angenehm mild“, wie der Vietnamese sagen würde.
Hier ein paar Übersetzungen für die exotischen Namen der feurigen Gerichte:
Ente aus der Hölle
Brennt-zweimal
Senkrechtstarter Diesel
Schamanistische Intensiverfahrung
WER BIN ICH?!
Essbare Sauna
Organ-Justierung
Das Innen muss nach Außen
Ich kann die Sauce mit meinem Arschloch schmecken
MAMI!!!!
So muss sich die Geburt anfühlen
Es gibt keinen Gott
Das Zentrum des Universums
Hitler-Salat
Satire ist, wenn die Enttäuschung so groß und wahr wird, dass das Absurde klarer scheint als die Wirklichkeit, weil es die Dinge gerade rückt, in dem es das was lächerlich sein sollte, aber obszön ernsthaft ist, wieder in die Lächerlichkeit fügt und die umgebende Vernunft davon befreit.
Für diesen scheiß Satz mag ich mich fast.
Wenn man noch ganz wenige Menschen kennt, scheint alles so familiär und berührend.
Werden es dann langsam mehr, kommt die Enttäuschung darüber, wie sie wirklich sind.
Doch wenn man irgendwann sehr viele von ihnen kennt, lernt man sie durch ihre Verschiedenheit wieder auf neue Weise zu lieben.
– von weiter weg.
06. Dezember 2020 – er endet einfach nicht, dieser elende Tag
Als ich wach werde knistert und raschelt meine nähere Umgebung wie ein grottenschlechter Pulli aus Polyester, Lycra oder wie auch sonst die recycelte Plasteflasche heißt, wenn sie aus China zurück in Deutschland ist.
Müde ziehe ich eine Augenbraue hoch und erkenne …
Nichts!
Ich frage mich, ob ich mein Augenlicht verloren habe und finde diesen Gedanken ziemlich albern, lache aber nicht, sondern reiße beide Augen pansich weit auf, um sie sofort wieder zu schließen, schließlich blendet mich nun das Licht des anscheinend angebrochenen Nachmittages und eine leere Tüte Marzipankartoffeln blendet mich ebenfalls. Umgehend schließe ich meine Augen wieder und beginne mit dem, was ich verdammt gut kann.
Gute Figur machen? Nein!
Gute Figur haben? Nein!
Gute Figur durch ww erreichen? Schnauze!
Best ever Ideen haben? Nein! (Doch, also manchmal)
Ich grübele also nach, wie es diese verdammten Marzipankartoffeln auf die Couch geschafft haben könnten und mir kommen Ideen, wie diese göttlichen runden Dinger Beine bekommen haben. Zwar ist auch das ziemlich albern, aber die Vorstellung, wie die Dinger bis in meinen Mund wandern, finde ich definitiv verlockend.
Und dann haut die Realität der Hoffnung volle Mütze in die Fresse, denn ich erinnere mich umgehend an alles, schließlich war ich brechend sauer in dieses Wohnzimmer gelatscht, um es Paket zu zeigen. Mit tiefem Schnitt in der linken Hand, dem teuersten Verband der Welt, wollte ich Muttis Wahrheit in die Augen sehen und ihnen vor allem widerstehen.
Ich wollte siegen …
Ich liege immer noch auf der Couch, ein Auge habe ich vor Scham zusammen gekniffen, während das andere meine nähere Umgebung abcheckt. Ich sehe folgende Dinge:
3 leere Tüten Marzipankartoffeln
1x 500gr. Packung Gewürzspekulatius Kekse – leer, versteht sich ich bin halt ne Könnerin!
2 leere Folientüten Aachner Printen
Gut, dass ich schon 42 bin und meine Brille nicht aufhabe, so kann ich nämlich nicht erkennen, was da alles in der etwas weiteren Entfernung herumliegt und anscheinend in meinen Luxuskörper gefallen ist. Es glitzert und sieht so aus, als wäre ein 200 Gramm Lindt Weihnachtsmann gestorben. Ich blicke angeekelt weg.
Was ist mit mir los, frage ich mich, als ich Pi mal Daumen überschlage, wie viele Kalorien ich in Wut, Zorn, Trance und unter den Drogen, die mit Sicherheit auf der Oberfläche des Paketes klebten, zu mir genommen habe.
Und komme auf gute 10-tausend Kalorien. Sofort fällt mein Lebensfreudegenerator wieder in die Mitte der Erde und ich ärgere mich, dass mich die Unmengen an Süßkram nicht mal glücklich machen.
Jetzt hilft nur noch eins, denke ich als ich vollgefressen aufstehe und mich mit vollem Bauch ins Bad schleppe. Im Spiegel sehe ich mein Schokoladeverschmiertes Gesicht, dazu meine noch immer blutende, linke Hand. Spekulatiuskrümel rutschen mir vom Assidress in das gestern frisch geputzte Badezimmer.
Mein Entschluss ist gefallen. Koste es was es wolle!
Coming soon. Part VI
Ja, 06. Dezember – Orrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
Da war er! Der sieben Zentimeter Schnitt! Was das Preisschild nicht geschafft hat, schaffte also jetzt meine blinde Auspackwut oder die totale Verweigerung. Ich bemerke, dass mir mein warmes Blut aus der Handinnenfläche läuft und wahrscheinlich auf die Couch tropft und sitze dennoch erst mal ein wenig ratlos da. So blind weiß man halt erst mal echt nicht, was man tun soll, denke ich und die Wunde brennt jetzt wie Feuer. Ich boxe Paket fett in die Seite, erhebe mich und schaffe es auf den Weg nach oben mir nur 237-mal den rechten kleinen Zeh zu stoßen. Ich frage mich, ob er noch dran ist oder vielleicht an irgendeiner Kante einfach auf der Strecke geblieben ist. (endwitziges Wortspiel und geniale Vorstellung)
Gucken kommt nicht in Frage.
Nicht nur aus Prinzip nicht, schließlich bin ich im Modus der Verweigerung unterwegs, sondern auch, weil ich kein Blut sehen kann. Das nützt jetzt alles nichts, denke ich und würde kleinen Zeh auch notfalls opfern. Zumindest tut er nach 484 Mal anstoßen echt nicht mehr weh.
Geil!
Oben angekommen läuft, um es dramatisch für euch zu machen, immer noch Blut und ich kann es fast hören.
Plitsch
Plitsch
Plitsch
Ich erahne die Dramatik und renne jetzt geradeaus, da mein Anziehzimmer, das kein Anziehzimmer ist weder Kanten noch irgendwelche Hindernisse parat hält, bin ich in nullkommanix an meinem Wäschekorb und ziehe mir einfach das erstbeste Stück Stoff heraus und versuche es vergeblich zu zerreißen. Unfassbar, brumme ich, schiebe mir den Stoff zwischen die Zähne, bekomme sofort nen Würgereiz, und zerreiße diesen widerspenstigen Stoff schnellstmöglich mit den Zähnen. Ich muss jetzt schnell sein, sonst kotze ich ins Anziehzimmer. Ähnlich wie in einem Kriegsfilm, reiße ich ein zirka 20 cm langes Stück ab und …
Ja wohin denn nun genau damit? Okay, ich öffne die Augen, muss mich kurz dran gewöhnen, dass es fürchterlich hell ist und bekomme umgehend Schnappatmung als ich auf meine Hand sehe. Es liegt aber nicht an der (in weiblicher Übertreibung) 18 cm langen und 6,5 cm tiefen Wunde in meiner anscheinend prankenhaften Flosse (Übertreibungen veranschaulichen eben), sondern es liegt an …
Mein Ramboähnlicher Verbandsfetzen war nichts Geringeres als das teuerste T-Shirt, welches ich mir je geleistet habe. Wenn ich sage teuer, spreche ich hier von hunderten von Euro. So viel Geld hatte ich noch nie für ein Shirt ausgegeben.
Mir laufen umgehend die Tränen und ich frage mich:
1. Ob meine Tränen nicht irgendwann erschöpft sein müssen
2. Warum dieser beschissene Tag heute einfach nicht enden will
3. Warum dieser beschissene Tag heute einfach nicht enden will
4. Warum dieser beschissene Tag heute einfach nicht enden will
5. Warum dieser beschissene Tag heute einfach nicht enden will
6. Warum dieser beschissene Tag heute einfach nicht enden will
7. Warum dieser beschissene Tag heute einfach nicht enden will
Jetzt erst recht, denke ich genervt, ziehe meinen teuersten Verband aller Zeiten fester und sehe dabei zu, wie mein Blut alles in tiefrot tränkt. Schluss mit lustig, denke ich und gehe wütend, mit ernster Miene, tränenverschmierten Gesicht, ohne BH in assihaftem Look in Richtung Paket. Jetzt gab es nur noch eine Option.
Paket oder ich.
Coming soon. Part V
Lange Zeit hatte ich das Gefühl überhaupt nicht älter zu werden, nicht so zumindest, wie man es sich allgemein vorstellt. Ich würde bloß größer, kräftiger und erhielt mehr Freiheiten. Eigentlich aber wurden nur die Leute um mich herum älter. Meine Tage waren so lang, wie es in der Jugend eben normal ist, auch wenn mir im Rückblick diese Zeit bloß wie ein Wimpernschlag erscheint, war ich so lange ein Teenager, dass ich mir nichts anderes vorstellen konnte. Um mich herum sprachen die Leute manchmal über das Älterwerden, aber für mich waren das nur Geschichten von alten Leuten. Vielleicht besaß ich einfach noch nicht Vergangenheit, um zu bemerken wie kurz die Gegenwart dauert. Es war eine Unsterblichkeit inmitten meines Lebens, mit den längsten Tagen und Nächten wie sie jemals vorkommen werden. Und vor allem hatte ich noch das Gefühl, als ob ich diese Zeit besitzen würde, dass sie mir selbst verschrieben wäre, während ich mich jetzt oft eher in der Rolle eines Beobachter wiederfinde.
Wenn es eine Sache gibt von der ich wünschte, dass ich sie mein jüngeres Ich wissen lassen könnte, dann, dass es scheißegal ist ob jemand dich mag. Ich versuche zwar nicht Leute bewusst dazu zu bringen, mich nicht zu mögen, weil das einfach nur ein infantiler Protest gegen die Gesellschaft wäre, aber wichtig allein ist, ob ich mit mir selbst klarkomme. Und das ist manchmal schon schwierig genug. Statt sich ständig zu fragen, was andere wohl von einem denken, sollte man sich einfach überlegen, was für ein Mensch man selbst sein möchte, und dann danach handeln und leben. Dann hat man auch schon eine fette Lebensaufgabe. Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen sowieso das in dir sehen werden, was sie eben sehen möchten. Manche machen einen Helden aus dir, und andere einen Teufel. Das witzige ist ja, dass man dich oft aus den selben Gründen hassen kann, für die andere dich lieben. Und vielleicht ist es genau das was ich will, diese frei zu interpretierende Authentizität in die Gesichter schmieren, und was dann jeweils daraus gemacht wird, ist jedem seine Sache. Das macht dich nicht besser oder schlechter, aber es macht dich frei.
No Fucks Given
Immer noch 06. Dezember – endet dieser Tag den nie? Scheiße aber auch …
Paket und ich gehen ins Wohnzimmer (Lüge, da ich Paket mehrere Tritte verpasst habe und es zuerst im Wohnzimmer ankam), ich plumpse unzufrieden neben Paket auf die Couch und entwickle nicht einmal Neugierde für Paket. Irgendwas stimmt mit mir nicht, seit wann denke ich dreimal das Wort Paket in einem Satz, sorge ich mich nicht wirklich und schaukele das Paket und mich gelangweilt hin und her.
Bevor ich allerdings kataton werde … Ist ja gut, denke ich und schaue zuerst auf den Absender.
Meine Mum.
»Okayyyyyyyyy«, denke ich und bin mehr als skeptisch, schließlich schickt Mum nur eine einzige Sache per Post:
Geld – Nein!
Klamotten – Nein!
Topflappen – So alt isse noch nicht
Topf voller Lieblingsessen nachdem mein String vom Bauch gefressen wurde – Nein!
Sozusagen der Trosttopf fürs Kind – Immer noch NEIN!
Diddl Karten – Im Bereich des Möglichen, schließlich bin ich ja IHRE KLEINE (mit 42)
Also, es stellt sich immer noch die Frage, was Mum schickt und ich weiß es, habe aber Angst vor der Wahrheit und somit vor dem Inhalt. Das Einzige, was mir helfen kann ist akute Verweigerung. Nun könnte ich das Paket einfach entsorgen, oder es blind öffnen, denke ich und schließe umgehend meine Augen, da ich nicht so der Typ Verschwender bin. Es ist zwar dunkel, aber es fühlt sich gut an. Weit weg vom gefressenen String und auch von der Wahrheit im Paket.
Ich taste mich an der Wand lang, stoße mir gefühlte 247-mal den einen kleinen Zeh meines rechten Fußes und komme irgendwann laut fluchend in der Küche an, wo mir umgehend der Duft von frischem Kaffee in die Nase weht.
Scheiße, den hab ich vergessen. Frau muss eben Opfer bringen, mit geschlossenen Augen werde ich mir den nicht heiß einschenken.
Ich taste weiter und bleibe an der Scharfe-Messer-Schublade stehen und fingere in Zeitlupe darin herum als würde mein Leben davon abhängen und schaffe es in der Tat ein scharfes Messer blind herauszufischen, ohne, dass ich mir die Hand aus Versehen abschneiden. Schon ziemlich doof, ich weiß. Da ich es mir aber fest vorgenommen habe, werde ich meine Augen nicht öffnen.
Ich taste mich über den Flur zurück zu Paket, stoße mir nun den linken kleinen Zeh 247-mal und finde, dass das wahre Gleichberechtigung ist, während mir eine Träne über die Wange läuft. Fast von der Couch gerutscht, weil ein wenig daneben gesetzt, überlege ich, ob meine blinde Auspackwut wirklich gut ist und halte für mich fest, dass es ziemlich dämlich ist, ich es aber so will. Frauen sind eben nicht immer logisch, wenigstens können wir das zugeben.
Was uns definitiv von den Männern unterscheidet, denke ich und ziehe das Messer quer übers Paket, direkt in meine linke Hand.
Coming soon. Part IV