Generationsrhythmus

Es erscheint mir falsch, später als in den 80ern geboren zu sein. Das war einfach der Generationsrhythmus auf den ich geeicht war. In den 90ern Geborene waren die kleinen Geschwister und Brüder meiner Freunde, und irgendwie erschien es mir unpassend, dass das nun alles erwachsene Menschen sind, die selbst anfangen alt zu werden. Wie soll man sich so an der Zeit festhalten? Es kann doch gar keine Kapazität für so viele alte Menschen geben. Ungefragt eine neue Gegenwart mit ihrer Mode, Musik und Trends aufgezwungen zu bekommen, verunsichert mich. Es nimmt mir das egozentrische Gewohnheitsempfinden, dass meine Generation die Mitte bleiben würde, und jetzt schiebt man uns altgeworden an den Rand der Zeit.

Bodenflügigkeit

Die Liebe kommt manchmal einfach nicht aus dem Mund. Und deine ganzen inneren Monologe sind ein Gefühl wie von Brücken auf Züge spucken. Unter dir all diese Tage, an denen du nie gedacht hast, dass das hier kommt. Und jetzt stehst du hier mit diesem Gefühl, das sich selbst nicht kennt, weil du alles in neuem Licht durch farbige Scherben siehst. Du fragst dich wie man dich lieben kann, einen Menschen der so sehr alles von innen sieht, so bunt von innen ist, weil Lieben auch ein Kennen ist, und wie ein Blick so in dir tauchen kann. Du wirfst Vögel ins Meer und Fische in die Luft, und alle Kosenamen sind zu arbiträr, weil dein wahrer Name Schweigen ist. Du hast Angst, aber nicht sehr, weil dir dein Gipfel nicht mehr so hoch erscheint, und du endlich wieder den Boden der Welt sehen kannst. Wie einen Teller auf dem dein Leben liegt. Schon etwas kalt geworden, aber du wärmst es mit deinem Herz, und es schmeckt nach Namen, nach Zukunft, nach Verrücktheiten, nach tiefer aber sich ständig drehender Einsicht, nach Eiswasser und nach Feuer, nach alleine zu zweit, nach Herzasyl, nach Nachtlicht und Tagesdunkelheit, nach der Banalität tiefer Gedanken, nach salzigem Blut, nach Vergessen und Erinnern über den ganzen Horizont, nach hellem Schwarz und dunklem Weiß, nach nicht mehr aufhören können wollen, nach Schwindelgefühlen und Bodenflügigkeit, nach zerbrochenen Grenzen und inneren Inseln. Auf meinem Tagebaum bist du mein letztes Abendblatt. Mein Ende mittendrin im

Für Frank

Es verwundert mich nicht, dass sich die besonderen Menschen, die mit Charakter und Größe selten selbst erkennen können. Zwischen all dem latent narzisstischen Gesellschaftsgedöns da draußen, in welchem sich fortschreitend Werte verschieben und jegliches Handeln oft hochgezogene Augenbrauen hinterlässt.

Spieglein. Spieglein.

Und dann gibt es die, die den Spiegel meiden, weil sie glauben nicht in die Norm zu passen. Diese Norm, die gleichgeschaltet mit allem mitläuft, was man der konsumgeilen Selbstverwirklichungsgesellschaft auftischt.

Im Glauben der absoluten Weisheit – unreflektiert.

Frank?

Du solltest jeden Tag in den Spiegel schauen. Und weißt du was? Ein dickes Lächeln auf deinen Lippen sollte dich immer begleiten.

Spiritualität

Ich glaube nicht, dass irgendein Mensch keine Spiritualität besäße. Für den einen ist es Religion oder Esoterik, für den anderen Musik, Lyrik oder vielleicht auch Fußball. Es ist nur nicht jedem bewusst. Für mich zeichnet es sich aus durch einen Punkt, an dem sich das Gefühl verliert alleine zu sein, vielleicht sind es auch nicht Menschen die einem näher kommen, sondern die eigenen Gedanken und gleichzeitig wird man mehr Beobachter. E s erzählt dir etwas über dich selbst, wofür es sonst so keine Worte gäbe. Alles zieht sich zu etwas mehr Sinn zusammen und wird dadurch leichter, weil dich dieses Gefühl beschützt.

Schmerzspiegelung

Manchmal wenn es in einer Beziehung einen Streitgrund gibt, der als etwas Unaussprechbares in der Luft liegt, was niemand direkt anzusprechen schafft, weil es zu schmerzvoll wäre, man nicht das Vertrauen zueinander findet so verletzlich zu erscheinen, dann kann es passieren, dass man wegen einer völlig anderen Sache Streit anfängt, den man dann quasi stellvertretend miteinander austrägt. In so einer Beziehungssituation geht man oft sehr unfair miteinander um, weil man in dieser völlig zusammenhangslosen Situation versucht all die Wut loszuwerden, die sich in dem zusammenstaut, wozu man nicht den Mut hat es auszusprechen. Und manchmal verdreht sich dabei alles. Manchmal wird der dem etwas angetan wurde, wozu er nicht die richtigen Worte findet um es anzuklagen, zu dem der dann ein geflissentliches Unrecht begeht, um dem anderen, wenn er es ihm schon nicht sagen kann, ein Gegenstück fühlen zu lassen, von dem was er selbst ertragen muss. Man tut einander weh, nur damit sich dieser blasse Schmerz wie eine Andeutung in dem anderen spiegelt.

Man muss sich von seiner Verrücktheit einfach ziehen lassen, statt sie zu bändigen, dann behält man in seinem Leben immer Rückenwind. Wenn man seine Verrücktheit respektiert, bekommt sie den Taufnamen Weisheit.

Ich beherrsche alle Katas des Wahnsinns und habe einen schwarzen Gürtel in Liebe. Wenn sich sonst nichts Gutes über mich sagen lässt, dann das.

Wenn jemand nur etwas zu sagen oder zu schreiben braucht, um dich damit zu ärgern, dann liegt in deiner Reaktion darauf eine Aussage über dich selbst. Ob du es für nötig hältst alles tatsächlich auf dich zu beziehen, und dich quasi in die Mitte des Gesagten zu stellen, oder ob du fähig bist eine Sache ruhig von außen zu betrachten, dabei bei dir selbst zu bleiben und vielleicht nicht einfach nur über das Gesagte selbst, sondern vorrangig über die Gründe für das Gesagte nachzudenken. Manchmal haben Menschen einfach nur die Absicht dich zu provozieren oder zu verletzen. Was immer sie sagen mögen, ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck um dich zu ärgern. Also sollte man sie einfach geistig entwaffnen, indem man lernt zu differenzieren, ob die gewählten Worte der Kommunikation, oder nur dem Angriff dienen. Wenn letzteres der Fall sein sollte, dann muss man selbst entscheiden, ob dieser Mensch es wirklich wert ist, ihm solch eine Wichtigkeit einzuräumen, dass er uns verletzen kann, oder ob wir uns entscheiden sein Spielchen bewusst zu durchschauen, und die Probleme die sein Verhalten birgt nicht zu unserem zu machen. Ich glaube, dass wir die Entscheidung oft nicht bewusst genug treffen, ob wir einem Menschen mit Nähe oder Distanz begegnen, weil diese Entscheidungsfähigkeit letztendlich darüber entscheidet, wie viel Gelassenheit wir bei einer Konfrontation besitzen. Lasse niemals einen anderen deinen Ton bestimmen, denn ob es dir bewusst sein mag oder nicht, du erlaubst ihm damit indirekt deine Haltung zu steuern. Damit möchte es nicht sagen, dass man immer passiv bleiben sollte, aber es ist wichtig, dass du selbst entscheidest wann du wütend oder gereizt bist, und in welchen Momenten so etwas überflüssig ist, weil es dem anderen bloß eine unverdiente Genugtuung verschaffen würde. Gib nur den Menschen, die du liebst, diese Macht darüber zu entscheiden wie du dich fühlst, statt jenen, denen du nichts bedeutest.

Grundlose Traurigkeit II

Obwohl alles von außen gut scheint, problemlos, leicht …

Wohnt tief drinnen genau diese in der Kindheit und Jugend ankonditionierte grundlose Traurigkeit, die, weil nicht interpretierbar auch ebenso unbeherrschbar immer eine ad hoc einsetzende freudlose Begeleiterin ist und sein wird, ohne dass ich oder Du sie einfach abschütteln könnten. Sie gehört zu jedem Menschen und es ist nicht relevant, woher sie kommt oder wozu sie gut ist. Sie ist die Summe der kleinen Begebenheiten im Leben.

Bedenke, es sind nie die großen Situationen, nein, in denen sind wir alle tapfer. Es sind immer die kleinen, scheinbar unrelevanten Momente, die die stille Begleiterin nähren und in unserer Nähe halten.

Vielleicht brauchen wir sie aber auch einfach, weil wir Menschen ziemlich inkonsistent in unserem Sein sind.

Grundlose Traurigkeit

Unter den Gefühlen ist Traurigkeit eigentlich bei weitem nicht das Schlimmste. Zumindest liegt darin eine emotionale Auseinandersetzung. Natürlich ist das nichts Leichtes, aber würde man Leichtigkeit in einer entsprechenden Lebenslage überhaupt zulassen? Grundlose Traurigkeit hingegen, das, ist ein wirklich hässliches Gefühl, weil es nirgendwohin führt. Es ist einfach nur ein Ausdruck von Verzweiflung. Und wenn ich grundlos sage, dann meine ich damit eigentlich „abgetrennt“. Klar hat es Gründe, wenn man die ausforschen will und kann, weil man ein Begründungsfetischist ist, aber sobald sich ein Gefühl oft genug wiederholt, vor allem solange man noch sehr jung ist, dann konditioniert einen das so sehr darauf, dass das Gefühl die kausale Kette sprengt, und nur noch einen sehr subtilen Auslöser, wie zum Beispiel einen Gedanken, braucht, um einen in diesen Zustand zurückzuwerfen. Man kann dem auch wieder entschlüpfen, wenn man droht in diesem Gefühl zu ertrinken, aber es ist eben nicht mehr länger bloß ein Problem, sondern ein Teil der persönlichen Normalität mit der man es zu tun hat.

Und dann guckt man sich an, weil gerade mal alles wieder so kompliziert ist, und du verstehst es nicht, und ich will es nicht erklären.