„Ich glaube dir nicht.“
„Aber warum sollte ich dich anlügen?“
„Ich glaube nicht, dass du mich anlügst. Ich glaube, dass du dich anlügst.“
Wortstarke und seelentiefe Schriftstellerei. Lyrik-berührt-Moderne
„Ich glaube dir nicht.“
„Aber warum sollte ich dich anlügen?“
„Ich glaube nicht, dass du mich anlügst. Ich glaube, dass du dich anlügst.“
Natürlich war ich in das kleine Mädchen verliebt. Auf eine unpersönliche Weise, weil ich selbst noch keine Persönlichkeit war. Sie war der erste Archetyp meiner Zuneigung. Ein Mensch, so wie ich ihn mir vorstellte, den ich lieben könnte. Sie war eine Maske meiner Gefühle, die ich einer anderen Person aufsetzen wollte. Sie war willig mit mir gemeinsam Nähe zu üben, also haben wir Händchen gehalten und probiert, wie es sich anfühlt ein Stück des Körpers in einen anderen zu legen. Händchenhalten ist die infantile Version von Sex, eine unschuldige Verschmelzung kindlicher Seelen. Ich habe sie mehr mit meiner Fantasie geliebt, als meinem wirklichen Sein, und alles was ich von ihr wahrgenommen habe, ihr Haar, ihre Augen und ihr mädchenhafter Körper, waren ebenfalls verspielte Vorstellungen für deren Realität ich noch gar nicht bereit gewesen wäre. Ich habe sie wahrhaftig so geliebt, mit sprunghafter Aufmerksamkeit, so empfindlich und so schnell desinteressiert, und dann wieder bedürftig nach Nähe, in so vielen Sekunden und Farben und Momenten, die immer anders waren, wie es dem Wesen aller Kinder entspricht. Wir haben gleichzeitig versucht und gegenseitig festzuhalten und frei zu sein. Jeder von uns meinte, der andere gehöre ihm, aber keiner wollte sich dem anderen überantworten, weil unsere Kindlichkeit frei und egoistisch war. An einem Tag redeten wir nicht miteinander, am Nächsten waren wir wieder in vollkommener Eintracht. Wir waren so schnell darin Freunde und Feinde zu sein, Liebende und Geschiedene, weil unsere Herzen noch so verspielt waren. Den Erwachsenen mochte das flatterhaft erscheinen, aber für uns waren sie langsam, weil sie unfähig sind zu bemerken, wie lange ein Tag dauert. Wie viele Freundschaften und Feindschaften man an einem Tag schließen konnte, und das eine sich in das andere verwandeln ließ. Wir hatten die selben Gefühle wie die Erwachsenen, aber mit einer Gleichzeitigkeit, die fast jeden erfassen konnte, bereit alles in gleichen Teilen unter uns aufzuteilen, sorglos und schnell, wenn jemand den Tag mit uns zu teilen gewillt war. Manchmal waren wir nur für einen Tag beste Freunde, aber wir waren tiefe Freunde für diesen Tag. Erwachsene sind langsam geworden, in einem Talent, das fast alle Kinder besitzen, dem Vergessen, was wir einander angetan haben.
Ich bin total dagegen jedem Menschen zu sagen, wie (innerlich) schön er wäre. Weil es rhetorisch ist. Da kann es noch so lieb gemeint sein. Die sagen das, weil sie sich dann selbst besser fühlen. Und auch daran ist eigentlich nichts schlecht. Wenn es aufrichtig wäre. Ist es aber nicht und kann es nicht sein. Denn wenn jeder schön ist, dann ist niemand schön. Das ist dann einfach nur in Idealismus getünchte Allgemeingültigkeit. Solche Menschen sehen sich dein Inneres doch nicht mal an. Hinter ihrem Panzerlächeln. Das ist eine noch viel höhere Gleichgültigkeit als mir zu eigen ist. Ich habe auch so meine Menschen von denen ich ein Fan bin. Aber ich finde das ist etwas besonderes. Und wenn ich mich zu jedem in so eine Konstellation stelle, dann entwürdigt das die Aufrichtigkeit, die Ernsthaftigkeit und die Besonderheit meiner Gefühle. Ehre nicht Komplimente, sondern Komplimente in Wahrheit. Nicht den, der dich dazu bringt dich besser zu fühlen, sondern den der den Mut hat dich zu sehen. Fick diesen ganzen projizierten Narzissmus. Diese verzweckte Selbstmanipulation zum Besseren.
Der Mensch, er liebt mit seinen Händen,
um es dem Glücke zu verpfänden.
Drum rupft er jede Blume aus,
und knüpft sich eine Krone draus.
Welch Unglück ist’s geliebt zu werden,
so muss man für den Menschen sterben,
dem es nicht möglich zu verehren,
ohne das Schöne zu verzehren.
Er liebt bis nur ein Loche bleibt,
in das er seine Sehnsucht speit.
Die Ische da neben mir ist so ziemlich die heftigste Schreiberin die ich kenne. Wenn ihr die nicht lest seid ihr scheiße. Wollte ich nur mal so sagen in meinem unflätigen Gossenslang.
Ein Sommermord im Badeort,
die Leich‘ liegt in der Sonn‘ verdorrt.
Riechen tut’s nicht angenehm,
würd‘ bloß ein laues Lüftchen wehen.
Wie eine Säule aus Gestank,
steht die Luft und macht uns krank.
Die Badegäste wundern sich,
wer hier so schamlos hingeschisst.
Die Fäulnisgase blähen auf,
bis schließlich platzt der Leichenbauch.
KAWUMM! – macht’s in der Besenkammer,
scheinbar war die Leiche schwanger.
Der Fötus fliegt im hohen Bogen,
gut fünfzehn Meter, ungelogen.
So landet er in dem Büffet,
und sprenkelt alles mit Gelee.
Eklig ist’s und fürchterlich,
was in der Leich enthalten ist.
Denn flummiartig hüpfen Nieren,
so Sommerleichen explodieren.
>>Verstehst du mich?<<
>>Akustisch schon.<<
Ich werde oft aus dem selben Grund gehasst oder geliebt. Es liegt an meiner Ambivalenz. Ich erlaube mir gleichermaßen sehr sanft oder sehr hart zu sein. Und es gibt immer wieder Menschen die einen dieser Aspekte mögen, aber selten kann jemand beides annehmen, ohne mich zu teilen. Ja. Ich habe einen Hang zu Poesie, Lyrik und Romantik. Ja, ich kann sehr derbe und zynisch sein. Und ich mag mich dafür, weil mich die Vereinigung dieser Gegensätze echt macht. Ohne eines davon würde ich mich geteilt fühlen. Ohne diese Polarität wäre ich nicht ich selbst. Und ich mag diese Ambivalenz in allen möglichen Spielarten auch sehr an anderen. Die meisten finden das wohl eher anstrengend, aber ich empfinde es als Tiefe und menschliche Sicherheit. Das sind Menschen für die sich Grenzen die andere oft als Normalität und Konventionen hinnehmen, sehr schnell beengend anfühlen, so dass sie nicht mehr in etwas hineinpassen und immer darüber hinausragen, auch wenn man gerne versucht sie dort hineinzustecken. Ich glaube das ist so ein bisschen Seelenverwandtschaft, was wir dann in manchen Fällen teilen.
In einer Zeile noch Gedicht,
wird’s mir in nächster schon zu schlicht.
Fluch und Hader bricht sich Bann,
weil ich nur beides leben kann.
Was ist’s mit diesem Drang zu teilen?
Ich kann nicht lang im Wort verweilen.
Und leben nur mit einer Kraft,
die Schönes,
doch nur Halbes schafft.
Davon mal ab, dass diese ganze Corona Sache ja irgendwie endlos nervt, beschäftigten sich ein angehender Pädagoge und ich mit der Gesellschaft. Also eine theoretische Auseinandersetzung. Genau genommen hatten wir Zeit, während Oma für alle Waffeln backte. Zu unserer Verteidigung, es waren 14 Belgische Waffeln, jede brauchte 4 Minuten. Also hatten wir mal Zeit, um das Dilemma der Jugend zu erörtern.
War Kind vor Humbolds Bildungstheorien bereits mit acht Jahren voll erwachsen und zu 127 Prozent arbeitsfähig. In Vollzeit versteht sich, wobei Vollzeit in dem Jahrhundert noch 12 Stunden am Tag arbeiten bedeutete. Und das von Montag bis Samstag. Hach ja, was waren das doch für krasse Kollektivwerte, denn der Sonntag blieb zum putzen und um in die Kirche zu gehen. Nicht gerade kindgerecht, denken wir, in jedem Fall aber effektiv, wir würden das selbstverständlich nicht laut sagen, nur schreiben. In einer humorvollen Kurzgeschichte. Ja, die hier, meine Güte. Sicher ist sicher, denn die Woken sind omnipräsent.
Gut, nach den 1960-er Jahren nahm der Wertewandel seinen Lauf. Welche Werte? Das würde jetzt an dieser Stelle echt zu weit führen, in jedem Fall nicht nur Gute, schließlich manifestieren diese Werte sich laut der Sozialisationshypothese in der formativen Phase. In der Jugend also. Und bleiben … ÜBERRASCHUNG … ein Leben lang mehr oder selten weniger existent. Wie las ich gestern? Generation Z bleibt lieber arbeitslos als unglücklich im Job! Bääääm … seit wann macht Arbeit denn glücklich? Okay, liebe Gen Z: Viel Spaß beim lebenslangen Lernen, ähm, nee. Beim lebenslangen arbeitslos und glücklich sein. Toll.
Was bedeutet das?
Maslow
Bedarfspyramide
Ganz oben
Postmaterialismus
Selbstverwirklichung
Ich, ich ich
#kurzkannich
Ende der Geschichte. Ende? Wirklich? Neeeeee!
Gut, wäre somit geklärt, dass uns jetzt nicht nur die antiautoritär nichterzogene Generation auf die Nerven geht, dass die durch Helikoptereltern gefolterten Rotznasen tierisch nerven und sich in den nächsten Jahren die Kinder dazu gesellen, die mit Rasenmähereltern nichtgesegnet wurden.
Was heißt das?
Sie leiden.
Wir leiden.
Alle leiden.
Verdammte Scheiße.
Und so nahm und nimmt das westeuropäische kollektive Leiden seinen Lauf.
Der nicht ernstgemeinte (doch!) erzieherische Verlauf:
Generation Wirtschaftswunder: Egal was es ist Kind. Keine Diskussion. Das wird jetzt gemacht. Fresse halten!
Generation Baby Boomer: Huch, wir haben ja Kinder.
Generation X: Klar, Wunschkind aber es wird nach meinen Regeln gespielt.
Generation Y: Wir wollen heute Nudeln mit Tomatensoße essen. Oh ja, Nudeln wären super, sagt Kind. Gut, werden Nudeln gekocht.
Generation Z: Schatz? Dein Vater und ich dachten, dass wir heute Bionudeln mit Biotomatensoße an Biotofubolognese Gedöns zubereiten. So du es auch willst, würde ich mit dem defekten Lastenfahrrad sofort alles frisch vom Markt holen und zubereiten. Oder ich laufe die 24 km in die Stadt rein.
Keine Antwort vom Kind. Die Eltern ziehen sich zurück und machen sich schwere Sorgen, was mit dem Wanst los ist und sorgen sich und sorgen sich und sorgen sich, dabei liegt die 12-jährige noch von der Party letzte Nacht und schläft ihren Robby Bubble Rausch aus der keiner ist, weil Kind 1 einfach nur keinen Bock hat aufzustehen (Arbeiten muss nämlich glücklich machen, siehe oben), oder sich über Biotofubolognese zu freuen. Schließlich werden wir alle wegen der Klimakrise sterben. Paaaaaanikkkkkk!
Es mag gemein klingen, aber zwei Fragen seien erlaubt.
1. Wo soll das hinführen?
2. Ist Vollzeitarbeit mit 12 wirklich so schlecht?
3. Wer sagt ihnen, dass arbeiten nicht fetzt?
4. Wer erarbeitet mal meine Rente?
5. Bin ich nur neidisch darauf, weil ich eine arbeitssame Generation bin?
6. Das waren mehr als zwei Fragen.
Wir brauchen ne pädagogische Diskussion. Ich sags Euch.
Scheiß auf Politik. Ich sehe auf allen Seiten nur noch Rechthaberei. Es geht nur darum das eigene Image rein zu halten, und den Dreck auf andere abzustreifen. Nirgendwo ist auch nur ein Funke von Eigenverantwortung. Mittlerweile ist es egal wie man sich positioniert, weil jeder gute Grundgedanke ab irgendeinem Punkt vergiftet ist. Dir wird eine Idee präsentiert und dann verkauft man dir damit den Rest. Einfach um auszunutzen, dass sich Menschen Gemeinschaft nutzen, und sich irgendwann nicht mehr trauen Nein zu sagen, sobald erst mal eine Ja-Leiter aufgebaut wurde. Und dann eifern die Leute einfach nur noch im Glauben. Wir tun meist alle so als wären wir liberal, aber eigentlich stehen wir nur in der Warteschlange um uns selbst zu radikalisieren, oder radikalisiert zu werden. Und damit meine ich nicht, dass wir Milchkinder sein sollten, die alles tolerieren müssten. Das ist vielleicht der einzige Weg auf dem es noch schneller bergab geht, als so wie wir uns jetzt gerade behandeln. Aber die ganze Attitüde die gerade herrscht, ist nur noch ein einziges toxisches Milieu mit dem wir uns nachhaltig das Miteinander verderben. Ey, wir dürfen uns scheiße finden, aber irgendwie sollte es doch zumindest auf lange Zeit darum gehen, irgendwie miteinander auszukommen. Und es ist egal an welcher Ecke wir stehen. Ich bin zum Beispiel links. Ich bin „Impfbefürworter“ und politisch am ehesten im grünen Eck. Aber das alles macht mich nicht aus. Es sind meine Ansichten und nicht meine Persönlichkeit. Also habe ich auch nicht vor mich davon verschlucken zu lassen, und mich einem robotischen Kanon anzuschließen. Meine Leute, die eigentlich niemals meine Leute waren, sind genauso scheiße wie alle anderen. Es geht nur noch darum wer der größte Wichser ist, und all unsere Überzeugungen sind eigentlich schon lange zerstört und nur noch Mittel zum Zweck um andere möglichst oft anzupissen. Also wenn ihr euch radikalisiert, und das tun gerade alle Fronten, dann neutralisiere ich mich einfach. Euch geht es doch schon lange nicht mehr darum, woran ihr wirklich glaubt, sondern nur noch darum, wer nicht daran glaubt. Das ist eine rein ideologisch zersetzende Geisteshaltung und irgendwie haben wir uns gegenseitig zum Schlechtesten getrieben. Ich schäme mich für uns alle, ernsthaft. Weil es nur noch darum geht uns gegenseitig schlecht zu machen, und dann zeigen wir auf die Scheiße des anderen um ihn zu dämonisieren, obwohl wir selbst voller Scheiße sind. Ich meine auch nicht, dass wir netter sein müssten, aber ich finde wir sollten ehrlicher sein. Wir erklären uns doch gerade gegenseitig den Krieg und tun dabei so, als ob es Friedensverhandlungen wären. Wenn wir wirklich nicht daran interessiert sind miteinander auszukommen, dann sollten wir wenigstens dazu stehen. Aber statt dessen sehe ich nur noch Wölfe im Schafspelz, oder besser gesagt Idioten im Mantel des Genies. Was von alledem soll bitte noch echt sein? Was sind unsere wahren Ziele und Motive? Das wissen wir gar nicht, weil es nur noch darum geht den schwarzen Peter auszuteilen. Menschlich geht irgendwie gerade alles vor die Hunde, weil alles, aber auch wirklich verdammt alles politisch geworden ist. Wir haben mittlerweile zu viel Politik und zu wenig Persönlichkeit. Aber wenn wir uns nicht mehr als Menschen mit verschiedenen Meinungen begreifen, sondern nur noch als Vertreter politischer Strömungen, dann gibt es auch nichts Menschliches mehr auf das wir uns einigen könnten. Dann geht es nur noch darum gut auszusehen und denn anderen dabei schlecht wegkommen zu lassen. Das stinkt und es ist würdelos. Ich bin ein Arschloch und glaube nicht, dass wir uns alle liebhaben und Gruppensex haben müssten, aber ich habe nicht vor blind um mich zu schlagen. Wenn ich das tue dann ziele ich dabei bewusst und mit weit geöffneten Augen. Aber so wie das gerade alles abgeht, kann ich zu keiner Seite mehr mit gutem Gewissen Ja sagen, sondern ich sehe nur noch verschiedene Schattierungen von Scheiße. Also fickt euch alle, zumindest auf politischer Ebene, bis wir uns wieder in erster Linie als Menschen begreifen und Politik einfach nur notwendig, aber nicht so etwas wie eine Religion geworden ist. Scheiß auf mich. Scheiß auf euch. Scheiß auf uns. Nicht hier und nicht so. Wir sollten uns alle einfach mal eine Zeit lang schämen und uns dann überlegen, wie wir uns gegenüber stehen wollen. Ich meine wer ist so eigentlich überhaupt wirklich zufrieden, wenn wir uns gegenseitig alles verderben? Ich sehe keinen Sinn mehr darin, also werde ich mich auch nicht daran beteiligen. Für sowas gebe ich nicht meine persönliche Würde auf. Und auch nicht die Würde eines anderen. Fuck off.