Pädagogische Sichtweisen

Davon mal ab, dass diese ganze Corona Sache ja irgendwie endlos nervt, beschäftigten sich ein angehender Pädagoge und ich mit der Gesellschaft. Also eine theoretische Auseinandersetzung. Genau genommen hatten wir Zeit, während Oma für alle Waffeln backte. Zu unserer Verteidigung, es waren 14 Belgische Waffeln, jede brauchte 4 Minuten. Also hatten wir mal Zeit, um das Dilemma der Jugend zu erörtern.

War Kind vor Humbolds Bildungstheorien bereits mit acht Jahren voll erwachsen und zu 127 Prozent arbeitsfähig. In Vollzeit versteht sich, wobei Vollzeit in dem Jahrhundert noch 12 Stunden am Tag arbeiten bedeutete. Und das von Montag bis Samstag. Hach ja, was waren das doch für krasse Kollektivwerte, denn der Sonntag blieb zum putzen und um in die Kirche zu gehen. Nicht gerade kindgerecht, denken wir, in jedem Fall aber effektiv, wir würden das selbstverständlich nicht laut sagen, nur schreiben. In einer humorvollen Kurzgeschichte. Ja, die hier, meine Güte. Sicher ist sicher, denn die Woken sind omnipräsent.

Gut, nach den 1960-er Jahren nahm der Wertewandel seinen Lauf. Welche Werte? Das würde jetzt an dieser Stelle echt zu weit führen, in jedem Fall nicht nur Gute, schließlich manifestieren diese Werte sich laut der Sozialisationshypothese  in der formativen Phase. In der Jugend also. Und bleiben … ÜBERRASCHUNG … ein Leben lang mehr oder selten weniger existent. Wie las ich gestern? Generation Z bleibt lieber arbeitslos als unglücklich im Job! Bääääm … seit wann macht Arbeit denn glücklich? Okay, liebe Gen Z: Viel Spaß beim lebenslangen Lernen, ähm, nee. Beim lebenslangen arbeitslos und glücklich sein. Toll.

Was bedeutet das?

Maslow

Bedarfspyramide

Ganz oben

Postmaterialismus

Selbstverwirklichung

Ich, ich ich

#kurzkannich

Ende der Geschichte. Ende? Wirklich? Neeeeee!

Gut, wäre somit geklärt, dass uns jetzt nicht nur die antiautoritär nichterzogene Generation auf die Nerven geht, dass die durch Helikoptereltern gefolterten Rotznasen tierisch nerven und sich in den nächsten Jahren die Kinder dazu gesellen, die mit Rasenmähereltern nichtgesegnet wurden.

Was heißt das?

Sie leiden.

Wir leiden.

Alle leiden.

Verdammte Scheiße.

Und so nahm und nimmt das westeuropäische kollektive Leiden seinen Lauf.

Der nicht ernstgemeinte (doch!) erzieherische Verlauf:

Generation Wirtschaftswunder: Egal was es ist Kind. Keine Diskussion. Das wird jetzt gemacht. Fresse halten!

Generation Baby Boomer: Huch, wir haben ja Kinder.

Generation X: Klar, Wunschkind aber es wird nach meinen Regeln gespielt.

Generation Y: Wir wollen heute Nudeln mit Tomatensoße essen. Oh ja, Nudeln wären super, sagt Kind. Gut, werden Nudeln gekocht.

Generation Z: Schatz? Dein Vater und ich dachten, dass wir heute Bionudeln mit Biotomatensoße an Biotofubolognese Gedöns zubereiten. So du es auch willst, würde ich mit dem defekten Lastenfahrrad sofort alles frisch vom Markt holen und zubereiten. Oder ich laufe die 24 km in die Stadt rein.

Keine Antwort vom Kind. Die Eltern ziehen sich zurück und machen sich schwere Sorgen, was mit dem Wanst los ist und sorgen sich und sorgen sich und sorgen sich, dabei liegt die 12-jährige noch von der Party letzte Nacht und schläft ihren Robby Bubble Rausch aus der keiner ist, weil Kind 1 einfach nur keinen Bock hat aufzustehen (Arbeiten muss nämlich glücklich machen, siehe oben), oder sich über Biotofubolognese zu freuen. Schließlich werden wir alle wegen der Klimakrise sterben. Paaaaaanikkkkkk!

Es mag gemein klingen, aber zwei Fragen seien erlaubt.

1. Wo soll das hinführen?

2. Ist Vollzeitarbeit mit 12 wirklich so schlecht?

3. Wer sagt ihnen, dass arbeiten nicht fetzt?

4. Wer erarbeitet mal meine Rente?

5. Bin ich nur neidisch darauf, weil ich eine arbeitssame Generation bin?

6. Das waren mehr als zwei Fragen.

Wir brauchen ne pädagogische Diskussion. Ich sags Euch.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

8 Kommentare zu „Pädagogische Sichtweisen

  1. Ich mag den Generationswandel eigentlich ziemlich. Allerdings mag ich auch deine Gedanken. Dafür muss ich ihnen gar nicht zustimmen. (Die Ironie übergehe ich mal) Sondern ich mag einfach deren Schwung mittels deiner Intelligenz. Ich mag es dir beim Denken zuzuhören. Und ich schätze es SEHR, dass das auf gegenseitigkeit beruht, und es bei uns nicht immer nur darum geht, dass wir uns einigen MÜSSEN, weil wir anders nicht miteinnder könnten. Was wenn wir ehrlich sind, leider fast immer der Fall ist.

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    1. Wir sind ja nicht auf dieser Welt, um uns und anderen permanent nur zuzustimmen. Der Diskurs belebt. Ich halte den Generationswandel in Teilen auch für gut, aber er nimmt eine Richtung ein, der ich skeptisch entgegenblicke. Und ja, das beruht absolut auf Gegenseitigkeit. Ich schätze es ebenfalls SEHR, Deine intelligenten, tiefen Texte zu lesen.

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      1. Das sagen alle. Theoretisch. Aber praktisch mögen dich die Menschen fast immer nur dann, wenn man einer Meinung ist. Ansonsten ist es mindestens sofort angespannt. Dabei ist es so unnötig andere immer überzeugen zu müssen. Man kann sich auch einfach ergänzen. Weil ich in erster Linie kein richtig oder falsch sehe, sondern wie man die Dinge sonst noch sehen könnte. Und meist hat beides mindestens irgendeine Berechtigung. Man kann sich gegenseitig neue Perspektiven geben.

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  2. Das erfordert aber auch, dass man die Fresse halten kann, metaphorisch, und es einfach nur schön finden dem anderen zuzuhören. Ich muss keine bestimmten Worte aus dir melken, weil mich alles andere frustriert. Sondern ich kann mir einfach DEINE Meinung reinziehen. Und ich muss ihr auch nicht zustimmen, obwohl ich das meist sowieso tue, sondern kann sie auch einfach nur interessant finden. Aber es geht fast immer nur um Zustimmung. Das ist eines meiner größten Probleme mit Menschen. Sogar in meinen Texten. Stimmt man mir zu, finden sie es gut. Wenn nicht, finden sie es schlecht. Das ist doch die Regel? Nie aufgefallen? Ich kann Gedanken einfach nur interessant finden, unabhängig von meiner Meinung. Und wenn ich dir zuhören will, ist es störend, wenn ich mich zu deiner Mitte machen muss. Das ist scheiße.

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  3. Ich weiß, dass Du völlig Recht hast und sich das zwischenmenschlich da draußen so abspielt, aber ich habe da echt einen langen Atem. Ich will mich ebenfalls nicht allem annähren, aber ich will es lesen, aufnehmen und durchdenken. Es geht darum, sich zurücknehmen zu können, wie Du sagst, Fresse halten können. Dafür gibt es ja grundlegend meine und deine Meinung. Sonst bräuchte es die Sichtweisen ja nicht.

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