Mutter-Tochter Tag

Kind und ich haben regelmäßig so Mutter-Tochter-Tage. Also nicht gemeinsam die Tage, sondern einen Tag gemeinsam. Krass cooles Wortspiel, waaa! Also dieser Tag der Tage ist in der Regel (ha ha ha) ein Samstag und beginnt damit, dass ich mich jedes Mal frage, warum ich das tue, denn schließlich hasse ich Shoppen. Und das als Frau, ist in jedem Fall ne Leistung. Und nein, ich sammle keine Handtaschen, nein, auch keine Schuhe. Dafür aber französische Seifen und Duschgel. Ich habe nie gesagt, dass das normal ist.

Aber Kind liebt Shopping und so erbarme ich mich als gute Mutter und wir fahren zusammen. Ich fahre – Kind ist Beifahrerin. Retrospektiv würde ich sagen, dass diese Tage (Zwinker) echt immer schön sind. Allein die Zeit mit ihr zu haben ist zum Niederknien schön.

Okay, es geht dann samstags gegen 09:00 Uhr morgens los, schließlich macht ja alles S.C.H.O.N. 20 Uhr wieder zu. Kind braucht Zeit. Ich Geduld, Nerven, Schokolade, 3 Liter Wasser, alternativ Coke …
(Wodka Absolut Vanille, alternativ nen guten Rum mit Coke),
((ne strippende Männergruppe und nen Abo im Hamam)),
(((Urlaub auf den Malediven)))!

Wir Mütter erbringen wirklich, wirklich Opfer.

Nr. 1: C&A – die haben so viele coole Klamotten. Stimmt nicht! Die haben viele günstige Sachen und der wichtigste Punkt schlechthin ist, dass uns Mädels die Jeanshosen in Gr. 40 passen. Realistisch wie ich mit Ü40 bin, nehme ich mir echt jedes Mal die Hosen in der Größe 42. Natürlich passt die 42 normal und ich erfreue mich an (m)einer neuen Jeans, bis Kind sagt: »Warum nimmst du denn die 42. Hier, probier mal die«, wirft sie mir die Hose rüber, die sie gerade anhatte.

Wir sind immer zu zweit in der Kabine und leben die drei heiligen Haken in der Umkleide, die alles entscheiden.

JA/NEIN/VIELLEICHT.

Gekauft wird JA und meistens noch VIELLEICHT. Kind wiegt ähnlich viel wie ich, nur ihre Verteilung ist ne andere. Ich den Bauch, sie die Beine. Auf alle Fälle zerre ich mir ungläubig die kleine Größe über den Hintern, in der Hoffnung, dass das Ding passt und mein Hirn mich dann belohnt, weil es mir sagt, dass ich gar nicht so dick bin, wie ich denke.

Sie passt –> gekauft!

Nr. 2: TK maxx – was ein krass cooler Laden. Mädels, wer den nicht kennt, hat was verpasst. Das Schlimme ist, dass jede von uns so zirka 25 kg C&A Beute mitschleppt und TK maxx damit droht, uns die nächsten 50 kg aufzuhalsen. Aber ernsthaft, wenn dir die Hosengröße 40 passt, reicht eben nicht eine Hose. Unser Haushalts-Mutti-Denken bricht sich Bahn und wir kaufen jede für mindestens 50€ irgendwelche Sachen für den Haushalt und ich natürlich noch französische Seife. So 10 bis 35 Stücke.

Sucht ist Sucht. Da bin ich konsequent.

Jetzt haben wir Hunger, als Ladies unterwegs müssen wir uns natürlich hart für die passende Größe 40 belohnen und bestellen Vorspeise, Hauptgericht, Nachspeise, echte Coke sowie die Gruppe Männerstripper und lassen es uns gut gehen.

Es ist 11:32 Uhr und wir sind kaputt wie tausend Mann, während wir den Nachtisch genießen haben wir massiv Angst davor, die endlos viele Beute weiterzuschleppen und fragen uns, ob wir Ehemann und Papi anrufen sollten, damit das Shoppingtaxi die Tüten und Beutel abholt. Schade nur, dass er uns nen Vogel zeigen würde.

Somit ist der Mutter-Tochter-Tag gegen 12:35 Uhr beendet und wir schleppen wie Umzugspacker unsere Beute nach Hause. Beim Ankommen werden die Männer gequält, da es dann jedes Mal eine Beuteshow gibt.

Aber das …



… ist mal ne andere Geschichte.

Tief im Anderswo

Musik gibt dir das Gefühl, dass die Welt nur für dich existiert. Eine persönlich angepasste Realität, eine Wirklichkeitsblase, wie diese Hamsterkugeln aus transparentem Kunststoff, die wie ein dreidimensionales Laufrad funktionieren. Dadurch, dass Musik die Seelenfarbe, die Aura einer Situation verändern kann, so wie sich das Ambiente in Neonlicht verändert, lässt es sich gut darin unter aller Augen verstecken, tief versunken in ein Anderswo.

Man darf der Traurigkeit nicht alles glauben. Gestern war schrecklich und trotzdem ist heute gut. Manchmal bedeutet Stärke nur, dass man den Weg der Schwäche bis zu Ende geht, und merkt, dass man kann.

Das Wort ist eine Intimität,

zwischen dem der liest, und dem der schreibt.

Der Buchstabe, er kommt und geht,

doch der Sinn ist es, der bleibt.

So schneidert man aus Traum und Wort,

der Seele einen Leib.

Muttis Wochenende

Zack, von seven 2 four gearbeitet (Logo, Vollzeit – Emanzipation) und danach AldiAlda anfahren, um Essen und Getränke fürs Wochenende einzushoppen. Ich sage immer, ich gehe jagen, das klingt so animalisch. Das Schlimme am Freitagnachmittag ist ja, dass ich genauso keine Lust auf Einkaufen habe wie Montag bis Donnerstag sowie Samstag.

Ich.hasse.shoppen. Ich bin da echt männlich.
Aber da der Hungertod irgendwie auch nicht in Frage kommt, weil das nen Ding wäre, was sogar in den Geschichtsbüchern stehen würde. Stellt Euch mal vor, eine Frau und Mutter würde das Verhungern der Familie riskieren.

Gut – eine muss es machen.

Ich.

Tadaaa.

Okay, halben Korb für 97,20€ gejagt und jedes Mal denke ich, dass ich zu D-Mark Zeiten im Aldi 4 Körbe benötigt hätte, wenn die endgegnerische Summe Pi mal Daumen 194 DM gelautet hätte.
Es ertönt im Hintergrund die Melodie von Jeopardy! und mein Geist stellt sich folgende Fragen:

– sind die Körbe größer geworden?
– bin ich verwirrt?
– sind die Produkte kleiner geworden?
– hat son Korb die Eigenschaften einer optischen Täuschung?
– warum bin ich kein Kind reicher Eltern in der Südsee?
– wo lebten die kleinen Preise nochmal? Ahh, das war Penny!

Das Problem ist ja einfach nur, dass ich keine Demenz habe und mich somit an Einkaufen vor 2002 erinnere.

Irgendwann gegen 6 komme ich nach Hause und packe den ganzen Krempel dahin, wo er hingehört. Koche, mache sauber, wasche Wäsche und bespaße alle, bis ich gegen 21 auf die Couch falle und physisch sowie psychisch am Ende bin, während der Rest der Familie sich fragt, was mit mir los ist.

Samstag:
Nach dem Aufstehen sauge und wische ich die Bude, mache mit nem halben Arsch sauber und fühle mich heldenhaft, weil es keinem auffällt. Zack, drei Minuten Rezepte online gestöbert, geht es erlebnisparkähnlich in die Küche, denn die Kinder und Hund haben sich angesagt. Natürlich zum Mittag. Ich bereite einen Teil vor, den Rest machen wir später zusammen.

Hoffe ich.

12 Uhr Kinder sind da und verkünden umgehend, dass bösester Hunger sie quält. Schwiegersohn begibt sich auf direktem Weg zur Couch. Mein Kind kommt mit mir in die Küche.

Ich arbeite zielstrebig daran, dass der Hunger uns nicht umbringt – sie quatscht und quatscht.


Ich hoffe immer noch!


Ihr fällt ein, dass sie superduperklasse Biomöhren mitgebracht hat und wir ja zusätzlich nen Salat zum Essen machen könnten. Klar, coole Idee, sage ich und schwupp, steht sie mit 4 schwarzen Dingern, die ich nie im Leben als Möhren identifiziert hätte, in der Küche.

Mein Gesichtsausdruck spricht Bände, Kind ist nicht so gut im Gesichtsausdruck lesen.

1:0 für mich.

Ich würde nie wieder andere essen, wenn ich die einmal gekostet habe, sagte sie.

Aha.

*flüster … hab sie danach nie gekauft, ich fand das Schwarz zu bedrohlich. In meiner Welt sind die orangefarben, nicht schwarz.

Ich habe noch Gemüse in der richtigen Farbe da und sie macht den Salat soweit fertig, dass sie jetzt, sozusagen als krönendes Topping die schwarzen Dinger raspeln will.

Ich gebe ihr die Reibe und erkläre ihr, dass man für Möhren die feine Reibe nimmt, weil dann die Möhre viel aromatischer schmeckt. Altes Wissen, einst von Generation to Generation weitergegeben. Ich fühle mütterlichen Stolz, da ich meinem Kind was beibringen konnte.

Sie nimmt die gröbste Seite der Reibe und mein Gesichtsausdruck entgleist …
Kind erkennt meinen emotionalen Zustand null und raspelt sich nen Wolf, nee … ne Möhre.

Ich schaue ungläubig dabei zu, wie sich 22,8% der großen, schwarzen Möhrenfetzen auf der Arbeitsplatte und 31,2% auf dem Fußboden verteilen und bin sprachlos. Als meine Stimme nach zwei Sekunden wieder da ist, frage ich sie, warum sie die Dinger so grob hexelt.

Antwort: Geht schneller …

1:1

Ich schaue nicht mehr hin, sondern mache einfach da weiter, wo ich vor einer gefühlten, unenttäuschten Ewigkeit aufgehört hatte, beim Verhindern des Verhungerns.

Mein Baby macht den Salat fertig. Wir genießen das Essen, alle quatschen. Ich liebe meine Familie und alles dazugehörige, aber im nächsten Leben werde ich ein Mann, denke ich, als ich das Möhrenfetzenchaos in meiner Küche sehe.

Ich mag mich

Ich bin übrigens so sensibel, dass glaubt man gar nicht. Ich will ja auch nicht, dass das jemand merkt. Ist aber so. Doch ich habe gelernt zu kämpfen. Keine Ahnung wie oft ich das Opfer von irgendwem war, nur weil ich nichts sagen wollte. Ist einfach nicht mehr drin. Deswegen bin ich kein schlechter Mensch. Ich habe nur eine schnellere Reaktion auf Bullshit. Wenn du jemanden beschützen kannst, dann mach es. Wenn etwas falsch ist, schweige nicht dazu. Wenn dich jemand testen will – aufs Maul

Fange nie Streit an, aber sei der, der ihn beendet. Respektiere dich selbst. Dann lebt es sich leichter.

Kinderlicht

Die Art wie ich an meine Kindheit gerne zurückdenke, egal wie viele Narben ich dort sammelte, ist sie nicht einfach nur als etwas Dunkles zu begreifen. Das ist nicht wahr, denn dafür war ich als Kind selbst viel zu hell. Ich trug das selbe Licht in mir das alle Kinder haben. Diese kindlichen Phantasmen und diese von der Realität nicht eingezäunte Fähigkeit zur Freude. Es war eine sehr grausame Zeit in der ich oft ausgeliefert war, aber auch voller wilder Schönheit. Brutal aber auch oft magisch. Als Kind ist es so leicht, aus so wenig so viel zu machen. Ich habe mich dieser Magie immer wieder bedient. Es reicht schon ein Nintendo, ein Schlagzeug oder ein Buch, und es ist als würde man dir eine ganze Welt schenken. Kinder können diese undurchlässige Blase erschaffen, mit Wänden aus dem Stoff einer anderen Wirklichkeit, die nichts nach außen und nichts nach innen lässt. Einer Naivität aus der man Götter schmiedet.