Der Kater scharrt in seinem Katzenklo und macht Meeresgeräusche. Ich sehe ihn dabei an, und er weiß es, so wie er weiß, dass ich es weiß, dass Katzen irgendeine Lücke schließen, die ohne ihren felinen Beitrag sonst nicht zu schließen wäre. Und dann sagt er tonlos, so wie er durch meine Einbildung spricht: „Friede ist Einsamkeit ohne Melancholie.“ Existenzialistisch vergräbt er dabei sein Häufchen in diesem Mini-Zengarten.
Bisschen Fresse ist auch schön
Klug ist es auch, wenn man sich kluge Antworten verkneifen kann. Besonders, wenn man nicht gefragt wurde. Und auch wenn man recht haben sollte, geht es oft gar nicht um das Bekommen der Antworten, sondern um die Suche danach. Um das Ich-Puzzle welches wir lösen; selbstständig.
Junges Leben
Sämtliche Jungen aller Spezies besitzen diesen eigentümlichen Zauber. Junges Leben ist wahrlich bezaubernd, weil es noch so unbeholfen und neu in der Welt ist. Wenn der moralische Begriff des Guten irgendeinen rationalen Sinn enthält, liegt dieser genau dort verankert. Im Glänzen dieser jungen Augen, die alles zum ersten Mal erblicken. In den Proportionen, der hohen Stirn, kurzen Gliedmaßen und zu großen Köpfen. In allem was für das Leben gemacht, aber noch nicht bereit dafür ist, und an sämtliche unseren Instinkte appelliert es zu beschützen. Seiner manipulativen Liebenswürdigkeit, voller unverfälschtem biologischen Egoismus, die nur durch unsere Gunst überleben kann, welche all ihre Bedürfnisse durch instinktives Schreien ausdrückt. Vielleicht weil unsere größte Chance eigene Gegenwart zu verstehen darin liegt, dass wir im Angesichts der Anfänge des Lebens der eigenen Vergangenheit gegenüberstehen, uns selbst aus einer neuen dritten Perspektive begreifen, und eine Möglichkeit erkennen das Leben weiterzugeben, es zu bewahren, wie es uns gegeben wurde, und seinen Wert zu verstehen. In einem Moment sakraler Selbsterkenntnis, wenn uns die eigene Vergänglichkeit bewusst wird, und von diesem tiefen, tiefen Drang berührt werden, etwas von uns selbst, auf einem Kahn aus Gleichheit oder Ähnlichkeit, durch Samen und Abbilder, in die Unsterblichkeit zu retten.
12 kleine Pralinen
Da mache ich die Woche aufgrund all meines Könnens einen Vortrag vor vielen, vielen Menschen und scheine das gut gemacht zu haben, denn mir werden unter einigem Dank und ein paar Visitenkarten auch Pralinen übergeben. Kleine schwarze Schachtel mit 12 Pralinen.
Hmm … könnten auch Kondome drin sein, ich sollte nochmal die Visitenkarten checken.
Okay, also ich stecke die süßen Dinger. Nein, keine Kondome, Pralinen … in meine Mädchen-like-Handtasche, die einzige die ich von zweien besitze und fahre erst mal nach Hause.
Als ich alles auspacke fällt mir die Box mit den Pralinen in die Hände und ich schleppe meine Beute mit ins Wohnzimmer. Es ist nach 20 Uhr und ich esse um diese Uhrzeit keine Pralinen meh …
Ich reiße die Folie ab, schließlich sieht das da drinnen bei den Zwölfen recht lecker aus. Ich rieche dran, da gute Schokolade unglaublich gut riecht. Naja, riecht so semi, denke ich und suche mir eine, nur eine einzige heraus und stecke sie in meinen Mund.
Sie schmeckt nicht scheiße, aber gut auch nicht.
Ich schnappe mir die Schachtel mit den restlichen Elf und drehe und wende sie. So, wie die Verpackung aussieht, war das Teil teuer. Also bestimmt so 23 Euronen, denke ich.
1/12 hat in jedem Fall nicht geschmeckt. Ich werfe die Beute auf den Tisch und ignoriere die Dinger.
Ich lese Nachrichten wie jeden Abend. Nein, nicht whatsapp, signal, threema oder ähnliches, sondern Nachrichten. Was so in der Welt los ist, schwere Kost sag ich Euch.
Drei Minuten später sehe ich die Schachtel an und überlege mir, ob ich einfach nur Pech hatte. Ich meine, es kann ja sein, dass ich den Zonk aus der Schachtel als erstes gegriffen hatte und der Rest vorzüglich mundet.
Was wäre wenn, denke ich müde …
Ich schnappe mir also 2/12 und beiße vorsichtig ab, wenn es nicht schmeckt, könnte ich den Rest wieder in die Packung drücken und so tun, als wäre das grundlegend so gewesen.
Nein, sowas tue ich nicht!
Klar mache ich das …
Naja, 2/12 schmeckte derart nach Zitrone, dass sich alle meine Geschmacksnerven zusammenzogen und ich Wangeninnenkater hatte. Kennt ihr das? Falls nicht, ich hab da noch ne halbe Praline, die von oben wie ne Ganze aussieht.
Bäh, denke ich und gehe ins Bett. Natürlich mit Zähneputzen.
Heute mache ich was Menschen am Samstag so machen und am Nachmittag, eigentlich so vor 15 Minuten entdecke ich die Schachtel mit den 10,5 Pralinen.
Okay, denke ich, ich gebe Euch noch ne Chance.
Resümee?
Es sind noch 4,5/12 in der Box und wirklich geschmeckt hat keine.
Warum?
Ich frage mich ernsthaft, wie man sowas verkaufen kann und wer den Menschen einredet, dass das schmeckt. Davon ab, was ist denn mit den Machern von 12/12 los?
Ich hätte bitte gern einfach nur eine normale Schokolade beim nächsten Mal.
Ob man sowas im Vorfeld anmelden darf?
Sehr geehrte Veranstalter und Innen 🙂
Ich hätte bitte gern einfach nur eine normale Schokolade. Kein Aufwand, keine Ü-20 Euronen ausgeben.
Danke.
Blowjob
Sie verpasste mir den Blowjob des Jahrhunderts. Das war gleichzeitig Kino, Oper und Theater. Sie massierte meinen Schwanz an der Wurzel und zog das Stück Haut das sie umklammerte zurück bis zu den Eiern. Gleichzeitig tanzte ihre Zunge auf meiner Eichel, wie zu einer Performance von Riverdance. Ernsthaft, ich habe noch nie etwas gesehen das gleichzeitig so sexy und echsenhaft war. Und dann fickte sie mich mit ihren Augen. Sie lobte wie groß mein Schwanz ist und nahm ihn gleichzeitig in den Mund, als würde sie beim Essen sprechen und sich fast dabei verschlucken. Ich hatte einfach das Gefühl als würde ich meinen Schwanz in ein ganzes Meer aus ihren Lippen stecken, in dem lauter listige Zungen schwimmen, die alle gierig nach meiner Eichel schnappen. Sie tat das auf jedem Fall mit richtig großem Enthusiasmus und gab mir ein Gefühl als würde sie meine Organe durcheinander wichsen.
Entgegengestellt
„Schönes ist wahr und Wahres schön“ John Keats
„Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr“ Lao Tse
Mein Fazit: Widerspruch bedeutet nicht, dass nicht beide recht haben können. Es ist nur die Frage wo die Mitte der Betrachtung liegt.
Kunst-Scheidepunkt
Worin liegt der Reiz eine Realität abzubilden, die sich mit technologischen Mitteln bis ins letzte Detail festhalten lässt? Kunst braucht den Imperfektionismus, die unüberschreitbare Grenze des Erreichbaren, egal unter wie großer Anstrengung und mit welchen Mitteln, damit sie genau an diesem Scheidepunkt zwischen den Möglichkeiten der Kunst und der Anforderung der Realität, da wo es kein Weiterkommen mehr gibt, eigene Wege beschreitet weil sie es muss. Nimmt man ihr diese Grenze, verliert sie ihre Eigenheit, die Seele ihres Zwecks, und ist degradiert zu einer Imitation.
Die Vertrautheit kommt unerwartet
Die Vertrautheit kommt unerwartet. Schlagartig und mit großem Erstaunen. Nicht langsam oder schnell, sondern wie etwas was immer schon da war. Die meisten Dinge sind fern und kommen dann langsam näher, aber manchmal taucht etwas einfach an der Oberfläche auf, nachdem es wer weiß wie lange Zeit in uns verborgen lag. Die Kennenlernphase überspringend haben unsere Seelen sich stattdessen verschworen, die einander länger zu kennen scheinen als unsere Körper. Wir haben uns angesehen, lange und überrascht, so wie man jemanden ansieht, der einem eine Wahrheit über sich selbst offenbart, die er gar nicht wissen kann, weil er die eigene Wahrheit erträgt und darum soweit sehen kann. Zuerst macht es einem Angst, weil man wirklich gesehen wird, und fragt sich, wie der andere das was er da sieht gut finden kann. Lässt sich unfreiwillig durch Blicke Geheimnisse entlocken, die uns verjüngen und schüchtern werden lassen, als ob jemand die Uhr in uns zurückdreht hätte. Anders als viele andere Menschen hatte er nicht nur einen angenehmen Charakter oder einen schönen Geist, sondern eine wache Präsenz. Seine Nähe tut mir gut. So verrät einem der eigene Körper, dass man dabei ist sich zu verlieben und immer ist der Zeitpunkt falsch. Dann kommt das lange Zögern mit der Frage, ob man innerlich bereit ist sich selbst lieben zu lassen. Man beginnt Gespräch in Abwehrhaltung um Zeit zu gewinnen. Und dann fühlte ich sie wieder, diese wunderschöne Angst, die man nicht erklären kann und will.
Kleine Dinge
Ich schreibe eigentlich immer über lächerlich kleine Dinge. Warum Mädchen auf Bad Boys stehen und warum Kinder eigentlich immer laufen müssen. Und das ironische ist der Ernst mit dem ich diese immanenten Fragen in meinen Beobachtungen stelle, aber noch verrückter ist, dass ich sogar wesentliche Antworten zu erkennen glaube. Vielleicht weil ich glaube, dass man das Leben prinzipiell so oft drehen und wenden kann, dass sich eigentlich nur im Unsinnigen wirklicher Sinn erkennen lässt. Dass wir mit unserem Leben umso deutlichere Muster zeichnen, desto unbewusster und instinktiver unser Handeln sich ausnimmt. Ich glaube, dass wir umso näher bei uns selbst sind, je kleiner die Momente sind. Und alle großen Themen interessieren mich eigentlich gar nicht. Dadurch, dass ich viele Dinge so anders sehe, kaleidoskopische Bedeutungen erkenne, können die meisten auch nicht wirklich etwas damit anfangen. Aber von meiner Warte aus gesehen ist alles andere affektiert. Wenn man etwas atomisiert, egal wo man auch suchen mag, es so lange teilt, bis man es nicht mehr teilen kann, wird man immer auf ein Stück Wahrheit treffen, die sich dort finden lässt, weil dort noch niemand mit genügend Irrsinn danach gesucht hat. Wer seine Einfältigkeit auf den Kopf zu stellen schafft, wird immer die Weisheit darin erkennen.
Mädchen und Bad Boys
Ich glaube, dass Mädchen sooft auf Bad Boys stehen, weil diese sich bemühen so zu wirken als wären sie den Zwängen ihres Lebens entkommen. Als Kinder und Jugendliche fühlen wir uns quasi ständig entmächtigt, weil wir von dem Gedanken besessen sind, wir würden irgendwann völlig arbiträr handeln können. Darum stellen wir uns so oft vor wie es wäre erwachsen zu sein, und mit dieser Rebellion glauben wir unserem Ideal ein Stück näher zu kommen, ob wir nun selbst rebellieren oder andere für uns rebellieren lassen.