Mitten auf einer stark frequentierten Straße im Osten …

Wortstarke und seelentiefe Schriftstellerei. Lyrik-berührt-Moderne
Mitten auf einer stark frequentierten Straße im Osten …

Das Problem ist, wenn man jemanden sehr liebt, dass man zusammen einen mentalen Wir-Köper bildet. Man kann sich nicht mal vorstellen, jemals wieder alleine zu sein. Aber trennt man sich dann doch, muss man sich der Herausforderung stellen sein Ich wieder aus dieser verlorenen Beziehung heraus zu definieren. Dabei wird man so scheiße erwachsen, ob man nun will oder nicht. Er-wachsen. Ich-wachsen. Immer dieses Wachsen. Ich komme mir so fucking riesig vor. Um 100 Jahre größer. Zeit ist eine Distanz.
Immer wenn man jemanden liebt, erscheint einem dieser Mensch wie die tollste Person überhaupt, voller wundervoller Eigenschaften. Aber wenn die Beziehung endet und man sich wieder begegnet, merkt man plötzlich, wie einem dieser Mensch plötzlich so gar nicht mehr sympathisch ist. Man liebt einander nicht nur nicht mehr, sondern findet so gar nichts aneinander. Mir ist nicht klar, ob es semantisch richtig ist, aber es scheint ein Negativ von Verlieben zu geben, ein Entlieben, wenn man es so möchte.
Da bist du einmal (Lüge) nicht im arschkalten Magdeburg an Silvester, sondern auf der World Voyager. Mit nur 200 anderen Touris. Hast 30 Grad Lufttemperatur, den Pazifik zu Füßen und schlenderst gegen 15 Uhr mit deinem Mann in Richtung des nächsten, superköstlichen Drinks. Und was passiert? Kleiner Zeh bleibt an irgendsoeiner Sonnenliege hängen und will mit dem Rest des Fußes einfach nicht mitkommen.
Kurz ziehe ich in Betracht, dass er aufgegeben haben könnte und einfach auf der Strecke geblieben ist (krass cooles Wortspiel), dann aber schießen mir Zehtränen in die Augen und mein Körper krampft kurz in Anbetracht der üblen Schmerzen von unten.
Mein Mann schaut mich irritiert an und fragt, warum ich sowas mache. Keine Ahnung, denke ich, vielleicht brauchte Zeh einfach mehr Aufmerksamkeit von mir? Ich meine, schließlich ist das arme Ding immer nur rechts oder links außen? War halt ne kleine Showeinlage, zische ich ihm zu und setze gekonnt, war Absicht hinterher.
Er grinst. Ich nicht.
An der Bar angekommen, überlege ich, ob ich nicht gleich ne gepflegte Literflasche Jack Daniels oder Grey Goose bestelle, entscheide mich aber Ladylike für nen Sekt. Nicht, weil ich immer Lady sein will, sondern weil mein Zeh mir meldet, dass er noch in die ärztliche Sprechstunde will. Das erste Mal schaue ich Zeh von weitem (oben) an und stelle fest, dass er ne abstehende Schieflage hat, die echt heftig aussieht. Meine Finger schnellen nach unten und ich drücke ihn zurück ins Glied, schließlich sichert er das Außen. Meine Aktion wird mit starken Protest quittiert. AUA.
Meinen Mann drücke ich nicht, der genießt völlig entspannt sein Bier, während ich über Zehs Ableben nachdenke, schließlich geht es ihm sehr, sehr schlecht.
Ich entschließe mich zum Boardarzt zu gehen und will, dass er jetzt mindestens so gutaussehend wie Clooney in seinen besten Zeiten ist. Auf dem Weg dorthin kommt mir die perfide Idee, dass der Doc die Liegen absichtlich so ausrichtet, dass die Herrschaften reihenweise kleiner Zeh opfern, um sich anschließend von ihm behandeln zu lassen. Wäre nicht der erste Arzt mit ADHS, denke ich und finde mich heute perfide und gemein.
Scheiße.
Angekommen beim Zehdoc meint er, dass ich mich hinlegen muss. Finde ich witzig, aber ladylike mag ich halt auch manchmal. Also, hingeworfen. Er schaut sich Zeh an, biegt ihn in alle Richtungen und riskiert gerade einen hinterhältigen Angriff von mir. Dann sagt er mir. Painful, its broken.
Aha. Hätte ich nicht gedacht. Dachte eher an Erkältung, Pubertät, Menstruationsprobleme bei Zeh, aber gebrochen. Ich gebe mich zu erkennen und sage ihm, dass ich Medizinerin bin. Daraufhin kommt seine richtig schöne russische Krankenschwester. Schnell schaue ich, ob ich irgendwas gelb-blaues trage, denn ich möchte keine Konflikte in dieser Idylle der Reise. Hab nix in den Farben an, puh. Gut.
Sie bringt Eis und nix weiter. Daraufhin schlage ich dem Koch, ähm nein, dem Arzt ein Tape vor. Nein, kein Porno, keine VHS, ein Tape, um Zeh wieder in die Reihe zu kleben. Wo er hingehört. Das Außen sichern. Ungläubig darf ich dann feststellen, dass er mit dem Tesa in bunt nicht umgehen kann.
Ich frage mich, ob er doch der Koch ist, werfe mir ne Ibu ein und latsche ins Zimmer. Mein Mann ist da, begleitet mich, wird aber noch nicht gedrückt. Erst ist Zeh dran, schließlich fällt mir mit Öffnen des Zimmers das grandiose Tape vom Koch ab. Orrrr …
Viel blieb mir in dieser elenden Zehsituation nicht, außer?
Ich stand vor der Wahl einer Literflasche Whisky, Wodka oder gutem Rotwein!
Hab mich heute bei einem Menschen, den ich eigentlich etwas scheiße finde, für seine Ehrlichkeit bedankt. Das lässt mich edel wirken, oder?
Aber wenn ich dazu sage, dass es meine Mutter war, bin ich gleich wieder ein krankes Stück Scheiße.
Ich liebe mich dafür. xD
Ich vermisse es, dass Bescheidenheit als ein erstrebenswertes Ideal begriffen wird. Damit meine ich nicht kriecherische Attitüde. Das ist nur Schauspielerei. Sondern ein Gefühl für die eigenen Grenzen zu behalten. Auch wenn ich ein Verfechter gesunder Aggressionen bin. Das hat einen logischen Grund.
Heute habe ich oft das Gefühl, dass jeder glaubt alles zu wissen. Und natürlich weiß er es vor allem besser als der andere. Während es der andere wiederum besser weiß als er. Und darum dreht sich alles im Kreis. Die Menschen reden aneinander vorbei. Weil jeder redet.
Aber niemand hört zu.
.
Die ewig brennende Ölfeuer-Diskussion, wer jetzt im Recht wäre. „Coronamaßnahmenbefürworter“ oder „Impfverweigerer“. Was sich natürlich auf viele anderen Ebenen des Davors und Danachs übertragen lässt. Den meisten Menschen kam wohl nie die geheime dritte Option in den Sinn: Vielleicht sind beide Seiten Arschlöcher?
„Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“
Interessant. Als mit mir Schluss gemacht wurde, konnte ich das akzeptieren. Man kann niemanden zwingen dich zu lieben. Das ist sehr unreif. Und wenn man könnte, würde man das gar nicht wollen. Aber, dass sie so schnell einen Neuen hat, tut dann doch ein bisschen weh. Das ist mein Ego, oder? Sie soll glücklich werden. Ein bisschen Autobahn ist es dennoch. Das Krasse ist, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele alleine zu bleiben. Klingt nach beleidigter Psychoscheiße, aber ich meine das ernst. Natürlich haben das schon Viele gesagt, und man weiß nie was kommt. Ich schließe nichts kategorisch aus. Nur sind manche Menschen nicht für die Liebe gemacht. Und ich glaube, so jemand zu sein. Das Verrückte daran? Es ist ok. Ich habe mich. Und mein dummes Kindergekritzel, welches mir mehr bedeutet, als ich je zuzugeben bereit wäre.
Moving on!
Ein Bild von Twitter erklärt perfekt den Wahnsinn des Jahrhunderts. Auf die Heckscheibe links achten.
Bitte schön. Gern geschehen.

Erleben wir gerade die Kehrseite des Wohlstands?
Ich meine, bis 2032 sind alle Baby Boomer in Rente. Die Generation hatte knapp 21 Millionen Vertreter. Logo, die Bezeichnung verrät es offensichtlich. Sie war zahlenmäßig die größte Generation in unserem Land. Uns fehlen knapp 6 Millionen Nachfolger, wenn die älteren alle in Rente sind.
Aufgrund des jahrzehntelang anhaltenden Wohlstands etablierte sich ein Wertewandel. Weg vom Gehorsam und Altruismus, hin zu Emanzipation und Selbstverwirklichung.
Zur Selbstverwirklichung gehört zum Beispiel nicht, dass Mann oder Frau am Wochenende um 5 aufsteht, um im Pflegebereich zu arbeiten.
Folge: Unser Gesundheitssystem hat seinen Zenit längst überschritten.
Der demographische Wandel entspannt sich nicht. Kinder werden kaum noch erzogen.
Jeder macht was er will.
Hypothese: Die Kehrseite des Wohlstands erwischt uns immer mehr. Schön wird es nicht werden.
Schaut Euch doch an, wohin das alles gerade führt. Verschließt nicht die Augen.