Es nervt mich, das diese postmaterialistische Gesellschaft überall ihren uninformierten, normativen Senf ungefragt abgeben muss. Egal um was es auch geht, jeder hat ne Meinung! Klar, darf auch jeder haben, aber warum um alles in der Welt glauben alle, dass jeder diese auch hören will? So viele Finger zum in die Ohren drücken, um lalala zu singen kann es gar nicht geben, so sehr kotzt mich diese vorgegaukelte direkte Demokratie an, während im Hintergrund alles andere als Demokratie passiert. Das Schlimme? Es wird gefühlt täglich mehr Senf.
*sing …
„Es kann dir noch so gut gehen, aber an den Schmerz wirst du dich immer noch besser erinnern. Doch wenigstens sind es die Abstände zwischen dir und dir die immer größer werden.“
Als ich mich erinnern kann
Ich kann mehr verzeihen,
als ich mich erinnern kann.
Doch wenn du die Farben vergisst,
malst du irgendwann mit nichts.
Also schreibst du alles in ein Buch,
wo du dir die Angst an Worten brichst.
Und auf deiner Fingerspitze landet,
dieser Schmetterling aus langer Zeit und Wiedernichts.
„Du bist ein Idiot mit dem Herzen eines Genies.“
Vergebung suchen
Wenn wir Vergebung suchen gehen wir an die Orte die kein Gedächtnis haben. Wälder und Wiesen auf denen unsere Anwesenheit bloßer Zufall ist. Solche Orte haben Zähne mit denen sich die Zeit zermahlen und einfach wieder ausspucken lässt. Dort kann man sich einfach vergessen, so innig, bis man die Zeit aus sich herausströmen fühlt. Man schrumpft wieder auf diesen Punkt zurück, der man ursprünglich war. Das Vergessen von all dem was wir angefangen haben zu sein, bringt uns die Erinnerung daran zurück, wer wir wirklich sind. Wir müssen einfach nur aufhören zu versuchen auf alles und jeden Macht auszuüben, die uns am Ende selbst kontrolliert. Die Zeit verwandelt dich wenn du sie loslässt. Sie macht dich frei. Man darf sie nur nicht wie einen messbaren Gegenstand behandeln.
Adoleszenz
Jede Generation steht unter der Kritik ihrer Folgegeneration. Wir tun immer so als wäre das etwas neues, weil die Jugendkultur ideologisch außer Kontrolle gerät. Dabei würde etwas mit dem Zeitgeist ganz und gar nicht stimmen, ginge es in der Adoleszenz nicht mehr darum die Erwachsenenwelt zu ironisieren. Ohne diese Verkapselung des Infragestellens unter sich, dem sich ewig drehenden Rad des Generationenkonflikts, gäbe es niemals ein neues Lebensgefühl. Wir alle kommen auf diese Welt als die Jungen, die die Alten kritisieren, die nicht gehört werden, um dann selbst zu den Alten zu werden, die nicht verstehen, warum sie von den Jungen kritisiert werden.
Ich hab mich immer schon sehr unverstanden gefühlt. Mittlerweile ist das ok. Es ist wohl irgendwie mein Schicksal. Das ist mein Problem und nicht das der anderen. Außerdem habe ich (endlich) den Luxus, dass ich andere Menschen in fast allen Fällen einfach nicht mehr brauche. Aber als Kind und Jugendlicher war das nicht so einfach. Ich hab mich ziemlich gehasst. Weil ich keinen Platz außer in mir selbst für mich hatte. War ja klar, dass ich dann irgendwann keinen Bock mehr hatte aus mir rauszukommen. Das richtig miese aber war, jedes mal wenn ich mich überwunden habe, und trotzdem versucht aus mir rauszukommen, nachdem ich erst mal den Mut suchen musste, bin ich einfach gegen eine Wand gelaufen. Weil ich keine gemeinsame Sprache finden konnte. Kein Mimimi. Es ist heute WIRKLICH scheißegal. Aber die Erinnerung liegt hier immer noch rum. Warum ich sie nicht wegwerfe? Weil man Dinge daraus lernen kann. Nicht immer noch, sondern sogar erst jetzt. Ich versteh es übrigens auch. Ich bin ja irgendwie anders. Umgekehrt wäre das für mich vermutlich auch schwierig? Manchmal ist es eben so. Und niemand kann was dafür. Randomness. Oh. Und mittlerweile habe ich es kuschlig. Ich mag bloß diese romantische Beschwerdekultur. Im Gegenteil: Ich glaube sogar mein Leben ist jetzt leichter als das der meisten anderen. Weil ich mir meinen inneren Frieden verdienen musste, als ich noch sehr jung war. Dadurch bin ich nicht wie viele andere auf die Suche im Außen angewiesen. Ich bin ein verfickter Panzer.
Das Geile am Internet ist, dass Menschen einfach so ihr privates Zeug teilen können, statt immer nur Komerz der Medien.
Das Beschissene, dass sie lieber irgendwelche Promis nachahmen, sich wie Moderatoren benehmen, weil sie deren Erfolg imitieren wollen.
Hat jemand den Witz verstanden?
Was sein kann und sein soll
Es gibt Dinge die man sieht, von denen weite und lose Teile aus der Wirklichkeit herausragen, die sich endlos durch unser Inneres ziehen. Dinge über die es sich nur an den Spitzen und Enden sprechen lässt. Dinge aus dummer Liebe, die aus Vernunft verboten sind, sobald man zu weit darüber spricht. Aber Schreiben kann eine laute Form des Schweigens sein, die einen Platz dafür kennt. Weil man dafür die Welt nicht teilen muss, in das was sein kann und bitte sein soll. Weil es ein Niemalsland ist, wo wir in uns selbst gerückt wohnen, neben Verrücktheiten und Träumen. Wir brauchen alle ein größeres Vielleicht.