Katzenschwermut

Der Kater reagiert schwermütig, als er endlich seinen Willen bekommt, und ich ihm das Fenster öffne. Es entspricht seiner Gewohnheit von der Küche aus seine Umgebung zu inspizieren, während ich ihm nun das Fenster des Wohnzimmers öffne. Als sich meine Hand nähert um ihn beruhigend zu streicheln, maunzt er skeptisch und langgezogen wie ein Theremin.„Katzenschwermut“ weiterlesen

Die österreichische Seele

Die österreichische Seele ist eine geheime Sprache mit wenigen Eingeweihten. Etwas das man nicht ganz richtig, aber auch nicht völlig falsch, als das Gegenteil von Poesie umschreiben könnte: Ein bisschen grob eingebildet, etwas stumpf im Gefühl für Sinn und Zeit, träge und immer drei Schritte zurückgefallen, aber auf einer ausladenden Säule der Gemütlichkeit errichtet. Während„Die österreichische Seele“ weiterlesen

Post-Kindheit

Über meine Kindheit verteilt liegt sehr viel Verlorenes. Die Abwesenheit dieser verlorenen Dinge ist vielleicht sogar das, was mich zu einem Erwachsenen werden ließ. Seltsame Dinge, die seltsame Schatten werfen, die mich berühren und melancholisch werden lassen. Ich spüre sie überall dort, wo sie gar nicht hingehören. In den Titelliedern alter Zeichentrickserien aus meiner Kindheit,„Post-Kindheit“ weiterlesen

Aberglaube der Sentimentalität

Wenn man mit etwas abgeschlossen hat, aber es dann doch wieder hervorholt, Dinge wieder tut, die man nicht mehr tun wollte, oder jemanden aus der Vergangenheit trifft, von dem man sich trennen wollte, ist das wie mit einer Taschenlampe gebückt durch eine dunkle, muffige und feuchte Höhle zu kriechen. Man denkt es wäre vielleicht ein„Aberglaube der Sentimentalität“ weiterlesen

In einem Fahrzeug

Als ruhender Punkt eines Beobachters, in einem Fahrzeug auf der Autobahn, verändert die passive Geschwindigkeit alles. Entfernungen, die du am Horizont erkennst, bedeuten nicht mehr das selbe, weil alles um dich herum zu fließen beginnt. Alles auf vertikaler Ebene wird gestaucht und magnetisch von einem angezogen. Man schneidet wie ein Messer durch die Landschaft, und„In einem Fahrzeug“ weiterlesen

Im galvanisierenden Bad meiner Worte

Immer bevor sie das Haus verließ fragte sie mich, wie sie aussähe, aber so, dass sie dabei ganz zu einem weißen Blatt Papier wurde. Ihre Gestalt ein Malbuch gespenstischer Abwesenheit, welches ich mit meinen Kommentaren kolorieren musste, zum Sitz ihrer Frisur und über die Abstimmung zwischen Schuhen und Hose, bis ihre Transparenz, im galvanisierenden Bad„Im galvanisierenden Bad meiner Worte“ weiterlesen

Mikrowelle

Wenn du so vor der Mikrowelle sitzt und dabei zusiehst wie dein Essen bestrahlt wird, ist das wie eine kulinarische Miniatur eines Versuchsgeländes für militärische Kernwaffentests. Während die Atomkerne deiner Lasagne Zitterbewegungen um ihre Ruhelage ausführen, begleitet durch das anschwellende Summen, und das radikalisierte Zwielicht, das du durch das Lochblech beobachtest, wartest du auf die„Mikrowelle“ weiterlesen

Internet

Das Internet war für mich irgendwie wie ein Remix, eine digitale Krabbelkiste voll mit Kopien von etwas Analogem, das irgendwann mal einen physischen Körper hatte. Bewohnt von Poltergeister aus den 90ern, von entkörperten Liedern und Filmen, die aus den Sarkophagen ihrer CDs, DVDs und VHS in den Datenäther sublimiert wurden. Es hatte eine existenzarme Un-Schwere,„Internet“ weiterlesen

Verbindet sich mit den Augen

Alles was du liest, verbindet sich mit deinen Augen immer zu einem Moment seiner eigenen Lebendigkeit. Ich kann dich sehen wie du an einem Fenster stehst, zu einer Welt die ich nicht sehen kann, aber ich sehe was sich davon in deinen Augen spiegelt. Ich fühle dein Abdriften in ein tiefes Anderswo, während deine Augen„Verbindet sich mit den Augen“ weiterlesen