Nicht-Begrüßungen

Der Kater tut so, als würde er mich nicht bemerken. Aber aus Katzenerfahrung entgeht mir nicht, wie er mich in immer enger werdenden Kreisen um mich herum ignoriert. Das ist seine Art mir zu sagen, dass es schön ist, dass ich wieder da bin, aber so schön nun auch wieder nicht, wenn ich mich nicht etwas mehr um seine Gunst bemühe. Ich wünschte ich hätte eine Sprache um ihm zu erklären, dass ich auch lieber immer bei ihm wäre. Nicht, dass er das lange wollen würde.

Addierte Jahre

»Was?«

»Nichts.«

»Wahaas? Jetzt sag schon!«

»Nichts. Wirklich. Es ist nur, du siehst anders aus wenn du nackt bist.«

»Du meinst ― besser?«

»Ich meine echter. Ich kenne dich nur in deinen Anzügen. Du trägst sie wie eine Rüstung.«

»Ich kann ja schlecht alle Menschen mit meiner adonischen Nacktheit elektrisieren. Dieses Privileg bleibt dir vorbehalten.«

»Ich meine das ernst. Ich erkenne in dir wieder den Jungen welchen ich von der Schule kannte. Jemanden den ich gerne hatte.«

»Hattest du mich davor etwa nicht gerne? Wir haben gerade miteinander geschlafen. Das wäre schon etwas niederschlagend.«

»Das meine ich ja auch nicht. Es ist nur so, dass meine Gefühle jetzt wieder zu dir passen. Jetzt, wo ich dich so sehe, ist da auch wieder die Vergangenheit.«

»Wir haben doch auch eine Zukunft.«

»Ja, aber ich möchte die beiden miteinander verbinden. Ich will, dass wir weiter machen, wo wir damals aufgehört haben. Ich will, dass wir wieder wir sind.«

»Du warst für mich immer wir.«

»Du hast mich das aber nicht fühlen lassen.«

»Habe ich nicht? Ich bin verrückt nach dir.«

»Ja, so wie der Hund nach dem Hasen verrückt ist. Aber jetzt sind wir wieder zusammengewachsen.«

»Du klingst fast so als würdest du mir vorwerfen, dass ich nicht schnell genug wieder zu mir wurde.«

»Nein. Es ist nur so, dass ich auf dich gewartet habe. Ich habe dich immer angesehen und darauf gewartet, dass sich aus dem was ich da sehe, wieder der Junge von früher schält.«

»Wir sind keine Kinder mehr. Du bist auch nicht mehr dieses Mädchen.«

»Ich bin sogar nichts anderes, außer die tarnenden Jahre die sich mit meiner Vergangenheit addieren.«

»Sind wir nicht? Ich glaube wir haben nur aufgehört Kinder zu sein, als wir nicht mehr zusammen waren. Wir haben uns gegenseitig entzaubert und das hat uns älter gemacht. Aber jetzt drehen wir gemeinsam die Zeiger wieder zurück. Weil wir uns diese Zeit die ganze Zeit gegenseitig freigehalten haben. Wir wussten, dass das mit uns passieren muss.«

Das beschissene System

Viele Jahre befasse ich mich mit den staatlich auferlegten Zwängen. Mir fiel dabei auf, dass die einzige wirkliche verpflichtungsfreie Zeit die von null bis zum sechsten Lebensjahr ist.

Interessant, weil zumindest ich mich erst ab meinem vierten, wenn nicht fünften Lebensjahr erinnern kann. Gehe ich jetzt vom fünften Lebensjahr aus, so hatte ich keine zwei Jahre einfach für mich.

Es schließen sich Schule, Ausbildung und/oder Studium an und dann landeste fixxe Schnitzel im Arbeitsleben. Aktuell muss ich bis 67 arbeiten, um endlich mal Zeit für mich selbst zu haben, wobei dann wahrscheinlich diverse Krankheiten im Vordergrund stehen werden. Und wenn ich mir anschaue, wie offensiv unsere bunte Regierung die Kohle raushaut oder allen Ländern einfach so Geld verspricht, werde ich wahrscheinlich bis 124 arbeiten müssen, um dann 347€ brutto vom Staat überwiesen zu bekommen, während meine Miete zwischen 3450-6000€ liegen wird. Jeder Wocheneinkauf 400€ kostet und sich auch im Jahr 2060 noch immer alles auf Corona und dem Krieg in der Ukraine gründet, während die Inflation längst zweistellig ist, wahr und bleiben wird.

Während ich schreibe schätze ich die Wahrscheinlichkeit auf eine Demenzerkrankung ab dem 80. Lebensjahr als signifikant steigend ein. Für mich. Für Dich. Für alle.

Puh, doch keine freie Zeit für mich, schließlich kann es sein, dass ich nicht mal mehr weiß, wer ich überhaupt bin.

Ist. Das. Nicht. Furchtbar?

Ich antwortete mal für mich: JA! Es ist furchtbar.

Jede Wette ein Großteil der Menschen haben keine Ahnung davon, wie kreativ sie sind oder was sie eigentlich wirklich im Leben machen wollen.

Woher denn auch? Schließlich sind wir ja alle ein ganzes Leben lang beschäftigt.

Ich habe dafür keine Lösung, nur (m)ein Lebensmotto:

Erkenntnis verpflichtet!

Und so versuche ich es für mich anders zu machen, damit ich weiß wer ich bin. Schließlich sind knapp zwei Jahre nur für mich bei meinem erwartbaren Renteneintrittsalter mehr als zu wenig!

Damals

Wenn Du ein krankes Familienmitglied hast, möchtest Du nichts sehnlicher als Normalität. Selbst als Kind empfand ich Scham, mir das zu wünschen. Und um eins dranzusetzen wünschst Du Dir nichts mehr als zu allen anderen zu passen. N-o-r-m-a-L zu sein, aber alles, was Du gespiegelt bekommst ist, dass Du so anders bist …

Egal, ob es positiv oder negativ gemeint war! Das spielte keine Rolle!

Für Ines II

Operation, die II. – oder Ines aus Thüringen

Arabien kam stundenlang nicht wieder und so war ich mit der Thüringer Bratwurst allein. Ich überzeugte sie davon, dass diese Klinik irgendwie funktionierte wie damals die Schwarzwaldklinik, dass Prof. Brinkmann hier gutaussehend war und dass es am Nachmittag verfluchter Weise keinen Kaffee gab. Es war klar, dass die Sache einen Haken haben musste. Wobei kein Kaffee eher so ein No Go war.

Was sollte der Scheiß?

Weder Thüringen noch ich verstanden diese beschissene Logik. Scheiß auf Prof. Brinkmann in schön, unfreundliche Pflegekräfte waren wir ebenfalls seit mehr als einem Jahrzehnt gewohnt. Geschenkt also, wir wollten Kaffee!!! (Und Kuchen aus dem göttlichen Automat, aber das wussten wir noch nicht).

Nun gut, da ich ja schon einen Tag postoperativ war (klingt voll intelligent), durfte ich schon aufstehen. Eigentlich nur, um zu pinkeln, aber wo keiner guckte, wurde ich nicht gesehen, und so schlichen Thüringen und ich, also Sax´n-Anhalt zum Kaffeeautomaten. Bewaffnet mit endlos viel Kleingeld inner Hosentasche fanden wir als erstes …

George Clooney? Neee!

Tim Taler? – Wen?

Bruce Willis? – Wäre cool, aber jetzte ist er zu alt für Thüringen und mich, das würde er einfach nicht mehr schaffen.

Wir fanden also …

Den Zauberautomaten. Klingt banal, ja. War es aber nicht, wenn Du ohne Süßigkeiten und Kaffee am Nachmittag dastehst. So Ü40 braucht man halt seine ganz persönlichen, täglichen Highlights. Während ich ipp, zipp, zapp zwischen Hanuta und einer mageren Tüte M&Ms spielte, machte Thüringen dasselbe zwischen Apfel- und Käsekuchen. Jede hatte also ihre Präferenzen und während die M&Ms am Tag 1 des Zauberautomaten gewannen, ärgerte ich mich, dass die hier nur diese 65 Gramm Tüten im Zauberautomaten hatten, schließlich gab es doch da draußen Kilotüten, warum denn hier drin nicht, hm?

Ich hätte auch geteilt.

Jetzt nicht mit Prof. Brinkmann, aber mit Arabien und Thüringen in jedem Fall, wobei es ja Coronazeit war, eine verdammt gute Ausrede, die Kilotüte nicht zu teilen.

Naja, in jedem Fall holten wir uns noch einen Kaffee dazu, schlemmten die unendlichen 65 Gramm M&Ms und den kleinen Kuchen, feierten uns und fühlten uns gleich viel wohler inner Fischbüxxe.

Ich frage mich gerade, ob wir eine Petition starten sollten, und zwar für nichts geringeres als größere Packungen Süßkram im Zauberautomaten. Ich muss auf Thüringen warten, dann machen wir einen realistischen Plan.

Coming soon. Part III – Thüringen wird operiert.

Urlaub live

Wo fange ich denn mal an?

Jut, kurz kalibriert und los jeht es mit de Tatsachen. In kurz:

Urlaub

Insel

Ohne Saufen

Weil alt

Flugverspätung

Trotzdem angekommen

Im Hotel

Tag 2 am Abend!

Ich finde, obwohl ich eine Frau bin, kann ich mich erschreckend kurz fassen.

Okay. Ich habe mir eine Ernähungsberatung gegönnt und fühle mich gleich viel besser.
Häää? Nein, habe ich nicht. Würde ich auch nicht.

Gut. Jetzt in ehrlich. Ich habe mir grundlegend vorgenommen mich gesünder zu ernähren und so esse ich hier im Urlaub nur Frühstück und Abendessen.
Was ja grundlegend:

A: Nicht zwingend gesünder ist, weil kommt drauf an was Frau isst
und:
B: Weist es eiskalt auf Halbpension hin!

B stimmt. A nicht, denn ich esse wirklich gesund. Also seit 5 Wochen. Wenn ich jetzt im Urlaub pausiere bin ich wieder raus und entscheide mich wieder erst in sieben Jahren für gesund. Dann brauche ich es auch nicht mehr.

So. (Wer so sagt hat heute noch nicht gearbeitet. Stimmt auffallend, ich habe ja Urlaub.)
Insel und so. Hihi.

Tag heute also: Früh morgens saurer Yoghurt mit frischen Früchten und Haferflocken. Klingt trauriger als es war.

Job done. 😞

14-tausend Schritte unterwegs dazu zwei Stunden Baden. Nüscht nennenswertes jegessn.
17 Uhr Rückzug ins Hotel. Duschen. Warten, da es erst 18:30 Uhr Abendessen gibt.

Da ich es ultrapeinlich finde, vor einer verschlossenen Restauranttür zu stehen und mit „Macht endlich auf Schreien“ zu toben, während meine Fingernägel über die Glastür kratzen, gehe ich 18:27 Uhr von meinem Hotelzimmer los.

Am Fahrstuhl angekommen drücke ich aufs Knöppchen.

Einmal.

Zweimal.

Dreimal.

Viermal.

Er kommt nicht! Nein, nicht der Mann, der beschissene Fahrstuhl.

Kleiner Reminder … nicht nur hungrige Männer sind zickig, ich kann das auch. Also, was tun? Treppe nehmen!

Da ich ne Bettenburg gebucht habe, wären das 12 Etagen.

Scheiße, aber ja.

Also, zack und los gehts. Als ich in der 11 angekommen bin überlege ich mir, einfach in jeder Etage den Fahrstuhlknopf zu drücken, was aber niemals in Fra …

Doch, hab ich gemacht! 11 mal, selbst in der Lobby. Pünktlich 18:36 Uhr stehe ich im Restaurant, freue mich über meine Halbpension und darüber, dass ich für die nächsten 5 Minuten freie Platzwahl habe.

*grinst

Für Ines …

Operation, die I. – oder Ines aus Thüringen

Da lag ich unter Corona Bedingungen nun das zweite Jahr in Folge im Krankenhaus, um mir den Rücken aufschneiden zu lassen und genau jetzt dem gemeinen Leser ein erstes Schockmoment zu geben, schließlich ist Rücken aufschneiden schon ne ziemlich blutige, eklige und gefährliche Angelegenheit. Grusel, Grusel …

Und schmerzhaft …

Verdammt schmerzhaft.

Also vor der Operation und auch am Schnipp-schnapp Tag selbst, liegt der Schmerz auf der Schmerzskala von 0-10 schon so bei 277 von 10. Davon ab ist der OP-Tag schon auch ne peinliche Geschichte. Pinkeln auf nem silbernen Topf, den sie dir im Liegen unter den Arsch schieben. Das Resultat war natürlich, dass mein ostdeutscher, stolzer Körper und Geist sich weigerten. Dafür nahm ich den Transfer auf den Toilettenstuhl in Kauf, was mir ne 2345 von 10 bescherte, aber nun. Stolz und Würde gehen halt manchmal vor. Ossi halt. *sich uff die Brust kloppt

Autsch.

Ich wurde also am Dienstag operiert und siechte gemeinsam mit meiner arabischen Zimmernachbarin eine ganze unbequeme Nacht langhin, als am nächsten Morgen die Tür aufging und eine dritte OP-Willige die gefühlte 10 qm Fischbüxe betrat und völlig abgegessen bemerkte, dass sie das Sandwich sein würde. Ja, sie müsste in der Mitte liegen und war somit das Mittelfilet. Frau Bums. Nee, so hieß sie nicht, aber dieses beschissene DSGVO sollte auch eine grandiose Schriftstellerin beachten.

Back to Fishbüxxe …

Grundlegend war das so eng, dass, wenn ich meine Decke aufgelupft hätte, sich die Neue ankuscheln hätte können. Ich beobachtete sie und konnte gut verstehen, dass sie das doof fand, schließlich war ihr zu diesem Zeitpunkt nicht klar, wie cool ihre Bettnachbarin Frau Dings am Fenster sein würde. Krankenhaus ist ja voll langweilig und so wurde Arabien zur OP gebracht, während Frau Bums widerwillig ihren Koffer in den Schrank beförderte. Sie hatte versucht, sich aus der Nummer zu winden, indem sie der Schwester irgendwas von Schnarchen inner Fischüxe würde ja gar nicht gehen, was dem Personal mal sowas von endegal war und so musste sie sich fügen und die Mitte akzeptieren.

Sie sagte zu mir irgendwas von Schnarchen und sie wollte mich und Arabien ja retten, aber naja, ist halt nicht gewünscht. Ich zog die Augenbrauen hoch und bemerkte zwei entscheidene Dinge.

1. Die rotblonde Frau Bums klang nach Thüringer Bratwurst mitten in der Pappnasenstadt– geil … nen Ossi, dachte ich.

2. Das bedeutete doch, dass wir ab sofort in der Überzahl waren und somit die Fischbüxxenherrschaft übernehmen würden.

3. Damit wiederum könnten wir alles bestimmen … *teuflisch grins

4. Ich Probleme bekommen würde, wenn die Thüringer Bratwurst neben mir schnarchen würde.

5. Falls sie Süßigkeiten hätte, ich sie unbemerkt über Nacht klauen könnte, schließlich war ihr Nachttisch direkt neben mir.

Das würde gut werden dachte ich und begann ein Gespräch mit Thüringen.

Coming soon. Part II – Der Zauberautomat mit Chips, Kuchen und M&Ms.

Ich habe so viel Wut in meinem Bauch, die kalt geworden ist. Darum fühlt sie sich an wie Traurigkeit. Wut gehört zu den Leidenschaften, einer Familie der Gefühle, die immer heiß bleiben muss. Sonst ist sie sich nicht mehr eins mit sich selbst, wird schwer wie Blei und sinkt in die Gedanken, wo sie unseren Urgrund vergiftet.