Wir schreiben das Jahr 1872 und es gab wahrscheinlich noch keine Magenspiegelung, aber gewiss Magenprobleme. Jut, jetzt hab ich scheiße angefangen, ganz klar, aber ich werde es nicht lösch …
Fast war ich versucht auf entfernen zu drücken, aber nein, mache ich nicht. Wir sind in einem Zeitalter, wo man auch für schlecht gemachte Dinge gefeiert wird. Also, feiert mich.
2023 im Juni – mein Magen macht was er will, oder zumindest nicht das, was ich will. Was will ich überhaupt von Magen, denke ich und komme zu dem Schluss, dass ich nichts von ihm will. Also, dass er in Ruhe seine Arbeit macht und ich das nicht merke. Wobei es Ausnahmen geben muss, ansonsten finde ich den Anspruch an Magen zu hoch. Work-Life-Balance und so.
Ausnahmen:
Großartiges Vorglühen vor coolen Events mit der Folge eventuellen Erbrechens aufgrund Überlastung.
Weihnachten. Eindeutig Weihnachten, denn ich bin aus dem Osten und da wird in einem Abstand von maximal 2 Stunden immer weitergegessen. Tagelang. Geht eben nix über Rituale.
Besuch bei Oma. Ist aber konzeptuell wie Weihnachten.
Ansonsten kenne ich keine Ausnahmen, da ich leider (Lüge) nicht exzessiv bin. Zurück zum Thema, denn ich habe seit Juni Magenprobleme. Diese äußern sich wie folgt: Ich stehe im Urlaub vor einem vollen Buffet und bin nach dem Salat satt und nein, ich musste das nicht extra bezahlen. Der verbreitete deutsche Geiz ist es also nicht. Als wäre das nicht essen können nach einem Salat! nicht traurig genug, bekomme ich vom Nichtsessen fieses Sodbrennen. Meine Selbstdiagnose im Urlaub war Gastritis und da ich keinerlei Medikamente nehme, wird diese wahrscheinlich bakteriell bedingt sein.
Nach meinem trostlosen Salaturlaub mit Sodbrennen mache ich mir einen Termin aus und da ich advanced bin, gleich beim Gastroenterologen, da alle anderen ja nicht wirklich helfen können.
Dort angekommen schildere ich mein mittlerweile sechs Wochen bestehendes Problem und er teilt mir mit, dass er die Magenspiegelung am 06.12.23 machen wird. Dazu gratuliert er mir, dass ich noch in diesem Jahr einen Termin bei ihm bekommen habe. Ich erkläre ihm wenig vermeidend, dass ich darüber im Kontext der noch ausstehenden Zeit bis Dezember irgendwie nicht so happy bin wie er.
Es folgt ein fetter Konter, er könne ja nicht 14 Stunden am Tag arbeiten. Gut, klar. Will ich auch nicht und erwarte ich auch nicht, aber mir rhetorisch zu verkaufen, dass ich mich doch freuen sollte, dass wir uns noch dieses Jahr (knapp 7 Monate) nach Beginn der Problematik schon! zur Spiegelung treffen, fand ich einfach ziemlich uncool. Dann könnte man ja prinzipiell auch allen Unternehmen zum Fachkraftmangel gratulieren. Nicht, dass es nicht Unternehmen gibt, wo das passend wäre, aber so insgesamt fände ich das genauso dämlich.
Dazu fragt er mich, was ich so dagegen einnehme und ich erkläre ihm, dass ich mich aktuell und wahrscheinlich noch die nächsten sechs Monate an Bullrich Salz, Rennie und weiteren freiverkäuflichen Produkten hoch- und runterprobiere, weil wir uns ja glücklicherweise erst im Dezember sehen werden, woraufhin er mir erklärt, das wäre ja super, dafür sind die Präparate ja auch gemacht.
Ich frage mich, ob es früher, als das Gesundheitssystem noch funktionierte, derartige Produkte dann gar nicht gab, aber verwerfe diese Fiktion gleich wieder.
Es folgen tatsächlich weitere fünf Monate, in welchen ich aufpassen muss, was ich esse, eine Qualitätskontrolle fast aller freiverkäuflicher Präparate gegen Magenschmerzen und ewige Bauchschmerzen mache, Unwohlsein, Völlegefühl nach drei Marzipankartoffeln inklusive.
Aber ich bin glücklich, schließlich habe ich meine Magenspiegelung sehr, sehr bald. (In fünf Monaten).
Usw / Usf. (und so weiter / und so fort) ((Für alle, die es nicht verstanden hatten.))
Gern geschehen.
06.12.23 Ging wie im Flug rum, die fast sieben Monate und ich werde direkt aufgerufen. Ein echt netter Assistent fragt mich, ob ich mit Propofol schlafen will und ich überlege kurz, da Michael Jackson im Hintergrund, im Radio läuft. Mein Autorenhirn hat einen epischen Lachanfall, weil so eine Scheiße kann auch nur mir passieren. Ich denke über die Wahrscheinlichkeit nach, nicht wieder aufzuwachen wegen Überdosierung im Kontext der tiefgreifenden Würgeanfälle ohne Propofol und zack halte ich meinen linken Arm zum Legen des Zugangs hin.
Zack gelegt. Der lustige Arzt kommt, grüßt per Handschlag und bemerkt, dass ich ja gar nicht nervös wäre.
Wie denn, denke ich, Nervosität hält ja keine Monate an. Ha, ha, ha … selten so gelacht.
Meine neue Kollegin hatte mir am Vortag klar gesagt, dass ich mit einem wahnsinnigen Hochgefühl wieder aufwachen würde, wenn ich denn wieder aufwache. Sie hätte damals sogar den Reinigungskräften für die gute Behandlung gedankt. Habe ich mir auch vorgenommen.
Ich wache wieder auf und fühle mich als hätte ich äußerst beschissen geschlafen. So eine Nacht, die 03:00 Uhr beginnt und um 05:00 Uhr wieder endet.
Großartig.
Nach ein paar Minuten Aufwachraum und drüber sinnieren, wo ich nun die Reinigungskräfte finde, um ihnen schwere Vorwürfe für die beschissene Kurznarkose zu machen, werde ich zum Doc gebeten.
Dann erklärt er mir, dass ich eine Gastritis habe, die höchstwahrscheinlich bakteriell bedingt ist. Er hätte Gewebeproben gezogen und in einer Woche wüssten wir mehr. Was eine überraschende Diagnose, denke ich. Hab ich ja direkt im Urlaub damals niemals nicht mit gerechnet.
Lieber Weihnachtsmann,
ich wünsche mir einen Rezeptblock und einen Stift, dann wäre mein Problem im Alter eines fast Neugeborenen längst erledigt gewesen.
Danke





