Meine Woche, die fette Tante und das Sausackzahn-Gen

Meine Woche beginnt mit Urlaub in der Südsee, einen gefunden Koffer voller Gold und Kokain. 🏝️

 

Hö. Hö. Hö. 

 

Meine Woche beginnt mit einem Montag der von morgens um kurz vor sechs bis abends kurz vor elf läuft. Ich überwinde in dieser Zeit 400 Kilometer, habe mega gute Gespräche, Personalcoaching, zu viele Kalorien und ein Videomeeting im Auto. Wir, einer der weltbesten Coaches und Personalentwickler in meinem Leben, und ich starten in Richtung Ziel ganz im Süden Deutschlands, um unsere Expertise in einem Unternehmen mit -Überraschung, Personal Schwierigkeiten- zu beraten und zu unterstützen. 

 

Er hat, obwohl der Weltbeste Personalentwickler zum Einstieg gegen 11 Uhr vormittags, keine Lust was zu machen und kurz überlegen wir, ob wir uns als Selbständige selbständig krankmelden und in einen Wellnesstempel fahren, um dort überteuert zur Ruhe zu kommen, die wir eigentlich nicht brauchen.  Aber wollen.

 

Wir entscheiden uns leider dagegen. 

 

Also geht es los und während der Weltbeste usw. fährt, habe ich im sozialistischen Gedanken an unsere Ernährung gedacht. Stimmt so nicht, er fährt, ich ernähre. Gendergerechte Verteilung der Arbeit. *kicher … 

Was also hatte ich für uns beide dabei?

 

Zwei Äpfel

Zwei Coke

Zwei Flaschen Wasser

Französische Kekse

Französische Snacks

Eine Packung Gummitiere, nein, keine Kondome. Lachgummis

Zwei Flaschen Feierabend Porter Bier. 

 

Solide ausgestattet, dennoch sollten wir im Verlauf dieses Tages noch folgendes dazu kaufen:

 

4 Pfefferbrezeln (für die Norddeutschen, Mitteldeutschen und Unwissenden: wie Salzbrezel vom Bäcker, nur fettiger und feffriger (*originell, wa🤪) 

2 lauwarme Cappuccino

2 asiatische Bowls!

1 Kaffee

20 Chicken Mc Nuggets

Eine Pommes

Eine Coke

Ein Eis

 

Aber dazu nachher mehr …

 

Auf der Autobahn wird der weltbeste Personalentwickler ernst und fragt mich, ob er mir je von seiner fetten Tante erzählt hat. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder ernst bleiben soll, da er das rhetorisch rüberbringt, wie …

 

(exemplarisches Beispiel)

 

Vielverwinkelte, zweitbeste Weltbeste usw. ich muss dir was enorm Wichtiges sagen. Auch wenn alle Wissenschaft dieser Welt dagegen spricht, ich muss dir gestehen, ich habe vier Arme und sechs Beine. Du kannst die alle (😜) nur nicht sehen, weil ich alle in meinem gut sitzenden Hemd untergebracht habe. 

 

(exemplarisches Beispiel vorbei)

 

Da müsste ich ja nen verstohlenen Blick werfen und anerkennend durch die Zähne pfeifen, wie er es schafft, die alle so unterzubringen und so ein top sitzendes Hemd anzuhaben.  

 

Okay scheiße, ich muss doch lachen. Ich kann nicht anders. Egal wie wichtig es ihm ist, dass die Tante mit wahrscheinlich 12 Armen und 34 Beinen ebenfalls alles tippitoppi in einer gut sitzenden Bluse unter bekommt, aber deswegen eben aussieht wie eine 238 kg schwere Frau, ist mir in dem Augenblick egal. 

 

Ich lache. Was nicht besser wird, weil er mir ein Foto vom Buttergolem an einem riesigen Kuchentisch zeigt, der meinem Autorenhirn fantastisch entspricht. So hab ich mir das alles vorgestellt. 

 

Ich atme auf, weil er mir mein Lachen nicht übel nimmt, aber irgendwer muss ihm sagen, dass er die fette Tante rhetorisch in einer Art bringt, dass man oder vielleicht nur ich das Ding umgehend extraterrestrisch überbewerte.

 

Aber da ich Pragmatin bin und angeblich ein Sausackzahn-Gen habe, lache ich eben einfach.

 

Coming soon: Vor Ort, Toilettenverweigerung, Rückreise-Raststätten Trauma und haben die um die Uhrzeit eigentlich noch Eis? Ach ja, und das Sausackzahn-Gen. 

Dienstleistung is Motherfucker advanced

Bitte Teil eins weiter unten lesen, dann sind Sie gut in der Thematik drin. Worum geht es? Darum, dass Dienstleistung leider, leider verstorben ist.

Das habe ich plausibel erklärt im Teil eins.

Herzliches Beileid jedenfalls und dann hab ich hier 1A die Fortsetzung der verstorbenen Dienstleistung rhetorisch anhand einer selbst erlebten Begebenheit aufgearbeitet.

Also, was ist passiert?

Überraschend, ich war griechisch essen. Und nein, nicht im Laden der null-Bock Bedienung, die Brokkoli nicht von Schweinefilet unterscheiden kann.

Von Beginn an:

Ich mache mit einem Unternehmen aus der freien Wirtschaft einen zweitägigen Workshop zu meinen Themen (Klingt spannend, was?) und workshoppe mit zehn Ausbildern herum. Und wie das so ist, hat das Unternehmen zum Mittag den Griechen um die Ecke gebucht und was tun wir?

Zum Griechen um die Ecke gehen. Pünktlich 12 Uhr versteht sich.

Getränkebestellung:

6 Coke zero
2 Coke
2 Wasser
Und einer wurde vergessen.

Sieben Minuten später kommt der junge Kellner und ruft am Tisch oben lediglich „zero“ in den Saal. Der erste meldet sich und ab dann ruft der Kellner …

Noch?

Noch?

Noch?

Noch?

Dann reicht er irgendwem die Coke zero in die Hand und weist an, die zum Adressaten durchzuschieben. Ist ja auch wirklich nicht sein Problem.

Vorbei die Zeit, wo jeder sein Getränk vor sich abgestellt bekommt. Bye bye schöne alte Welt. Ich vermisse dich und ich bin keine verbitterte 87-jährige.

Dann gibt es ein Menü. Alle dasselbe Essen.

Salat:

Noch?

Noch?

Noch?

Furztrockenes Schnitzel, Labberpommes und Maggi Fix braune Bratensoße für alle …(besonders griechisch)

Noch?

Noch?

Noch?

Und so sind wir alle beschäftigt seine Arbeit zu machen und ich grinse vor mich hin und betrauere den Verlust der Dienstleistung.

Dessert und Sie wissen, was ablief.

Derweil isst der Thorsten noch und mittendrin schnappt sich Noch den Teller und will abräumen.

Gäste, bäh. Was‘n Pack.

Hu! Doch im Dienstleistungsmodus? Er will echt abräumen?

Thorsten brummt Noch an, er würde noch essen! Noch schaut angepisst, geht vom Tisch, um drei Minuten später monströs ironisch an Thorsten zu richten, ob er JETZT fertig ist?

Thorsten wächst ne Feder aus dem Nacken, interessiert Noch aber null.

Dann räumt Noch ab und belustigt sage ich bei jedem Teller:

Noch!

Noch!

Noch!

Alle grinsen, weil sie meinen Witz verstehen, außer …?

Richtig, Noch!

Der fand mich gar nicht witzig und schenkte mir einen fiesen Blick.

Schade eigentlich, oder auch nicht.

Dienstleistung is Motherfucker.

RIP

Pappnasenfest oder Ballermann für Senioren

Elf Jahre hatte ich es geschafft und mich eisern dem Pappnasenfest, Fasching, Fastnacht, Helau, Alaaf und was auch immer verweigert, aber dieses Jahr haben meine Kollegen es geschafft und mich buchstäblich drangekriegt und somit konnte ich einfach nicht mehr nein sagen und musste diese Woche auf eine Seniorenveranstaltung, ähm Fastnachtssitzung mitgehen. Läuft sowas eigentlich unter Mobbing? 

 

Die Vorbereitung:

Der Welpe im Büro schlägt ein grandioses Kostüm für uns beide vor. Uli und Uschi von 1984. Nein, nicht George Orwell, sondern wir beide als Assipaar aus den 80-ern. So richtig groß im ekelhaften Plastetüten-Jogging-Anzug, Fokuhila Perücke, Stirnband und Slang aus´m Ruhrpott. Jetzt beim Schreiben denke ich darüber nach, ob das nicht auch im gewissen Sinn eine kulturelle Aneignung war und weiß, dass ich das mit Marc-Uwe im Büro reflektieren muss. Sozialistisch wie immer, er kennt das. Grüße, das Känguru.

In jedem Fall bestelle ich mir auf Amazon den wirklich hässlichsten Jogging-Assi-Anzug der Welt in Orange-Neongrün und dazu eine unbeschreiblich furchtbare Perücke.

👆

Alles kommt an, ich lache Tränen und frage mich ernsthaft, welcher Teufel mich geritten hat, da mitgehen zu wollen müssen. Ich komme aus einem Bundesland, wo niemand das Pappnasenfest feiert oder feiern will und auch niemals feiern wird. Meine Biografie ist somit jungfräulich und sollte das eigentlich auch bleiben.

So ab drei Wochen vorher wollten die Kollegen natürlich wissen, mit welchem Kostüm wir beide nun auflaufen würden, aber für mal eben verquatschen oder rausposaunen sind wir leider zu schlau und damit blieb es ein Geheimnis. Hätte ich gewusst, dass die Büro Bande weder mich noch Marc-Uwe sofort erkennen würde, wäre ich sofort wieder gegangen und hätte steif und fest behauptet, nicht nur dagewesen zu sein, sondern mit allen gegessen, getrunken und kräftig gefeiert zu haben.

 

Leider bin ich für sowas viel zu ehrlich. Verdammt. 

 

Am Abend:

Ich habe 10 Stunden Fortbildung, weil ich mich fortbilden wollte und saß gefühlte 15 Stunden vorm PC und mache ne Online-Schulung, um dann in der letzten Pause gegen 16 Uhr diesen Augenkrebs verursachenden Jogging Anzug anzuziehen. Dazu schnappe ich mir ein Baumwoll-Unterhemd und mache es mit Make-up schmutzig. Wenn schon Assi, dann richtig. Da bin ich konsequent. Somit sitze ich nun mit pattigen Hemd vorm Rechner, aber das ist mir egal. 18 Uhr, Voodoo-Weiterbildung ist vorbei und ich sprinte ins Bad. Marc-Uwe schreibt schon, weil er wissen will, ob Uschi pünktlich da sein wird.

 

Logo. Werde ich. 

 

Im Bad trage ich 327 Schichten Make-up Puder auf und bin beeindruckt, wie dunkel mein Gesicht davon wird. So dunkel, dass das Rouge keine Chance mehr hat. Egal wie oft ich versuche es aufzutragen, es entsteht einfach kein Rot auf der Haut. Okay, härtere Geschütze, denn ich hab das Zeug noch in der Creme-Version und klatsche mir einen breiten Streifen davon an die Wangenknochen. 

 

Fetzt. Sieht scheiße aus. Genauso will ich es haben. 

 

Und großes Finale … Nein, kein Orgasmus, sondern übertrieben schreckliche Augenbrauen und dazu einen fett-rosa-Streifen Augen Make-Up, welcher sich gegen die anderen Schichten erstaunlich gut durchsetzt.

 

Kurzer Check im Spiegel. Ich hoffe, ich werde auf dem Weg dorthin nicht verhaftet und jogge im Jogging Anzug (kicher, kicher) zu meinem Handy und will noch kurz was gucken, während sich mein Handy verweigert, denn es erkennt mich nicht mehr. Die Gesichtserkennung will nicht. Okay. Versteh ich sogar. 

 

Vor Ort.

Endlose Tischreihen hintereinanderweg und eine krasse Lautstärke allein vom Quatschen der Leute. Es gibt ja diese Saufen-oder-Gehen-Momente und dies war so einer.

Als ich am Tisch ankomme, erkennt mich lediglich Marc-Uwe, schließlich sieht er mir voll ähnlich, nur in lila-blau anstatt orange-grün. Ich mag überhaupt keinen Wein, nun ratet mal, was ich umgehend getrunken habe? Richtig, ne Menge Wein, bevor ich feststelle, dass ich eigentlich Biertrinkerin bin. 

 

Bier bestellt, aber das hat auch nicht geschmeckt. Mir gegenüber sitzt Marc-Uwe aka Uli, der mich anspricht, als hätte er einen IQ von 40 und einen EQ von -40. Links daneben ein wundervolles Reh und daneben zwei Mechaniker der US Air Force. Rechts vom Welpen die nächsten Mechaniker der US-Flotte. Dazu die Offenbarung am Blaumann, eine #badassmom zu sein. Ja eins geht nur, entweder für den Präsidenten den Flieger reparieren oder Mom sein. Somit eine gute Entscheidung für die Air Force One. 

 

Links neben mir sitzt der Förster mit derselben verweigernden Haltung wie ich. Er konnte sich wohl bisher 16 Jahre erfolgreich drücken und ich freue mich, dass ich nicht als Einzige gemobbt gefoltert werde. Wir stoßen an, schließlich müssen doch die Vernünftigen unter den Verrückten zusammenhalten. Als das Programm startet, frage ich ihn, ob WIR eine Exitstrategie haben. Er lacht, aber nicht überzeugend. 

 

Ähnlich wie bei einem Verkehrsunfall schaue ich mir das an und die böse Mom erklärt mir lachend, dass das Niveau nicht weiter steigen würde. Ich schaue verstohlen auf die Uhr, während Uli das bemerkt und mich zum Trinken animiert. Er versteht mein Leid, ich bin mir sicher. Und als der erste Redner im Alter von gefühlten 104 diese unfassbar schreckliche Büttenreden hält, frage ich den Förster, ob er nicht auch findet, dass das hier sich wie Ballermann für Senioren anfühlt. Nur schlechter. Er lacht wieder und ich weiß, er kommt aus der Nummer nicht raus. Schließlich gehört das schunkelnde Reh ihm gegenüber zu ihm. Das Reh hat Spaß, Uschi und der Förster nicht.

 

Dann kommt die Artistik in Form des 1000 und 1 Nacht Märchens Aladin ins Spiel. Da wird getanzt, aus dem Off gesungen, Sherazades hin- und hergeworfen und weiter getanzt und nicht gesungen, aber so getan. Ja, okay. Ist nett, denke ich, da fliegen die schon sechs Minuten nach Beginn der Show ihrem Happy End (nein, immer noch kein Orgasmus) entgegen und fliegen auf dem Teppich über die Bühne.

Keine Minute später tanzen alle aus 1001 Nacht zu Helene Fischer mit Tekkknno Mukke und ich versteh das Konzept einfach nicht. Was ist es denn nun? Ein Märchen? Rentnerveranstaltung? Tekknoo Party? Wo ist der rote Faden? Verdammt nochmal, warum holt einen diese Veranstaltung nicht ab?

 

Danach wieder einer, der noch langweiliger ist als der 104-jährige und ich schaue abermals zur Uhr, die mich verarscht, denn die Zeit vergeht einfach nicht. Leider kann man sich auch null unterhalten, weil es so ohrenbetäubend laut ist, dass ich nicht mal den Assi-Uli mir gegenüber sauber verstehen kann. Aber er bestellt mir ein weiteres Anti.Leid.Bier. Das rechne ich ihm hoch an. 

 

Ich bin angetrunken und frage mich, ob es legitim wäre, jetzt folgendes zu tun:

 

–              Einen Schwächeanfall zu bekommen.

–              Einfach nach Hause zu gehen.

Da mir das Diva-Gen fehlt und ich unfassbar pragmatisch bin, entscheide ich mich für einfach nach Hause gehen.

Ich verlasse also diese gruselige Veranstaltung und nehme in Kauf, nun ernsthaft von meinen Kollegen gemobbt zu werden. Und ja, auch wenn ich es wirklich nicht verstehen kann, gönne ich den gebürtigen Helau-Alaaf Leuten ihren Spaß. Und mir meine Ruhe.

Den Förster frage ich nicht, ob er mitflüchten will, schließlich ist sich in solchen Situationen jeder selbst der Nächste und ich weiß sehr sicher, das war das erste und letzte Mal für mich.

Sohlen, Verluste und jede Menge Schnee

Los geht’s …

Da beschließen wir im September zu siebt auf den Brocken in Sax‘n-Anhalt zu latschen und zack haben wir Januar und fahren gestern endlose Kilometer, um gegen 23 Uhr in dem verschneiten, ohne freie Parkplätze und furchtbar kalten Schierke anzukommen.

Winter.

Geil.

Kalt.

8 km hoch zum Brocken.

Aufgrund meiner vielen Lebenserfahrung habe ich ne Wärmflasche dabei und nehme die mit ins Bett. Natürlich gefüllt. Ich habe Glück, denn ich wache ohne Verbrennungen wieder auf, was nicht zwingend die Norm ist. Ich schaffe es nämlich auch, mich an dem Ding zu verbrennen. Komisch, aufwachen tue ich im Prozess des Verbrennens nicht.

Ob mit mir was nicht stimmt?

Superkräfte?

Schlafschmerzbefreit?

Na egal.

Samstag, ja heute. Los geht’s, Treffpunkt Parkplatz Schierke, altes DDR Hotel, wobei die hier fast alle so aussehen wie damals. Gut, dass wir uns nicht verpasst haben.

Wir sieben latschen los. Es geht gleich gut bergan, von oben kommen uns militante Schlittenfahrer entgegen und kurz überlegen wir, da reinzugrätschen, sind aber momentan zu aufstiegsmotiviert. Wobei das für Meier und mich ne gute Idee wäre mit dem Angriff auf die Schlittenleute.

Zurück zu aufstiegsmotiviert: Nicht Karriere, hochlaufen natürlich.

Fichten voller Schnee, der Pfad voller Schnee und es war großartig.

👆

Aber wie alles großartige, gibt es ne Kehrseite, denn Steigerungen laufen ist natürlich anstrengend, dazu kommt, durch Schnee laufen ist wie durch Sand laufen.

Anstrengend Advanced.

Aber der erste der Gruppe, der Wessi vermeldet humorvolle Verluste, mit denen niemand gerechnet hat, denn die rechte Sohle seines Wanderschuhs atomarisiert sich selbständig.
Alle schauen ungläubig auf den Schlappen im Modus der Selbstzerstörung und durchdenken die Ursachen:

Wessis Schlappen🫤
  1. Der Schuh ist vom Aldi-Alda und kostete 29.90€. Alles im Rahmen des Möglichen, schließlich ist das der Schlappen des einzigen Wessis in der Runde und die Kapitalisten sind ja bekanntlich geizig. (Keine Sorge, ist Spaß, der Wessi wird geliebt und gehört fest dazu) und kooft nicht beim Aldi-Alda.
  2. Montags-Schlappen.
  3. Die Schuhe sind Äonen von Jahre alt und wenn die Macht nicht mehr mit ihnen ist, zerfallen sie zu Staub.

Wessi klärt auf, dass drittens der Grund sein muss, da er sie das letzte Mal vor 20 Jahren anhatte.

Jetzt muss er sich definitiv Neue holen.

Also im ersten Kilometer verliert der Erste der Truppe seine Sohlen, denn auch die Linke zerfällt zu Staub. Aber er kommt trotzdem mit trockenen Füßen oben an. Der Gott der sich atomarisierenden Sohlen hatte ein Einsehen.

Nach 1.2 Kilometer machen wir die erste Pause und feiern uns dafür hart. Mayer sieht mit seiner Mütze mit dem großen M für Meier stark aus und nascht Wunderbar Riegel und Mettenden, Butterstullen und Klöpse. Krasse Kombi.

Es gibt Kurze, Prosecco, Würstchen, Butterstullen, Glühwein und Obst. Niemand hat Hunger, aber alle essen sich den Bauch dick. Osten eben.

Dann schleppen wir uns weiter hoch. Alle ziehen den Hut vor der Schneekönigin, die sich mit knapp 81 mit uns hochkämpft. Dazu halte ich sie konditionell für besser als mich selbst. Später isst sie Waffeln, Suppen und Würzfleisch. Sie ist der Hammer.

Noch 5 km bergauf. SchlappenWessi kann laufen und wir finden eine Abkürzung, nachdem die nächste Runde Kurze rumgegangen ist.

Alle happy. Es kommt die Frage nach der nächsten Essenspause auf, aber wir laufen weiter und finden den Brocken-Benno-Weg. Ne Abkürzung stand dran. Zack hoch, wir laufen jetzt seit zwei Stunden.

Da jede Abkürzung nen Wermutstropfen hat, ist es bei der Abkürzung die Steigerung von gefühlten 27.34 Prozent. Niemand denkt ans Essen oder Trinken. Alle konzentrieren sich aufs Hochkommen und es fühlt sich so an, als würden wir auf der anderen Seite des Bergs bereits wieder runterlaufen, als wir wieder auf dem Hauptweg kommen.

Immer noch 2.5 km und ich frage mich, was für eine Abkürzung das Schild vorhin meinte. Alles ist jetzt vereist, eine surreale Landschaft. Wunderschön und doch lebensfeindlich, denken wir und legen fest, dass wir als Erstes oben ne Erbsensuppe mit Wurst brauchen. Obwohl keiner Hunger hat.

Noch 1 Kilometer … Es war unfassbar kalt.

Wir sind uns einig mit der Suppe, aber wenn wir gewusst hätten, unter welchen Umständen wir diese Suppe später essen werden, hätten wir vielleicht doch am Konzept feilen sollen.

Dann Schockmoment beim Sax‘n. Der Autoschlüssel ist weg, da die Skihose in der Tasche ein Loch hat. Prima, denken wir. Zurückgehen und suchen fällt aufgrund der Schneehöhe aus. Er hat Glück! Schlüssel ist in den toten Winkel seiner Skihose versackt und schwimmt im Hosenzwischenraum unten am Fuß.

Da nicht wirklich klar ist, ob auch der Fußbereich nen Loch hat, fummle ich ihm den Autoschlüssel zurück zum Loch in der Hosentasche. Alle lachen, sieht wahrscheinlich nach Fummeln mit Happy End aus. Egal, Schlüssel gerettet.

Dann kommt unfassbar eiskalter Wind und klatscht uns ins Gesicht. Wir sind fast oben. Es sollen minus 5 Grad sein, aber die fühlen sich im Gesicht wie minus 1266 Grad an. Krass, wie kalt kalt sein kann.

Dann Klamotten ins Hotel und runter zur Erbsensuppe. Diese kostet nicht nur romantische 09,40€, nein, dazu ist die Bude wahrscheinlich am zügigsten Ort auf dem Brocken. Egal. Gekooft und ab Löffel Nummer fünf hat sie knapp null Grad.

Lecker!

Also auf zum höchsten 1142 Meter Punkt und hier winded es derart eisig, dass ich nicht weiß, wie lange ich und die sechs anderen das aushalten.

Überlebt. Wenn auch knapp. Jedes Foto war potentiell ne Fingerabsterb-Situation.

Ab ins siebte Stockwerk, ins Café. Waffeln, Irish Coffee und heiße Kirschen. Der Saxe nen Bier.

Später dann Abendessen. Bei so viel abgelatschten Kalorien, müssen wir ja wieder nachtanken, also Abendessen und aus Meier wird Jemüse-Fred, denn eigentlich hat niemand wirklich Hunger und Jemüse-Fred entscheidet sich für 2 kg Wurzeljemüse. Petra hingegen nascht heute heimlich, was Jemüse-Fred strafend anerkennt.

Und jetzt? Jetzt schauen wir Handball.

Deutschland – Sissi.

Es sieht so aus als würden wir verlieren.

Kacke.

Unentschieden und alle meckern, weil wir nicht gewonnen haben.

😂

Die entschiedene Unentschiedenheit oder Management fatale

Ja ich weiß, klingt völlig nach krassem Scheiß.

Ding, ding, ding … is auch krasser Scheiß. Ich kann nicht anders, ich muss den Managementkosmos aufklären, ihnen mitteilen, wie verarscht sich das kleine Licht fühlen kann, wenn das metaphorische Feuerzeug einfach nicht mitzieht. Aber alles der Reihe nach. Den Nichtentscheider vorm Herrn lernte ich im Jahr 2019 kennen und habe einige Jahre damit verbracht das als Führungskonzept zu verstehen, dann zu verstoffwechseln und anschließend zu akzeptieren.

Ging nicht! Verstehen – nein, Verstoffwechseln – nein, akzeptieren – niemals!

Nun könnte man mir in gewisser Weise eine latente, meinetwegen auch eine ausgeprägte Grenzdebilität vorwerfen, was sicherlich morgens 5 Uhr auch seine Berechtigung findet, da sich mein Hirn grundlegend weigert vor 8 Uhr zu funzen. Aber das ist es nicht. Also mein ehemaliger Chef begann seinen Job und hatte eingangs nichts anderes zu tun, als mich zu belauschen. Da der Belauschte vom Lauschen ja meistens nichts mitbekommt, lief ich natürlich in die Unentschiedenheitsfalle des Meisters der Nichtentscheidung.

Passt uff …

Taktik 1 – Infiltration: Man sitzt mit dem Meister zusammen und er erfragt die Inhalte des Lauschangriffs und da ich nicht wusste, dass ihm meine Genialität in Gänze längst bekannt war, begann ich schüchtern meine Ideen preiszugeben. Schließlich gab es zwischen ihm und mir eine gewisse, nicht zu verleugnende Asymmetrie. Er Chef, ich zwar genial aber nicht Chef. Also zurück zu nicht getroffenen Entscheidungen, denn bei jeder Frage, die ich zum zukünftigen Projekt hatte, spielte ER mir den Ball zurück. War ein komisches Gefühl, so´n patziges was solln der Scheiß geisterte durch meinen Kopf, aber vielleicht, dachte ich mir, muss ich mich erst daran gewöhnen.

Freudsche Analyse: Ich bin zu vertrauensselig und zu gutgläubig!

Taktik 2 – Frechheit siegt: Okay, nach so sechs Monaten wusste ich aufgrund meines überdurchschnittlichen IQs🤪, dass ich keine Fragen, sondern Antworten zu liefern hatte. Also jede Frage wurde von meinem Chef mit einem »Na überlegen sie mal, welche Möglichkeiten es geben könnte« beantwortet. Ich fand das teils nervig, teils motivierend, denn noch war mir nicht klar, dass es um die totale Verweigerung ging. Jetzt allerdings kam hinzu, dass er Texte, die er selbst schreiben sollte über mich abwälzte. Nein, ich bin keine Sekretärin, habt ihr nen Knall oder was? Ich bin … fragen wir besser gleich die Freudsche Analyse, was ich bin. Also, Meister beschreibt was er schreiben muss und fragt mich, was ich schreiben würde. Alter, wofür bekommst du nur deine Kohle, dachte ich.

Freudsche Analyse: Ich bin zu hilfsbereit und ne coole Schriftstellerin und nicht selbstverliebt, auch wenn es gerade so wirkt.

Taktik 3 – Koprolalie; Unter dem Begriff der absoluten Scheißelaberei kommt jetzt mein persönliches Beispiel der Beispiele, um den Nichtentscheider zu diffamieren, um den grenzenlosen Shitstorm auszulösen und ihn für alle Ewigkeit nach Sibirien oder am Arsch der Welt unter zu bekommen. Mir fällt gerade ein, dass ich nicht einen Social Media Account besitze, somit scheidet der Shitstorm schon mal aus.

Egal, Frau kann nicht alles haben.

Also, ich bekomme den Auftrag kleine Geschenke online zu bestellen. So Schreibblöcke mit schicken Kugelschreiber Set. Da dachte ich mir, gut. Ich lasse alles mit dem Slogan „Wir sagen Danke“ prägen. Dazu das Firmenlogo. Schick. Ein schönes Dankeschön.

Dafür habe ich locker zwei Stunden Arbeitszeit vergeudet, denn das alles online zu kalibrieren und zu bearbeiten ist ja mal ne Arbeit für ganz Doofe. Irgendwann bin ich mit allem fertig, zeige es dem Verweigerer und der sagt was?

Sehr gut gemacht! – Nein.

Hammer Top, gibt ne Gehaltserhöhung – Nein.

Sie sind die Beste – Nein.

Er sagte: »Finden sie wir sagen Danke gut?« Ähm ja. Ich sollte Danke Geschenke kaufen im Wert von 500€ und nun ist das falsch? Was sollte da denn bitte drauf?

Fick dich? Aus Hackepeter wird Kacke später?

Durchatmen, dachte ich mir. Dann offenbarte sich mir das gesamte Dilemma des Nichtentscheiders, denn er sagte: »Zeigen sie doch ihre Entwürfe bitte mal allen Bereichsleitern, was die meinen. Lieben Dank oder vielen Dank,«.

Okkkayyyyyyy.

Punkt eins, alle Bereichsleiter waren nicht da und so ein virtueller Warenkorb leert sich nach so 60 Minuten oder sogar weniger, und warum um alles in der Welt muss jeder zustimmen? Es sind doch nur Kugelschreiber und ein Block. Nicht Atombombe und Zünder. Was tat also eine Frau wie ich?

Freudsche Analyse: Das einzig Richtige, denn ich löschte selbständig den Warenkorb und sprach mit niemandem. So ein Jahr später ging alles von vorn los, jedoch sprach ich wieder mit niemandem, nicht mal mit dem Nichtentscheider und bestellte einfach alles.

Was passierte? Nichts!

Ich wurde frenetisch für den Mist gefeiert und es schien scheißegal, dass nur ich entschieden habe.

Der Chef hatte nicht entschieden, nur das zählte.

Finaler Schlag in der Taktik – mein Intellekt: So nach den Jahren bemerkte ich natürlich, wo seine Schwächen waren. Ich kannte sie, alle. Und er wusste das. Er reflektierte sich über mich, erzählte mir, was ich hören wollte und entschied weiterhin gar nichts. Für jeden beschissenen Inhalt mussten Minimum vier Leute gefragt werden, und dann fiel mir auf, dass er eigentlich immer alles ganz anders sah. Grundlegend muss man sich fragen, ob er vielleicht gestört war. So ne Erkrankung aus gespieltem Gutmenschentum und Entscheidungsverweigerungen ad chronic. Selbst soziologische Theorien aus meinem Studium waren haltlos. Muss man sich mal vorstellen, sagt einer, der sich nicht entscheiden kann, ob er essen oder trinken muss. Wie kann denn so jemand bitte ein CEO sein? Warum nur sind die an der Macht?

Das Schlimme ist ja, dass Erkenntnis verpflichtet. Wie soll man unter jemandem arbeiten, der nicht führen kann, obwohl er der Führer ist. Krasses Wortspiel, was?! Aber ernsthaft, der CEO muss entscheiden, er muss an den richtigen Stellen der Drecksack sein, nur so funktioniert so ein Haufen undisziplinierter Arbeiter und ich bin in meinem Führungsstil durchaus überwiegend demokratisch. Immer gewesen, aber entscheiden muss eben manchmal der Chef, selbst wenn die Schriftstellerin genialer ist.🎉

Was ist die Moral von der Geschicht?

Vertraut nie dem Wicht. Hää?

Furz niemandem ins Gesicht. Hää?

Halt immer dein Gewicht. Schnauze!

Überarbeite den Bericht. Hää?

Ich könnte ja ernsthaft Stunden damit verbringen weiter rumzuspinnen, aber es geht um elementare Dinge wie Erik und Meral, ähm ich meinte Ethik und Moral.

Also, was verfluchte Scheiße ist die Moral von der Geschicht?

(furz niemandem ins Gesicht war schon cool)

Also, durchatmen, denn Wahrheit tut nun mal weh:

Hol den Vorschlaghammer!

Um weiter zu kommen musste man teilweise alle Kacheln anklicken und alle Dropdown Menüs öffnen. Das hat genervt – Oder die Geschichte eines Supportarbeitenden.

Dies wird eine Trostgeschichte. Sie soll allen Menschen da draußen Trost und Zuversicht und auch Humor spenden. Für Menschen, die in Berufen arbeiten, in welchen sie der Gesellschaft Support leisten müssen. Und aus dieser schlimmen Geschichte nicht mehr rauskommen.

 

Auf Deutsch: Gewidmet allen, die in ihrem Job anderen, ihnen fremden Menschen mit Dingen unterstützen und helfen müssen, die 92,8 Prozent selbst könnten, wenn sie nicht zu faul wären. Oder lesen würden. Nachdenken. Hinhören. Zusehen. Abwarten. Würden … 

 

Also mein Kollege Marc Uwe (Name von der Redaktion geändert, gezeichnet das Känguru 🤪) macht irgendwas mit Medien und mit Pädagogik. #Anonymisierungkannich! So brachte es die Zeit mit sich, dass er wirklich arbeiten musste und Fortbildungen, welche bisher analog, in Präsenz oder mit Mitteln aus der Steinzeit angeboten wurden, von ihm in neu und schick transformiert werden mussten. Man könnte meinen, eine tolle, interessante Aufgabe, oder? Ja! Definitiv ja. Bis zum Livegang. Dann wird’s kriminell aufgrund der Endnutzer an deren Endgeräten.

 

Ende. 

 

 

 

Nee. Spaß. 

 

Als erfahrene Bürotussi war mir klar, dass das immens viel Arbeit werden würde und dass unsere anfangs netten Gespräche bald versiegt sein würden. Dafür war der gewitzten Autorin aber auch klar, dass er aufgrund der ganzen Support-Dummarbeit einfach nur großartig genervt sein würde, was dann auch so kam. Ein Blick in die Gesellschaft – kausal sozusagen.

 

Hier eine kleine Auswahl an weltverändernden Schwierigkeiten beim Einloggen auf eine Lernplattform und dazu seine gedachten und meine ausgeschriebenen Konter: 

 

Ich habe keine E-Mail bekommen – Doch, hast Du. Alter, wie wäre es mit Lesen?

Können sie mir erklären, was Google ist? – Keine Ahnung, noch nie gehört. Ehrlich.

Also ich habe ja keine Ahnung von diesen ganzen E-Learnings – Ich auch nicht, Mann.

Es wäre sinnvoll, nicht alles noch zeitaufwendiger und komplizierter zu machen als ohne hin schon – Dann geh doch zu Netto! Ernsthaft, für einen Ganztagesworkshop sitzt der Kasper jetzt nur noch zwei Stunden vorm PC und mault immer noch rum. Es wäre auch ziemlich sinnvoll, wenn sie sich jetzt löschen würden. 3 …2 …1

Ich kann nichts sehen – Mach die Augen auf, dann wird’s hell. Alternativ: Licht an? PC an? Brille putzen?

Pflichtveranstaltungen von Vorgesetzten genehmigen lassen – geht’s noch? Ha, ha, ha … der Favorit schlechthin, weil er einfach nur die Mail hätte lesen müssen. Geht´z denn bei dir noch, hm?

Leider habe ich ein Problem mit dem E-Learning. Ich muss da meinen Benutzernamen eingeben, aber ich habe gar keinen – Lösch dich, bitte. Sofort. Deine Kündigung mit einer Gehaltsrückforderung ab 1972 folgt postalisch.

Ich habe bisher keine Zugangsdaten erhalten. Diese Nachricht kam von einem Funktionspostfach. Keine Ahnung, wer da draußen im Universum Zugangsdaten für was braucht. Leckt mich.

Ich habe bisher keine Zugangsdaten erhalten – Kurz geguckt, ob es der Freak von eben ist, nein. Ein neuer Freak. Große Freude. Dieser hier behauptet, er hätte keine Zugangsdaten hat sich aber, Ü-b-e-r-r-a-s-c-h-u-n-g  schon gefühlte 322-mal versucht anzumelden. 

Um weiter zu kommen musste man teilweise alle Kacheln anklicken und alle Dropdown Menüs öffnen. Das hat genervt – War so gut, dass es der Titel der Story wurde. Bravo. Applaus. *Rakete zünd!

 

Da ich Luftlinie lediglich 60 cm neben ihm sitze und Marc Uwe nach einem gemeinsamen Jahr im Büro, diversen Alkohol- und Rum-Tastings in der Freizeit und verschiedenen Essengehen mittlerweile doch recht gut kenne, genieße ich seine rhetorischen Fuck-off Gesten am Telefon. Oder auch diesen einen Blick, wenn ihn die Endgegner mit IQ einer Taschenlampe völlig alle machen oder er Mails so spitzfindig schreibt, so krass an der Grenze zu allem machbaren, aber für den Laien dennoch kaum sondierbar, dass der Empfänger eigentlich gerade gefragt wird, ob er dumm ist. Ich weiß, dass er darunter leidet, weil sie ihn nerven und Energie klauen ohne Ende, aber wenn man jemanden gut kennt und aus allem das rausliest und hört, was da gerade wirklich im Kopf vorgeht, komme ich nicht drumherum zuzugeben, dass ich darüber echt oft lachen muss oder auch beeindruckt bin, wie sehr er in der Lage ist, Kacke nicht als Kacke zu bezeichnen. Chapeau, Marc Uwe. Ich bin begeistert. Belustigt. Habe Mitleid. Aber nicht immer, weil dir die Herausforderung auch manchmal gefällt, auch wenn du es nicht zugeben würdest.

 

Das Schlimme daran ist, dass er A: zu teuer für so einen Job ist und B: leider auch zu schlau. Ich grinse an manchen Tagen endlos, es gibt bereits Votings, auf welchem Bild er genervter ausschaut und ich überlege die ganze Zeit, wie ich ihm folgende Anleitung für sein nächstes jour-fixe mit dem Chef unterschiebe, damit er seinen so notwendigen Hilferuf absetzen kann.

Marc Uwe? Denk dran die best of zu sammeln, damit wir daraus irgendwann einen Bestseller für alle Supportgebeutelten machen können. 

 

*lächelt rüber …

Dienstleistung ist Motherfucker

Das es sich da draußen verändert, merkt sicher jeder. Alles andere wäre auch nicht normal. Männer dürfen keine Männer mehr sein. Giftig und so. Aber wenn sie zu weich sind, findet das auch niemand mehr cool, dabei erwarten dennoch alle, dass ein Mann ein Mann ist. Ja was denn nun, da kommt doch keiner mehr mit! Und alle anderen haben ihre Daseinsberechtigung auch nur dann, wenn der Mainstream satt und vollgefressen, vegan oder mit Flipper im Magen, wohlwollend abnickt, während die Mehrheit aufgrund des ewigen Wohlstandes den Welthunger stillen könnte. 

 

Könnte. 

 

Tut der Mainstream aber nicht, denn es geht um mich, dich, mich und dich. Und mich und dich. Das könnte ich endlos fortsetzen, möchte aber festhalten, dass sich unsere Kollektivwerte gerade im Modus der Selbstzerstörung befinden, während die Individualwerte brachial Eintritt fordern.

 

Klopf. Klopf. Ich bin es, der Egoismus. Alle möchten sich selbstverwirklichen. Ich möchte, dass es um mich geht und weißt du was? Wenn es um mich gehen soll, kann es nicht um dich gehen. Niemals um dich.

 

Erkenntnis: Wahrheit ist ebenfalls ein Motherfucker. 

 

In binnen sechs Tagen ereilten mich zwei so krasse Beispiele dazu, dass ich die der lesenden Welt nicht vorenthalten will. Ich meine, vielleicht, (Regie, streich vielleicht), also jede beschissene Wette, dass ihr da draußen das ebenfalls wieder und wieder erlebt. Und …

 

Überraschung. Machtlos seid. Weil gesamtgesellschaftliche Veränderung und so. Unaufhaltbar von dir oder mir.

 

Jut, genug ausgeholt, um euch alle abzuholen. 1A geht los.

 

Ich bin griechisch essen an meinem Wohnort. Als wir gegen 20 Uhr den Laden betreten, ist nicht so viel los, was mich wundert, denn eigentlich gehen Menschen gern essen und so´n Grieche am Freitag vertreibt eben Kummer und Sorgen. Der Ouzo auch. Auf jeden Fall nehmen wir vier Platz und es schlurft eine gefühlt 19-Jährige retardiert an unseren Tisch, um die Karten in Zeitlupe und ohne wirklich hinzuschauen, jedem vage in die Hände legt. 

 

Und, trinken? Wow, denke ich. Sie hat entweder einen krass beschissenen Tag oder hat vom Konzept Dienstleistung noch nie im Leben was gehört. Fast will ich sie fragen, bin aber auch so tief davon beeindruckt, dass ich mir das Schauspiel weiter anschauen will. Schließlich will ich ja mein erfolgloses Autorendasein vorerst nicht beenden. Ist eben mein Ehrenamt.

 

Gut, sie schlurft weg und wieder zurück an unseren Tisch und bringt sehr umständlich die Getränke. Zum um den Tisch latschen, fehlen ihr Motivation und Motivation, sie gibt die Getränke von der einen Seite aus. 

 

Haben sie entschieden was zu essen, rotzt sie gefühlt einschlafend über den Tisch. Wir grinsen alle und geben unsere Essenswünsche bekannt. 

 

Dienstleistung kannse, stellen wir fest und freuen uns bereits auf den weiteren Service von ihr. Dann kommt sie mit den Tellern und drei Essen unterscheiden sich lediglich im Fleisch, dass sie nicht unterscheiden kann. Pute vs. Lamm vs. Schwein. Von außen niemals nicht unterscheidbar, stellt sie das falsche Essen bei allen ab. Es interessiert sie auch null, ob es das richtige Essen ist. Einer fragt, ob es Schwein ist und sie murmelt in die Runde, ob wer Schwein hat. Davon ab, ist sie nicht in der Lage, überhaupt zu wissen, was da welches Essen ist. Verstohlen schaue ich mich um, ob das hier versteckte Kamera ist.

 

Ist noch nicht Silvester, liegt mir wegen des Schweins auf der Zunge und wir regeln die Zugehörigkeit des Essens unter uns. Klappt. Jeder hat sein Essen und wir kommen der Sache näher, warum dieser Grieche so schlecht besucht ist. Auch drei Herren am Nebentisch grinsen jedes Mal, wenn sie was bringt, holt, von der Seite wirft, nicht kennt oder spricht, als wären wir der ungeliebte Sportlehrer in der sechsten Klasse. Nun denn, denke ich. Was soll´s. Ich weiß, dass es sich verändert, ich beschäftige mich beruflich damit, frage mich aber, warum mein Job mich bis zum Griechen verfolgen muss.

 

Die zweite Situation war in der Post. Ich schleppe drei Pakete und einen Brief zur Post, jongliere mit den Paketen, denn ich will nicht mehrfach zur Post müssen. Schließlich gibt es gefühlt nur noch eine Filiale pro 2 Millionen Einwohner in Deutschland. Und der Clou schlechthin liegt darin, dass diese eine Filiale zeitgleich auch noch eine Bank ist. 

 

Genial, um alle fett zu ärgern. Oder? Vielleicht wars auch Zufall. Und der Zufall ist meist nicht so intelligent. Können wir bitte die Dummen verbieten? 

 

Okay, ein älterer Mann hat Mitleid mit meiner Schlepperei und hält mir die Tür auf, damit ich mich in die Schlange von 15 Menschen einordnen kann. Mache ich natürlich und bekomme mit, dass der Postmann meines Vertrauens nicht da ist. An seiner Stelle steht eine Furie von Frau, die der Bankkundin (war klar, wenn ich da mal hinmuss, sind alle mit Paket und Bankanliegen da!), verbal niedertrampelt. Die Kundin murmelt was, dass der Vertrag doch unterschrieben war und das jetzt funktionieren müsste, die Frau ohne Dienstleistungsgedanken schreit sie an, ob das ihr Ernst wäre. Ob sie ihr jetzt drohen würde und dass das gar nicht ginge. Die Kundin versucht zu beschwichtigen, aber konsequent ist die Postbeschäftigte, denn sie stöhnt laut, würdigt die Kundin keines Blickes und rumpelt mit den Stiften, Paketen und Stempeln. Keine Ahnung, wie das hinter dem Tresen da ausschaut, aber sie tritt jedem Gegenstand mit Füßen und fetter Raucherstimme in den Arsch. Sie will so unbedingt, dass alle 14 mitbekommen, dass sie JETZT so richtig angepisst ist.

 

Kundin eins schleicht lautlos und sicher traumatisiert aus der Post. 

 

Der Scheiß hat Madame wirklich richtig sauer gemacht, sie benimmt sich ohne Ende verhaltensoriginell. Motzt lautstark rum, ob jemand was abzuholen hätte, dann sofort die Abholkarte her. Sie winkt die Leute ähnlich provokant wie Neo die ganzen Mr. Smiths in Matrix zu sich. Krass, denke ich und beobachte das alles mit hochgezogenen Augenbrauen. Im Prinzip fehlt jetzt nur noch, dass sie Kautabak kaut und den Matsch alle 45 Sekunden über den Tresen in die wartende Menge spuckt, während klar ist, dass sich niemand bewegen darf.

 

Alle ab Kunde 2-15 werden verbal angeraunzt, im Geiste Neos rangewunken und gefühlt zehn Mal mit Kautabak-Matsch angespuckt. Sie stöhnt sekündlich genervt vor sich hin und zeigt, dass sie Laune hat. Aber machen kannste nix, weil klar ist, dass die jeden mit Haut und Haaren fressen würde. Wer will das schon so kurz vor Weihnachten? 

 

Ich dachte die schlechteste Dienstleistung war die junge Frau beim Griechen. Weit gefehlt. 

 

Ich frage mich, wie das in zehn Jahren sein wird und weiterhin, wer und vor allem wann dazu aufgerufen wurde, gesellschaftlich einen Fehler nach dem anderen zu machen.

7am 7-ten

Trostlos, Frei, Verletzen, Krypta, Prüfung, Trauma, Gold.

 

07. Dezember 2023. Der erste Winter ohne Corona Pandemie. Ohne Panik, Rund-um-die-Uhr-Beschallung, dass alle sterben werden und ohne Test- und Impfzwang. Er frage sich, ob ein Teil der Leute da draußen diesen Zustand wohl trostlos finden, weil sie in diesem über zwei Jahre anhaltenden Fehlaktionismus sich frei fühlten. Groß fühlten. Stark. Weil das Degradieren und Verletzen Andersdenkender sozusagen die Krypta aus Gold war, die es zu finden und besitzen galt. Was haben sie die Vorgabe von oben protegiert und dadurch erst so unfassbar mächtig gemacht, dachte er, während er an seiner Zigarette zog, unterdessen die Glut an der Spitze selbiger heiß rot aufflammte. Ähnlich seinem Zorn, sinnierte er, denn er hatte seinen Job im letzten Winter verloren und war nicht im geringsten dazu bereit, auch nur einen Finger für diese Gesellschaft krumm zu machen. Warum auch? 

 

Für den anderen Teil, er sprach also von den wenigen Querdenkenden, musste es sich wie eine beschissene Prüfung angefühlt haben. Zumindest war es für ihn so. Dem Irrsinn zuschauen, verstehen, was da läuft, abstrahieren können, was das zukünftig bedeutete und dennoch ähnlich einem Trauma, absolut machtlos zu sein.  So fucking wehrlos wie er.

 

Anfangs kamen die Briefe von der öffentlichen Stelle, er möge seinen Impfstatus vorlegen.

 

Hatte er nicht. Würde er nicht. Ende der Geschichte (Beginn des Geschwurbel )

 

Er ignorierte dieses Schreiben nicht, schließlich war er kein Halbgeweihter, der nicht raffte, was das nach sich ziehen könnte. Er schrieb ihnen. Von seinen Bedenken, einer Blutgerinnungsstörung, den gratis Nebenwirkungen, bla, bla, bla. 

 

Nutzte nichts. 

 

Im zweiten Schreiben sollte in binnen elf Tagen der Facharzt ein Gutachten erstellt haben. Wozu? 

Zur argumentierten Blutgerinnungsstörung. Im Juli 2022. Humor hatten sie ja, dachte er damals, schließlich gab es entscheidende Vetos. 

 

Kleine Veto-Auswahl: Sommer, Urlaubszeit und der längst überschrittene Zenit des Gesundheitssystems, denn es gab keinen fucking Facharzttermin mit Gutachten für einen no Name wie ihn ohne Diamantstatus bei der Krankenkasse.

 

Also war das dann der Moment, in welchem er auch nicht mehr weiterwusste und sich kampflos ergab. Die Kippe fiel zu Boden, er trat sie aus.

 

Alles andere ist Geschichte. Verrückt, oder? Nur dass er von 3200€ netto auf Bürgergeld gefallen war. Mit 5 Abschlüssen in der Tasche. Demotiviert und dennoch eine Nuance weiser in seinem Leben. Auch stiller, aber wissend. 

 

Das zählt, fand er.