Winter in Badisch Sibirien – Part II

Logo, ich bin eindeutig im Teil des Hotels, der nur den Mitarbeitern zugänglich sein sollte und bin traurig, weil dieser Teil des Hotels nicht wirklich schön ist. Dazu lieblos und kalt und ich meine wahre Kälte. 

S-I-B-I-R-I-E-N

Da ich noch nicht zu hundert Prozent weiß, ob es nicht doch im Bereich des Möglichen liegt, dass das mein Hoteltrakt ist und ich mich zum Personal kuscheln muss, überlege ich, ob ich um die späte Uhrzeit (20:30 Uhr) noch mit der Deutschen Bahn nach Hause zurückkommen würde. Sind ja nur 150 Kilometer …

Ausgeschlossen! Nein. Niemals.

Ich könnte laufen!

Gut, dann überlege ich, da es ja keine Zimmernummern gibt, dass es eine weitere Treppe geben müsste. 

Latsch, latsch, latsch. Zweite Treppe gefunden. 

Im zweiten Obergeschoss ist tatsächlich mein Zimmer. Ich schließe es auf, nachdem ich gefühlte 18 Stunden unterwegs war und stehe im allerwahrsten Sinne in badisch Sibirien. Ich habe ernsthaft noch nie im Leben ein so eiskaltes Hotelzimmer betreten und ich frage mich, warum wir Deutschen nur extrem können. 

Entweder extrem gut oder extrem schlecht. 

Also gar nicht geheizt! Seit Winter 1994!

Gut, ich drehe die Heizung auf, weil 12 Grad im Schlafzimmer bedeuten, dass ich auch auf dem Hof hätte schlafen können.

Für 90€ die Nacht. 

Ohne Frühstück. 

Die Heizung rotzt, grummelt und macht aberwitzige Geräusche und ist nach 30 Minuten so zehn Prozent heiß, der Rest des Metalls ist und bleibt kalt. Muss ich nun immer einen Entlüftungsschlüssel mitnehmen? Braucht Frau heute so einen Werkzeugkoffer?

Könnte das ne Marktlücke sein?

Kurz wäge ich ab, gleich auf dem Innenhof zu nächtigen, als mir sowas wie eine Klimaanlage direkt über meinem Bett auffällt. Ahh, da kam das Zwischengeräusch her, denke ich und schaue mir das Teil genauer an. Nach sieben Sekunden sehe ich ein, dass ich null Ahnung habe, wie ich das Teil bediene, jage es aber hoch auf 26 Grad, schließlich hat mein 12 qm kleines Zimmer noch immer nur 12,1 Grad. 

Es passiert nichts! Also die Heizung im Wohn/Schlafzimmer geht nicht und die Klimaanlage direkt über meinem Kopfkissen geht auch nicht, denn die Luft bleibt kalt. Ich stelle zurück von 26 auf die voreingestellten 22 Grad und bleibe ratlos in meiner Winterjacke sitzen. 

 

Versteckte „wir sparen Gas“ Kamera?

Davon ab, wer baut bitte eine Klimaanlage so 50 Zentimeter über ein Kopfkissen? Frozen Face im Sommer? Ich könnte mit dem Kopf ans Fußende wechseln, finde aber, dass ich ja dann in den ganzen Füßen meiner Vorschläfer liege und finde den Gedanken nicht akzeptabel.

Ich sitze immer noch ratlos auf dem Bett. In voller Montur.  

Ich fühle mich wie das Michelin Männchen und sehe ein, dass ich so nicht schlafen kann, die knisternde Jacke, die Stiefel im Bett und in Jeans schlafen geht nicht.

Also, zack, Schlafzeug angezogen, Zähneputzen und ins Bett. 

 

 

Kalt.

 

Kalt.

 

Immer noch kalt.

 

Ich brauche eine Lösung, da mich die Kälte nicht einschlafen lässt. 

 

Die Klimaanlage auch nicht.

 

Die fehlende Thüringer Bratwurst vom Weihnachtsmarkt auch nicht.

 

Der nichtvorhandene warme Kakao mit Cointreau auch nicht.

 

Die fehlende Million auch nicht.

 

Während ich unter der synthetischen Decke friere, überlege ich, wie ich dieses Hotel nur bewerten soll?

 

Coming soon. Part III

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

3 Kommentare zu „Winter in Badisch Sibirien – Part II

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