Kindheit – Oder die DDR. Part V

Der Unerreichbar-Joghurt

Die DDR war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an vielen Stellen unlogisch. Als wenn Bananen ein Volk bei Laune gehalten hätten. Pfff, was ein Unsinn. Heute mag ich die gelben Dinger gar nicht mehr. Affenfutter. Die dreimal im Jahr damals haben durchaus gereicht. Schließlich hatten wir kulinarisch noch andere Highlights, wie etwa Erstickungsanfall verursachende, superstrohige Nabelapfelsinen aus Kuba, jede Menge Rotkohl und Weißkohl und eben den Unerreichbar-Joghurt.

Zurück zum Thema. Der Unerreichbar-Joghurt war eine Klasse für sich. Nee, is gelogen. Er war die Sahnehaube der DDR. Stimmt auch absolut nicht. Okay, er war das sauerste Gelumpe, was ein Mensch konsumieren hätte können. Es gab ihn in den Farben Drecksbraun und Drecksbraun mit nem Stich rot drin. Sollte dann Beere sein, welche auch immer. Ich weiß es nicht.

Soweit, aber nicht gut, denn das dreckige Gelumpe war in Glasflaschen abgepackt und wahrscheinlich hat nen Blinder den Flaschenhals und die Öffnung konzipiert. Oder es war ein Unfall, also Flaschenhals und Öffnung. Vielleicht auch das Gesamtprodukt, also ein Unfall. Wahrscheinlich, denke ich heute, wurde irgendwas total Krasses an uns armen, armen (ha ha ha) Ossis getestet. Drecksbrauner Molatsch zum Beispiel. Westdeutscher Schlamm, bestimmt aus dem versifften Ruhrpott oder so. Nur mal so am Rande, vielleicht ist die Frabe ne Erklärung für die heutige politische Einstellung? Vielleicht ist ja der missratene Joghurt an allem schuld?

Back to Basic II.

Nicht nur, dass dieser Joghurt, (falls man den überhaupt so nennen durfte), in einer Flasche mit behinderten, sorry Inklusion -peripher benachteiligter Öffnung- daher kam, er kam buchstäblich auch nicht raus aus der Flasche. Hätte ein Leben davon abgehangen, keine verfluchte Chance. Mir kommt gerade, keine Arme – keine Kekse in den Sinn, aber das war es nicht. Selbst mit Armen, Löffel oder sonst was bewaffnet. Keine beschissene Chance an das Zeug zu kommen.

Ich fasse zusammen. Kein Löffel passte in die Glasflasche. Der große Löffel war zu groß. Der kleine Löffel zu kurz, damit bekam man lediglich eine traurige Diätportion aus dem Ding. So 20 Gramm also mit nem kurzem Löffel vielleicht. Ich höre Euch schreien, nimm doch den Latte Macciato Löffel, die langen kleinen. Nee, nee nee, die gab es inne DDR nicht. So.

Patt.

Kein Löffel passte. Was blieb, schütteln. Pulle inne Hand, Deckel abreißen und über Kopf schütteln als hänge ein Leben davon ab. Welches Leben? Woher soll ich das denn wissen, meine Fresse. Ich habe andere Sorgen! Fitnesscentergleich durfte der eventuelle Konsument also schütteln wie ein Berserker. Wenn dann irgendwas herauskam, dann hatte es eine Konsistenz als wäre Mutti eine gesamte Packung Mondamin Fix Soßenbinder in den Joghurt gefallen. Es flatschte und so vielleicht die Hälfte der schlammfarbenden Masse, die viel zu fest war, rotzte in die DDR-like Plastikschale in orange.

Das sah halt nicht nur ekelhaft aus und hörte sich wie ne unfassbar schwere Erkältung an, die ohne zu fragen aus der Nase schießt und zufällig deine Desertschale trifft. Nein, jetzt wird es richtig schlimm. Ihr ahnt es, es schmeckte so sauer und sowas von beschissen, dass ich in diesen Momenten halt doch gern eine Banane gehabt hätte.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

2 Kommentare zu „Kindheit – Oder die DDR. Part V

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: