Heute möchte ich dem geneigtem Leser meinen Papa vorstellen. Ja, Papa, denn Vater mochte er nie. Also nicht seinen eigenen, sondern das Wort.
Er neigte dann immer dazu, es ganz langgezogen und streng auszusprechen, dabei kasperte er immer und bekam so einen lachenden, roten Kopf.
Vaaaaaaaataaaar. Vaaaaaterrrrrrrr. Vaarrtterrrr. Vatr!
Da hats ihn immer gegrault. Dann schüttelte er sich als würde ihn das Wort bei Nutzung mit einem Fluch belegen. Und so kommt es, dass er bis heute Papa ist, meine Schwester neigt zu Papilino. Der italienischen Variante also, obwohl wir stramm ostdeutsch sind. Ist das nun auch schon kulturelle Aneignung? Oder Nazi? Oder irgendwas, was irgendwem, irgendwann und irgendwarum nicht gefällt?
Ehrlich? Mir egal.
Nun gut, was ich eigentlich erzählen möchte, ist, dass er seine Medien Affinität erst sehr spät, weit 25 Jahre nach der Wende fand. Warum auch immer, schließlich war er der Reparatur Spezi der gesamten DDR. Der gesamten DDR? Nein, natürlich nicht, aber der mittleren Großstadt eben, in der wir eingesperrt waren. Darin schaffte Papa es Radios, TV´s, Küchenquirl und sämtlichen anderen technischen Kram für fremde Menschen und auch Freunde zu reparieren. Gefühlt waren die technischen Patienten damals mit 123 Jahren gestorben, da in der DDR ja fast alles sehr lange gehalten hat, außer Bananen, die sind an der Grenze zur DDR leider zu Staub zerfallen und deshalb nur sehr selten bei uns angekommen.
Nur so ein- bis zweimal im Jahr.
Konsequent wie ich bin, esse ich die heute auch nicht gern. Biografie eben. Ich wünschte mir die furztrockenen, strohigen Kubarumpeln (Orangen, ostdeutsch Apfelsinen) zurück, aber die gibt es anscheinend nicht mehr. Wer weiß, vielleicht zerfallen die ja auch irgendwo zu Staub.
Na, jedenfalls war Papa bis vor wenigen Jahren sowas wie der digital natives, neandertaler, bis ungefähr 2017. Dann entdeckte er das Internet mit all seinen tollen Seiten, wobei ich gar nicht weiß, was er da alles anschaut und will es auch nicht wissen. Ist schließlich der Vatr. *lächelt
Die DDR-Leute sind je definitiv wesentlich skeptischer als der gutgläubigere Westen. Bitte kein Aufschrei, dies ist keine Verallgemeinerung, ihr Naiven, ihr. Aber ich sage immer, wir Ossis sind die besseren Kapitalisten.
Das mit der Skepsis gilt also auch für Papa und so kam es, oder kommt es, oder ist seine Realität, dass er alles, wirklich alles rigoros löscht. WhatsApp, Mails, Sprachnachrichten, Versandbestätigungen. Pushnachrichten. Keine Ahnung, einfach alles.
Zum Leidwesen aller anderen familiär Beteiligten. Ha! Wenn das nicht scheiße neutral war von mir.
Da meine Schwester und ich gute Kinder sind, fahren wir auch regelmäßig mit den Oldies in den Urlaub. Mal Ostsee, mal Spanien, auch schon USA. Und dann sende ich ihm natürlich die Buchungsbestätigungen per Mail zu, damit er folgende, für Papa völlig übertriebene Infos erhält:
– Reisezeit
– Flug
– Ablauf der Reise
– Zimmerkategorie
– Essen und Trinken
– Anzahlung
– Restzahlung
– Flug zum Zug
– Ähhh
– Zug zum Flug, wobei den ja auch niemand mehr nutzt, schließlich wäre man selbst mit nur einem Bein zu Fuß schneller am Flughafen
Alternative Idee: Zu Fuß zum Flug!
Coming soon. Teil II – Papa löscht irgendwann das Internet.
Ich dachte schon, hier passiert nichts mehr.
LikeGefällt 1 Person
Das konnte ich dir nicht antun.🙃
LikeLike
Stimmt. Das wäre voll gemein.
LikeGefällt 1 Person
Eben. Sowas mache ich nicht.
LikeLike
Sehr anständig von Dir. 🙂
LikeGefällt 1 Person
So bin ich.
LikeGefällt 1 Person