Mr. Wackelauge und Mrs. Sexerzwingerin. Part VIII

Das mit der blöden Weinbestellung musste sie irgendwie souverän meistern, wobei er sehr genau wusste, dass sie den verdammten Namen des Weins nicht aussprechen konnte. Orrrrrrrrrrrrr, es war zum Verzweifeln. Für ihn wäre es sicher ein leichtes, schließlich war er der Pinguin, der ebenfalls Gäste bediente. Aber nein, von ihm kam nichts, was er später noch bitter, bitter bereuen würde, sie würde es ihm heimzahlen. Engelchen und Teufelchen reckten beide die Faust in die Luft. Alle drei waren sich also einig. Yes! Rache war ab sofort Teil des Plans. Hatte sie erwähnt, das bitter bereuen bei ihr eine eigene Dimension war?
Sie sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Nickte ihm noch ein letztes Mal dominant zu, er solle doch bitte, bitte was sagen, weil er es sonst bitter, bitter … na ihr wisst schon.

Aber!

Er schmunzelte sich einen wie doof, seine Mimik verriet ihr ganz klar, sie würde hier keine Unterstützung bekommen. Sie verlor sich in Mr. Wackelauges himmelblauen Augen, hielt seinen schon lachenden Blick und nuschelte voller böswilliger und wissentlicher Absicht:
»Eine Flasche Château Vieux Coutelin«, was ungefähr so klang: »eine Flasche Schatooo Fiiiiöx Kautellinn« Sie tat großzügig und alle Weine dieser Welt kennend und setzte sie ein:

»Der 2011-er. Natürlich«, hinterher und brachte ihre Bestellung zu Ende. Selbstgefällig zog sie eine Augenbraue nach oben, während Mr. Wackelauge erneut vor nem fetten Lachkrampf stand.
»Ich wette er hats verstanden«, zischte sie ihm zu.
»Nie im Leben«, raunte er halb hustend, halb sprechend in ihre Richtung.
»Und ob«, presste sie selbstbewusst hervor, während sie vom Kellner hörte:
»Ähm, entschuldigen sie bitte, aber ich habe sie nicht verstanden. Welchen 2011-er wollten sie bestellen«, allein an seiner Tonlage erkannte Nadine, dass Mr. Wackelauge Recht hatte.


»1:0«, flüsterte sie mit bösem Blick in seine Richtung, nahm die Karte, schlug die Seite mit dem Kautelliiiinnnn auf und zeigte mit dem Finger drauf.
»Sehen Sie, den hier. Eine Flasche mit«, sie unterbrach kurz und sah ihre Begleitung an, er schaute sie aus Tränengeschwängerten Augen an. »Rotwein, Darling«, fragte sie ihn und er nickte nur lachend. »Mit zwei Gläsern, bitte.«


Der Kellner nickte und neigte seinen langen Oberkörper erneut etwas zu ihr herunter.
»Und entschuldigen sie bitte, dass ich sie akustisch nicht verstanden habe«, damit drehte er sich auf dem Absatz und verschwand in den größeren Teil des Restaurants. Neben ihr prustete Mr. Wackelauge ungehemmt los.


Sie sah ihn an …


»Du hättest mir helfen müssen«, gluckste sie in seine Richtung. Leider war sie so überhaupt nicht nachtragend, was ne beschissene Eigenschaft. Sie wäre jetzt zu gern ne nachtragende Furie. Aber nein …
»Das war ne Steilvorlage, ich wollte sehen, wie du das meisterst«, brachte er noch immer lachend hervor.
»Gib es zu, meine Idee war genial«, wollte sie von ihm wissen. Engelchen und Teufelchen standen ganz weit am Rand beider Schultern, die drohende Faust in seine Richtung gereckt.


Er nahm ihre Hand, seine Finger hoben erneut ihr Kinn an, so, dass sie ihn anschauen musste. »Es ist mir egal, dass du diesen armen Kellner so verscheißerst, dass er sich noch schlecht fühlt und sich bei dir entschuldigt. Es ist mir auch egal, ob es hier noch Wein, Steak oder Kerzenlicht gibt«, mahnte er fast ernsthaft.
Erwartungsvoll sahen ihn drei Augenpaare an, wobei Engelchen etwas kleiner war, vielleicht hielt sie auch Augenkontakt zu seinen Schlüsselbeinen, überlegte Nadine. Teufelchen und sie standen in jedem Fall in Kontakt, jawohl.
»Du bist zum Niederknien, Weib. Ernsthaft. Ich habe noch keine Frau kennengelernt, die so ist wie du«, brachte er hervor.
Okay, das Erdnussphänomen setzte wieder ein und ihr Hirn schrumpfte. Verwirrt sah sie ihn an …
»Was ist …«, fragte er angespannt.
Keine Reaktion.
»Verstehst du mich und das, was ich gesagt habe«, setzte er besorgt hinterher …


»Akustisch schon«, flüsterten Engelchen, Teufelchen und Nadine uni sono.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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