Beim Osteopathen V

Okay, sein Lachanfall verunsichert mich zutiefst, und es gibt in diesem Augenblick nicht eine logische Fraktion in meinem Kopf, die ein Schwachsinns-Veto einlegt und mir rational erklärt, dass er wegen allem Möglichen lachen könnte, nur nicht, weil er in meinen wirren Kopf hineinschaut. So habe ich also eine Minute Zeit, in welcher er lacht und mein Kopf mit 7422 Gehirnwindungen pro Minute alles durchforstet, was ich lieber für mich behalten würde.

Begebenheiten.

Erlebnisse.

Schönes.

Trauriges.

Emotionales.

Abgegessenes.

Selbstbefriedigung.

Eigens produzierte Sexszenen.

Die geguckten Pornofilme.

Peinliche Sexerlebnisse.

Jedem Leser muss gerade klar werden, dass sich in dieser einen Minute meine panische Denkweise zuspitzte und letztlich kann jetzt nur noch eins kommen, dass Frau von Welt im Leben nicht preisgeben würde. Schließlich hat die geheime Schublade in meinem Hirn gerade alle Peinlichkeiten des Lebens rausgehauen, aber eine fehlt … die Königin sozusagen.

Tadaaaaa ….

Das absolute damalige Höchstgewicht.

Scheiße, jetzt bin ich wirklich am Arsch, denke ich, denn die böse Zahl pingt vor meinem geistigen Auge in riesigen, roten, mahnenden, neonumrahmten, leuchtenden Zahlen auf. Sie tanzt wie diese Bildschirmschonerschrift von windows früher.  (Jaahaaa, ist doch gut!)

Mich wundert ernsthaft, dass sein Lachanfall nicht epischer wird. Was stimmt mit dem nicht, denkt meine humorvolle Gehirnseite, während die ernsthafte Gehirnhälfte nur noch mit dem Kopf schüttelt. (An dieser Stelle sollte sich der aufmerksame Leser ehrlich fragen, wie nur eine Gehirnhälfte mit dem Kopf schütteln kann)

Und dann höre ich von ihm …

»Entschuldigen sie bitte, dass ich lache, aber letztens lag hier eine Frau, ich war auch an ihrem Kopf und fragte sie, wie wars auf Sylt. Die Dame erschrak heftig und fragte, ob ich in ihren Kopf gucken könnte, was ich verneinte, sie aber darauf hinwies, dass auf ihrem Slip überall Sylt stand«, ich hörte ihm zu und fand das jetzt nicht so lustig, schließlich litt ich gerade wie ein Hund. Freude kam aber darüber auf, dass ich nicht allein war, dass es noch andere Menschen gibt, die in Betracht ziehen, dass er ins Hirn schaut.

Und dann war ich auf wundersame Weise enttäuscht von ihm. Da öffne ich mal die Schatzkiste meiner ganz persönlichen Peinlichkeiten. Selbst mein absolutes Höchstgewicht hatte ich ihm verraten. Die absoluten Rotwerdsituationen aus meinen Jahren und er?

Anstatt in meine Rübe zu schauen und anerkennend durch die Zähne zu pfeifen, weil ich ziemlich cooles Gedankengut mit mir rumtrage, erzählt er mir ne Story von einer fremden Frau.

Wenn das kein Abturner ist …

Aus. Ende. Fertig.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: