Beim Osteopathen IV

Die Show mit meinem Bein macht er gefühlt zwanzig Minuten. Das Witzige ist ja, dass einem sowas so 02:34 Minuten endlos peinlich ist, so sehr, dass man im Boden versinken will, aber dann ist es ab Minute 02:35 völlig egal. Als wenn da im Kopf nen Schalter umgelegt wird.

Peinlich an.

Peinlich aus.

Roter Kopf.

Kopf wieder normal.

Ich meine grundlegend ist das ja ne grandiose Sache, sonst hätte ich fast ne halbe Stunde im Modus der Peinlichkeit verbringen müssen. Wer will das schon? Ich jedenfalls nicht. Also, meine Welt war soweit wieder gut. Irgendwann bekam ich meinen Intimbereich auch wieder für mich, da er von meinem Bein abließ und sich an mir hocharbeitete. (Ich finde ja, dass der letzte Satz durchaus aus nem Porno hätte kommen können.)

Er drückte auf meinem speckigen Bauch rum und ich sah dabei genau in sein Gesicht. Er verzog keine Miene und ich zollte ihm Respekt, denn er war das perfektionierte Pokerface. Eine Frau in einem String, welcher im Stehen vom Bauch gefressen wird, muss auf einen Mann doch zumindest lustig wirken. Eins muss ich lassen, so ein Osteopath fasst Menschen auf komische Weise an. Er sagt mir, dass er an meinen Gedärmen bemerkt, dass mein Stoffwechsel sehr träge ist und ich freue mich diebisch, dass es eine Erklärung für diesen Körper gibt.

Am liebsten würde ich es mir auf die Stirn tätowieren.

Ich habe schwere Knochen.

Meine Muskeln haben enormes Gewicht.

Mein Osteopath sagt, mein Stoffwechsel ist halt kacke!

Ich kann nichts dafür.

Das alles wären natürlich grandiose Ausreden, nur bin ich dafür leider zu schlau. Ich leide nicht unter dem Dunning Kruger Effekt (was ja prinzipiell bei jedem Betroffenen ähnlich ist) ((ha ha ha)) und weiß deshalb, dass ich mehr esse als mein Körper braucht.

Ich werde eiskalt aus meinen unschuldigen (Lüge) Gedanken gerissen, als er hinter mir Platz nimmt und seine Hände und ich meine alle Finger auf meinem Kopf auflegt.

Ich dachte immer, schlimmer als mein Hintern kann es ja eigentlich nicht sein, doch dann frage ich mich, ob diese weisen, sehenden, sehr begabten Osteopathenhände vielleicht meine wirren Gedanken „sehen“ können.

Ich bin verloren, denke ich, als dieser Mann hinter mir zeitgleich einen Lachkrampf bekommt.

Coming soon: Part V

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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