Beim Osteopathen III

Ich latsche also hinter diese ominöse Absperrung und ziehe mich langsam aus. Unweigerlich muss ich an Striptease denken, aber ich werde das hier nicht machen, auch wenn ich das grad völlig originell fände. Für so ne Scheiße bin ich echt zu haben, grinse ich immer noch. Ich ziehe mein Shirt aus und begutachte meinen BH. Okay, soweit unkritisch, weil sich bei diesem Modell nicht grundlegend mein Fett über die Seiten rollt. Natürlich ziehe ich, seit ich weiß, dass ich mich ausziehen muss, meinen Bauch ein. Ganz Frau halt. Noch kriege ich ja Luft, schließlich können wir über Stunden mit reduzierter Sauerstoffaufnahme hervorragend leben.

Als nächstes knöpfe ich meine Jeans auf, ziehe sie bis in die Kniekehlen und bekomme einen kleinen Schock, als ich bemerke, dass ich keinen Slip, sondern einen String anhabe. Wobei meine Gedanken völlig bescheuert sind, denn ich trage tagsüber niemals Schlüppis. Für mich allein und unter der Hose ist das Ding String völlig in Ordnung, aber dieser hier, hat …

Weder eine schöne Farbe.

Noch hat er die optimale Passform.

Er franst an den Seiten leicht aus.

Mein Bauch frisst ihn fast auf.

Man könnte gut und gern sagen, dass er eine winzig kleine Nummer zu klein ist. (Ich würde das natürlich abstreiten)

Er ist alt und ausgewaschen.

Am Bauchgummi kommen so kleine Gummischlangen raus, weil er sich eigentlich schon in der Transformation ins Nichts befindet.

Mein Hintern liegt ab sofort vor diesem fremden Mann quasi frei.

Ich habe Cellulite.

Ich schäme mich schon jetzt in Grund und Boden.

Ich denke darüber nach mir anzugewöhnen, immer einen richtigen, echten Arschumspannenden SCHLÜPFER in meiner Handtasche mit zu haben.

Dann fällt mir ein, dass ich nicht weiß, wie ich den Reserveschlüpfer halbwegs glaubhaft meinem Mann erklären könnte. (Mein durchlebtes Elend wird im Anschluss bei meinem Mann einen heftigen Lachanfall auslösen.) Natürlich denke ich darüber nach, warum meine Freundin mir verschwiegen hat, dass ich dem Osteopathen meinen Hintern zeigen muss, komme aber zu dem Schluss, dass auch ich hätte nachfragen können. Nun denn, da ich nichts tun kann, gehe ich in das Nebenzimmer, wo er mich strahlend empfängt.  

Er strahlt.

Ich nicht.

Ich werde angehalten mich auf den Bauch zu legen, was bedeutet, dass er meinen Hintern auf dem Silbertablett geliefert bekommt.

Er beginnt … Seine Finger bewegen sich irgendwie mechanisch auf meinem unteren Rücken entlang, danach streichelt er meine Cellulite. Das geht ja alles, ich vergesse fast meinen Hintern …

Zu allem Überfluss nimmt er ohne Vorwarnung mein gesamtes linkes Bein und dreht es so komisch oben im Gelenk und ich denke nur, klasse.

Hätteste den String auch gleich weglassen können.

Egal, was mein Mann denkt, ich werde ab sofort einen endhässlichen Schlüpfer mit mir rumschleppen, denke ich noch und will im Boden versinken.

Coming soon. Na ihr wisst schon.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

2 Kommentare zu „Beim Osteopathen III

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