Kindheit – oder die DDR. Part II

Freunde der Sonne, heute erzähle ich Euch vom Abenteuer Milch holen. Klingt ja mal voll fett banal. War es aber nicht.

»Kind 2«

»Geh Milch holen«

»Wie viel«

»Zwei reichen«

»Ok«

Kind 2, ergo ich ließ sich also gefühlt 20 Pfennig geben und rannte in Richtung Kaufhalle, im Ost-Slang jedoch Koof-ha-lle je-nannt, schließlich sind wir immer inkoofn jejangen und nüscht anneres.

Klar? Klar!

Okay, Koofhalle war ja nisch weit, zack rinn und scharf nach links, vorbei an köstlichen Weißkohl und Rotkohl samt Kartoffeln und Zwiebeln. (Dann war das Gemüseangebot auch schon erschöpft) Was dann rechts kam entzieht sich meiner Erinnerung, in jedem Fall tauchte es dann auf. Links geradeaus, bevor die Tiefkühltruhen begannen, also davor.

Das …

Gefühlt …

20 qm große, vor allem tiefe silberne Quadrat.

Das Ding war aus meiner Kinderperspektive schon relativ groß, natürlich keine 20 qm, aber Übertreibungen veranschaulichen ja immer. Das ist ähnlich den Kohlenhydraten – die stehen nämlich unter Verdacht satt zu machen.

Gut, wann immer ich an den großen Milchbottich heran trat, war er schon zu 90% leer gekooft. Beim Schreiben stellt sich mir die Frage, ob meine Eltern mich absichtlich immer so spät geschickt haben oder ob das Zufall war? Da ich nicht an Zufälle glaube, denke ich, dass da Absicht in Frage kommt. Aber wartet ab!

Reminder: Riesiger Bottich war zu 90% leer.

Das bedeutete für mich folgendes: Erst mal von oben reinschauen, wo mehr rote Tüten und wo mehr blaue Tüten Milch lagen. Dazu musste das geübte Kinderauge in jedem Fall filtern, wo diese Tüten schwammen, schließlich waren so Pi mal Daumen 1000 von 10000 Tüten aufgeplatz, ostdeutsch uff-je-platzt und die restlichen Tüten schwammen in der weißen Suppe.

Wir reden hier von einer gefühlten Tiefe von durchaus 1,5 Meter. Also kam einfach den Arm rinstecken und gemeinsam mit Milchbeutel rausziehen nicht in Frage. Hier kamen durchaus Eigenschaften wie: Intelligenz, Mut, Heldentum und eine Prise Verrücktheit zum Einsatz.

Also:

Mit so nem minimalen Anlauf von 50cm schwang ich meinen Oberkörper auf den Rand des metallenen Quadrats. Stellt Euch vor, der Rand des Bottich hatte die Rolle von Patrick Swayze in Dirty Dancing. Sozusagen meine einzige, je erlebte Hebefigur. Das Baby der Milch sozusagen. Leider reichte diese horizontale Stellung nicht aus, um an die Milch zu kommen und mit elf kannte ich den Film Dirty Dancing auch nicht, somit ging der grandiose Moment einfach an mir vorbei.

So, aus dieser doch interessanten Perspektive wuchtete ich meinen Oberkörper nach vorn und automatisch gingen meine Beine weiter nach oben. Und dann musste alles ganz schnell gehen, weil ein eventuelles Reinfallen reine Physik war.

Zack, zweimal blaue Milch geschnappt, zurück in die Hebefigur und die Beutel mit weit gestrecktem Arm in die Luft halten. So ne Minute, schließlich konnte es ja gut möglich sein, dass einer der Beutel nen Loch hatte und auslief.

Aber, meistens waren alle blauen Beutel heile, ich beendete meine Hebefigur, auf die Baby mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Leben lang endneidisch gewesen wäre und lief schnell zur Kasse, die Beutel dabei weit von mir gestreckt, schließlich tropften sie, weil sie ja in der Suppe lagen. Nicht, weil sie kaputt waren.

Mit Augen zu an allen Süßigkeiten vorbei, also sagen wir mal ein Regal von 4 Metern Länge. Mehr gab es nicht in-zu-koof-en. Kasse, ab nach Hause.

Also mal ernsthaft, es lag im Bereich des Möglichen, da reinzufallen. Aber dafür waren meine Schwestern und ich einfach zu schlau.

Oder zu groß …

Nein, definitiv nicht zu schwer …

Wie war nochmal mein Name?

Coming soon. Part III

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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