Die DDR in Frankreich – oder, etwas landestypisches für drei, bitte …

Äonen von Jahren zuvor besprochen, sollten wir heute, am Samstag, den 23. August 2025 zu dritt nach Frankreich fahren. Leider nicht in den Urlaub, aber immerhin hatten wir einen gemeinsamen Tag. Da wir beide nicht viel Zeit haben, gibt es diese Treffen sehr selten. 

Deshalb entscheiden wir uns bei jedem Treffen und wählen in der Gestaltung des Tages weise zwischen Kultur und Kapitalismus. Dieses Mal entschieden wir uns für Napoleon, Baguette, Parfümerie und Massagesesseln. Für Kapitalismus also. 

Auf ging es heute morgen um 10 Uhr und gegen Mittag waren wir vor Ort, um genau was zu tun? Richtig, alle mussten erst mal pinkeln. Ging fix. Anschließend betraten wir eine vielleicht 20 qm kleine Parfümerie, die uns mit gefühlt 2.725,744 Parfümflaschen erschlug. Selbst wenn wir nur wegen des Parfüms hier gewesen wären, was wir nicht waren, schließlich geht es in Frankreich um was?

Genau, Käse und Kekse, Baguette und Salami! Von vorn, in dieser Parfümerie verlor man nach gefühlten 17 Sekunden tatsächlich die Lust, weil es einfach viel zu viel Parfüm auf viel zu engem Raum war. (Die Deutschen meckern an allem rum.)

Jut, raus aus dem Laden und rein in ein Shoppingcenter Restaurant, das für ein Shoppingcenter Restaurant ziemlich gut war. Alles war schick gemacht und wie ein großes Buffett aufgebaut.  Dennoch standen wir etwas lost da, weil wir weder wussten, was wir nehmen sollten, noch wo wir hinmussten. Es gab überall Tatort-ähnliche Absperrungen und irgendwie haben wir es geschafft, immer falsch zu laufen. (Diese Deutschen …)

Irgendwann hatten selbst die Franzosen Mitleid mit Sax´n-Anhalt und zweimal Thüringen, denn sie quetschten jedes verfügbare deutsche Wort aus sich heraus, bis wir was zu essen und trinken hatten. 

 

Danke, Frankreich! 

 

Aber was lag da jetzt aufm Teller? 

 

Kurzfassung: Ein fantastisches Dessert. Käse, Baguette und Mischjemüse in Mayonnaise. Oder was auch immer das war, es sah zumindest wie Mischjemüse aus. Dazu gab es Gewürzgurken, die jeder Speicheldrüse den Krieg erklärten. So ein saures, nach Anis schmeckendes Gelumpe. Es schüttelte uns. (Keine Kultur, diese Deutschen)

Auf einer gefühlt 300 Jahre alten Couch mit einer im Sterben liegenden Seitenlehne aßen und tranken wir, gab tatsächlich bis auf die Gewürzgurke nix zu meckern und dann sollte der Kapitalismus beginnen. Schließlich haben wir armen Ostdeutschen ein gewaltiges Defizit, welches niemals einholbar ist. 1961-1989 ist nicht diskutabel.

 

Laden eins: 

Tüte voller Klamotten für Thüringen, schließlich sucht sie für ne schicki-micki Veranstaltung, oder auf thüringisch, für ne schiggi-miggi Veranstaltung noch schiggi-miggi Klamotten. Dafür musse nämlich bis nach Spanien fliegen und jut aussehen – Challenge accepted.  An der Kasse finden wir noch voll coole Unterwäsche. Gekooft. 

Laden zwei:

Schadet nicht, noch nen bissel mehr Outfit für schiggi-miggi-na-ihr-wisst-schon zu haben. Tüte zwei ist voll und auch ich finde nen Shirt und ne Hose für meinen ganzen Schrank voll nichts zum Anziehen.

Eine kleine Müdigkeit zieht auf, schließlich sind wir alle schon ne Weile mit Kapitalismus und Konsum beschäftigt. Dazu kommt, dass wir biografisch selten so viele Shoppingmöglichkeiten hatten.

Laden drei: 

Thüringen findet noch ein paar Teile und wir beschließen, dass wir jetzt Tarte mit Pflaumen und Milchkaffee brauchen, um weiter zu funktionieren. Ein Genuss.

Und dann geht es los, wir gehen jagen. (Einkaufen) also Lebensmittel, schließlich können die Franzosen das viel, viel, viel besser als wir. Das hier ist wahrscheinlich ein durchschnittlicher Supermarkt, der den Namen eines F1-Fahrers trägt und wir sind total geflasht, da das hier ein Paradies ist, wenn man gern isst und trinkt. Die Körbe füllen sich und ich komme mir ein wenig vor, als wäre wieder 1989 und die erste Fahrt in den Westen läuft von vorn. Wobei das Unsinn ist, denn das Erste, was ich im goldenen Westen aß, war eine Milchschnitte und ich erinnere mich sehr genau, dass ich die voll scheiße fand. Pumpernickel mit Zitronencreme. Bäh. (Mit nüscht zufrieden die aus Dunkeldeutschland)

Zurück nach Frankreich. Die Auswahl an Fisch, Gemüse, Obst, Käse, Wurst, Käse und was auch immer, brachte uns Ossis fast um den Verstand und so waren wir satte drei Stunden in einem Lebensmittelmarkt. Rekord, würde ich sagen und anstrengend dazu.

Fazit: Es eskalierte (geil). Das Defizit aus der Vergangenheit holte uns gnadenlos ein.

Ungefähr 1000 Euro später (für alles, keine Panik) hatten wir alles ins Auto geladen und mussten was? Richtig, pinkeln. Ging wieder fix und so überlegten wir, ob wir zum Abschluss dieses großartigen Tages ganz landestypisch und gepflegt folgendes gemeinsam dinieren sollten:

1.        Mäcces 🤪

2.        Döner an der Ecke 👌

3.        Landestypisches Restaurant, haute Thüringen als Frau von Welt raus und alle waren einverstanden. Zur Not, sagten wir uns, hätten wir das Auto ja noch voller Baguette, Kekse, Wurst und Co. Was sollte uns schon passieren?

Jesagt, Jetan. Drei Kilometer weiter fanden wir ein schönes kleines Restaurant, was landestypischer nicht hätte sein können. Kleine Holztische, Rote Tischläufer und Musik von vor hundert Jahren im Raum. Alles großartig.

Dann kam die Speisekarte – Rührei. Stulle mit irgendwas?! Hääää?

Komische Geschichte, dachten wir uns und bestellten erst mal Weißwein und Wasser. Dann überlegten wir, ob wir doch den landestypischen Chicken McNugget oder Döner essen sollten und blieben hart dabei, dass es landestypischer geht. 

Da niemand im Restaurant unsere Sprache sprach und wir eben in der Schule russisch anstatt französisch hatten, konnten wir uns grundlegend analog nicht unterhalten. Zack, Handy raus und mit DeepL gefragt, ob wir drei nicht ne Platte bekommen könnten mit so landestypischen Sachen. Die nette Frau nickte.  

Und dann kam das Essen:

 

Froschschenkel mit 🍋
Weinbergschnecken die auf rohen Schinken mit Parmesan lagen.

Niemand hätte damit gerechnet, wobei wir auch nicht genau wussten, womit wir gerechnet hätten. Natürlich dachten wir, das die Froschschenkel Hühnchen wären, aber die nette Dame meinte nur Frog!

Wir schauten uns mit fragendem Blick an und versuchten uns zu verarschen, dass die Schenkel vom Huhn waren, das Frog hieß.

Naja, klappte nur semi.

Und dann Weinbergschnecken auf rohen Schinken mit Parmesan?

Einen Burger (kein Foto vorhanden) für drei Menschen zum Teilen?

Wir haben noch Baguette im Auto meint Thüringen, während sie aus dem Lachen nicht rauskommt. 

Wir bezahlen und sind uns sicher, dass die nette Dame dachte, diese Deutschen …

Wer wollte landestypische Nuggets, denke ich … und hörte von Thüringen:

Wir müssen dringend wandern, Kapitalismus ist zu teuer.

Während ich an ihren Satz denke, muss ich schmunzeln, da sie nach 23 Uhr im Hochschlepp-Auspackmodus gestresst ist, wie sie per WhatsApp schreibt. 

Ich hingegen schreibe diesen Tag nieder und sende Thüringen diese Story, um ihren Auspackstress zu minimieren.

Hat funktioniert:

 

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

2 Kommentare zu „Die DDR in Frankreich – oder, etwas landestypisches für drei, bitte …

Hinterlasse einen Kommentar