Kongress der Urologen III

Bevor ich mit der endlosen, kräftezehrenden, nur die Besten der Besten der Besten kommen oben an Wanderung zum Schloss beginne, wollte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich zwischenzeitlich mehrere Vorträge gerockt habe. Vor über 100 Menschen. Und? Ja mein Bestes gegeben habe. Wie immer eben. Was denn auch sonst?

Was ist denn mein Bestes, frage ich mich und bin Antworten-technisch etwas einsilbig. Tja, was ist mein Bestes? Warum benutzen wir so komische Phrasen, um, wenn es drauf ankommt, nicht mal zu wissen, was das überhaupt bedeutet. Egal, ich habe gerade keine Lust auf Recherche und wollte nur sagen, dass ich mir wirklich immer Mühe gebe. Dazu kommt, ich glaube, ich habe ein Entertainment-Gen, welches mir bei Vorträgen immer hilft, das geneigte Publikum zu begeistern.

Gut, wäre meine wissende Unwissenheit medial geklärt. Ich stehe dazu. Ohne mich zu blamieren. Ohne schlechtes Gewi … 

Ist ja gut jetzt. Ihr könnt selbst schauen, was das mit dem Besten geben bedeutet. 

Also nochmal, die wahrlich Harten. Die, die das weit entfernte Schloss besteigen sollten, sorry erobern wollten, trafen sich halb vier, um loszulatschen. Wir hatten alles dabei. Uns. Es sollte eine Challenge Natur gegen uns sein. Meinetwegen auch der ökologische Einklang zwischen Natur und uns. Auf jeden Fall sahen wir als erstes einen Bus, der in Richtung Schloss fuhr und legten fast einstimmig fest, dass das unter unserer Würde wäre. Wir liefen also weiter, während Dagmar motzte. 

Sie war für den Bus. Der Rest nicht. Demokratie und so.  

Plötzlich war unklar, inwiefern wir da hochkommen sollten. Welche Straße führte jetzt nach oben? Ich schnappte mir mein Survival Handy und sah in der El Navigatore App nach, um festzustellen, dass es sich hier um einen weiten Weg handeln würde.

Sozusagen:

Far

Far

Away.

Ganze 1100 Meter zeigte mir die App und wir latschten entschlossen los. Und kamen exakt 200 Meter weiter, da uns ein Hinterhof lockte, den wir gemeinsam enterten, um uns an Federweißer und Knobibroten zu stärken, schließlich sollten noch fette 900 Meter auf uns warten. Der Federweißer war so grandios, dass das Schloss fast in Vergessenheit geriet. Aber nein, bevor da oben der Biergarten zumachte, mussten wir angekommen sein. Ziel war Ziel, da waren wir alle konsequent. Selbst Dagmar, die sich Buslos wieder beruhigt hatte.

Schweren Herzens ließen wir den Hinterhof, den fantastischen Federweißer und die knusprigen Stinkebrote hinter uns, um die verbliebenen 900 Meter gemeinsam als Team zu meistern. Gut, klingt natürlich nicht viel, aber der Anstieg war nicht so ohne, aber wir ließen niemanden zurück. Geil, klingt so krass episch.

So ungefähr 20 Minuten später standen wir im Einklang mit der Natur oben. Dann sahen wir uns so zwei Minuten um, zückten alle unser Survival Handy und machten Bilder. Aussicht, Schloss, Blumen, eigener Schatten (Ellen *grins). Dann beschlossen wir, dass wir nicht extra Eintritt zahlen würden, um uns dann eine extra eingerichtete Ausstellung anzuschauen. 

Kultur, bäh! Wo kämen wir hin. 

Uns lockte vielmehr der auf einer großzügigen Terrasse eingerichtete Biergarten. Immerhin hatten wir gute 25 Grad und ne top Aussicht. Also Biergartenwetter. Alles zwischen 12 bis 48 Grad ist bei uns Biergartentemperatur. Regel ist Regel. Also zack, alle an einen der mega unbequemen Tische und Stühle aus lackiertem Holz und Metall geschmissen. Die Sonne schien, Bier und Radler sowie Wein wurden subito geliefert. Uns irritierte lediglich die wirklich saumäßige, aus Papier gestaltete Billigkarte, die mit Flecken übersäht war, teils fehlten Ecken und jede einzelne Seite lag hinter einer gefühlt zwanzig Jahre alten Klarsichtfolie. Natürlich die Billigen. Bitte, das waren doch keine Amateure. Die hatten das wir-geben-uns-für-sie-keine-Mühe sozusagen inhaliert.

Während die Ladies ihren Wein aus ungepflegten (dreckigen) Gläsern tranken, Herpes damit in jedem Fall vorprogrammiert war, genoss ich mein kühles Bier. Ich sah mir das Glas auch nicht genauer an, verrückt machen half an dieser Stelle auch nicht weiter, schließlich musste ich in kurzer Zeit die 1100 Meter auch wieder runter. Ich beschwerte mich also nicht und habe schon seit langem eine gute Lebensweisheit. 

Iss und trink niemals an Orten, wo endlos viele Touris sind. Letztlich müssen die sich bei dem Verkehr keine Mühe geben. Und sie tun es auch nicht. Also sich Mühe geben. 

Nee, nee … die Geschichte braucht ja noch was Gutes. So kann ich Teil 3 nicht enden lassen.

Es gab drei Bier. Im Biergarten. Scheiß auf den ungenügenden Service. Manchmal müssen es eben drei Bier im Schmuddelgarten sein. 

Coming soon. Der Tisch reicht nicht für sechs. Oktoberfest ist eröffnet.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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