Mr. Wackelauge und Mrs. Sexerzwingerin. Part VI

Schnell rutschte er direkt zu ihr heran. Joar … gefiel ihr hervorragend. Die Idee mit dem Sex auf dem Küchentisch drängte sich ohne Vorwarnung in ihr Hirn zurück.
Er hielt die ganze Zeit Augenkontakt und Nadine bemerkte, wie sie ihre Augen in Zeitlupe immer weiter aufriss, während ihre Lippen immer schmaler wurden und sich zu einer dünnen Linie formten.


»Du siehst wie ein potentielles Opfer aus einem Horrorfilm aus«, flüsterte er mit jetzt ebenfalls weit aufgerissenen Augen.
Er grinste …
»Du siehst nicht wirklich besser aus«, flüsterte sie ebenso leise zurück.

»Selber Opfer«, provozierte sie.


Er nickte wissend, sein Lächeln blieb.
Nadine verlor sich in diese jetzt riesigen Augen von Mr. Wackelauge und sie glaubte erneut daran, dass sich diese wundervollen blauen Kugeln 360 Grad drehten. Da war es wieder, dachte sie. Sie war am verrückt werden.

Hätte sie situativ echt schlechter treffen können …


»Ist. ES. noch. da.«, flüsterte er völlig amüsiert und noch leiser als zuvor. Offensichtlich stand er vor einem Lachkrampf, denn er zog zwanghaft seine Wangen nach innen, um nicht losprusten zu müssen.
»Jaaaaa«, schnaufte sie.

»Dir scheint der Ernst der Lage nicht bewusst«, nickte sie ihm todernst entgegen.
»Hm, Mrs. Sexerzwingern, was tun«, fragte er mit noch immer viel zu wenig Ernsthaftigkeit, fand Nadine.
»Du bist der Mann. natürlich musst du nachschauen«, flüsterte sie ungeduldig.
Er fixierte ihren Blick und war anscheinend heldengleich entschlossen, denn seine rechte Hand verschwand aus ihrem Blickfeld. Sie neigte ihr Kinn ein wenig und blickte der verschwunden Hand hinterher. Seine Hand wanderte auf ihren Oberschenkel.


»Andere Seite«, zischte sie. »Ok ok«, konterte er. Sie bemerkte die kleinen Nuancen seiner Berührungen, auch er hatte anscheinend Respekt vor dem Unbekannten.
Beide sahen sich an und er senkte seine Hand auf …
»Aaaahhhhhhhhhhh«, fuhr Nadine erschrocken zusammen.
»Tscht … ganz ruhig«, flüsterte er, seine linke Hand legte er unter ihr Kinn und hob es etwas an.


»Was ist es«, wollte sie von ihm wissen.
»Das!«, setzte er an und verfiel in eine opulente, ja melodramatische Pause …

(Länge der Pause für den Leser dargestellt.)

»ist mit Abstand die lustigste Aufforderung zur sexuellen Belästigung, die ich je erlebt habe«, feixte er.
»Bist du bereit dem Übeltäter ins Auge zu schauen«, fragte er gespielt heroisch. Nadine nickte nur noch, da sie nervös war, was jetzt kommen würde.
»Bereit«, vernahm sie von ihm und musste sich zusammenreißen, jetzt nicht ungeduldig zu werden und ihn anzuzicken.
Nun mach schon … zickten Engelchen, Teufelchen und natürlich sie selbst. Alle drei überlegten, wie sie ihn gleich anfallen würden, wenn er jetzt nicht mit der Sprache rausrückte.

***

Aus dem nichts riss er eine dritte Hand unterm Tisch vor und Nadine schrie wie am Spieß, während er sich vor Lachen nicht mehr einbekam. Er sah sie durchdringend an, schüttelte leicht seinen Kopf und prustete aus voller Seele, was sie irgendwie irritierte und auch verärgerte.

Da tatschte jemand Fremdes sie unterm Tisch an und er … lachte?
Sie zog ihre Augenbrauen tief nach unten, ihr Verstand setzte ein und sie begann damit die böse Hand zu begutachten. Als erstes stellte sie fest, dass die Hand in dem gleichen Langarmshirt steckte wie ihre Arme.
Nadine und der schrille Schrei verstummten.
Sie musterte die fremde Hand und erkannte ihr eigenes Armband aus Silber … seine Worte hallten nach. Was genau war es? Ihr Hirn rotierte und dann fiel es ihr wieder ein. Mit Abstand die lustigste Aufforderung zur sexuellen Belästigung, die er je erlebt hatte?

Sie sah ihn an, er lachte. Tränen rannen aus seinen Augenwinkeln, seine Haut rotgefärbt von den positiven Emotionen. Er sah toll aus, dachte sie. Nadine blickte auf ihre Schultern. Engelchen heulte riesige Krokodilstränen vor Scham und Teufelchen lachte sich schallend kaputt.
Diese Form des Blamierens würde sie als Königsdisziplin bezeichnen. Sie hatte es echt geschafft diese Herausforderung mit Eins plus zu bestehen.
»Es war meine Hand«, stellte sie nüchtern fest. Er nickte lachend, sein Oberkörper neigte sich weit nach vorn. Sein Gesicht tauchte direkt vor ihrem auf.


»Mein letztes Date ist sehr lange her«, sagte sie leise, dennoch selbstbewusst mit einer Prise Humor versehen. Sie wollte, dass er ihre Aufregung verstand, wobei das natürlich total dämlich war, denn Männer schafften es nicht mal, eines der 60 Stücken Butter im Kühli zu finden. Was wusste er schon, dachte sie und senkte ihren Blick nach unten, um diesem Moment zu entkommen. Ha ha ha selten so gelacht …


Als erstes bemerkte sie seinen warmen Atem an ihrem Ohr. Eher ein Rauschen, schnell, denn sein Brustkorb hob und senkte sich noch immer rasant, da er sich voll amüsierte.
Sie hörte, wie seine sinnlichen Lippen sich teilten, glasklar drang sein Einatmen zu ihr durch. Gänsehautwellen fluteten ihre Haut.
»Du bist wunderschön, Mrs. Sexerzwingern«, hauchte er in ihr Ohr, »das und nur das musst du wissen«, setzte er energischer hinterher.

Das wäre, dachte sie, der ideale Moment für die körperliche Liebe auf diesem Restauranttisch. Warum saßen sie denn hier in der Öffentlichkeit? Warum um Himmelswillen wollte dieser verfressene Geist ein Steak verspeisen?
Ihr Hirn setzte aus, als er begann ihr Ohrläppchen wie in Zeitlupe einzusaugen, sie hinterm Ohr zu küssen, dann spürte sie ihn am Bogen ihres Unterkiefers. Er blieb an ihrem Mundwinkel stehen und begann über ihre Lippen zu lecken. Im Schneckentempo, womit er hunderte kribbelnde Ameisen auf ihren Mund hinterließ.
Gerade als sie adäquat antworten wollte, nämlich das Shirt über den Kopf reißen, sich zur Musik tanzend ausziehen und dann ihm die Lumpen vom Leib zu reißen, über ihn herzufallen und endlich diesen verdammten Tisch zu nutzen …

Räusperte er sich?

Häääääää? Was war´n das jetzt fürn Scheiß, dachte Nadine und auch Mr. Wackelauge löste sich nur widerwillig. Beide schauten in das Gesicht des Kellners.

»Was darfs sein, die Herrschaften«, hörten sie hochgeschwollen von ihm.

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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