Mr. Wackelauge und Mrs. Sexerzwingerin. Part I

»Und, Madame, hat ihnen das Essen geschmeckt«, säuselte dieser Kellner total künstlich, dabei beugte er seinen Oberkörper so sehr zu ihr herunter, dass ihr heiß und kalt wurde. Sie lupfte peinlich berührt ihren Pulli. Leider war sie viel zu schüchtern, sonst hätte sie ihm gern ins Gesicht geschaut.
Dabei hatte sie eigentlich echt miese Laune. Ihre beste Freundin wollte sie in so ein modernes Sportprogramm ziehen. Samba, überlegte sie. Nee, revidierte sie gedanklich. Simba? Rambazamba, witzelte sie gedanklich.

Keine Ahnung, alles neumoderner Schnickschnack. Mit ihren 48 Jahren brauchte ihr keiner mehr mit Sport kommen.
Mochte sie nicht. Heute nicht, morgen nicht und auch in Zukunft nicht. Ende der Ansage.

»Nein«, sagte sie im strengsten Ton, denn das, was dieser Laden hier Amerikanisches Steak nannte, war ne Frechheit.
Sie wollte gerade ihren Gedanken nachhängen, sich nochmal innerlich aufregen, warum es hier nicht mal einen Rotwein auf der Getränkekarte gab, warum das Steak nicht am Rand durch knapp tausend Grad Hitze karamellisiert wurde, da hörte sie, wie der Pinguin sich neben ihr räusperte.

Um ihn anzusehen, neigte sich Ihr Kopf in Zeitlupe zur Seite, dann nach oben, und dann …

Bäääääääääääääääääämmmmmm!

Eigentlich wollte sie ihn zumindest mit ihrem bösesten Blick treffen, aber im Moment schienen ihre neuronalen Bahnen auszusetzen, denn sie bekam nur ein katzengleiches miau heraus. Oder so ähnlich

… Super!

Warum war schlagfertig eigentlich immer erst hinterher?
»Hmm«, grunzte sie halb fragend, denn der Ober, Kellner, Pinguin … Verfluchte Scheiße, dieser Typ sah unfassbar gut aus. Die Chemie stimmte hier nicht, sie war fucking perfect. Jetzt galt es nur, IHN davon zu überzeugen. Also von der Chemie.


Sie schaute ihn erneut an, ihr wurde schwindlig und übel, jetzt hatte sie Angst, hier jede Sekunde über den Tisch kotzen zu müssen.
Anscheinend amüsierte ihn was er sah, denn sein Kopf neigte sich schmunzelnd zur Seite, ein leichtes Nicken begleitete seine Bewegungen. Gut, er wollte also wissen, warum ihr das Steak und der fehlende Rotwein nicht geschmeckt hatten.


Nicht gerade ein guter Einstieg, um dieser Sahneschnitte mitzuteilen, dass sie ihn:
A) Absolut umwerfend fand.
B) Sie eigentlich total schüchtern, aber eben sehr ehrlich war.
C) Sport ursächlich für die schlechten Laune war.
D) Sie ihre beste Freundin überdenken müsste.
E) Er froh sein konnte, dass sie sich nicht erbrach.
F) Wenn er das Dessert gewesen wäre, das Essen definitiv bombastisch und so weiter.
G) Die ganze Zeit ein kleiner Vogel im Kopf „Ich will Sex“ brüllte.


Forschend versuchte er in ihrem Gesicht zu lesen, das vorwitzige Lächeln umspielte noch immer seine sinnlichen Lippen. Sie musste jetzt unbedingt was Vernünftiges zu ihm sagen, damit er sie nicht für völlig bekloppt hielt.

»Ich will Sex!«

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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