Mr. Wackelauge und Mrs. Sexerzwingerin Part II

»Nein«, keuchte sie als der Freud’sche Versprecher bei ihr ankam. Metaphorisch knallte ihr Kopf gerade mit karacho auf die Tischkante.

Wobei … überlegte sie, eigentlich keine schlechte Idee, um aus der Nummer rauszukommen. Blutüberströmt würde er sicher schnell vergessen, dass sie Sex von ihm wollte. Nadine riss ihre Augenbrauen bis fast unterm Haaransatz und sah in sein dreckig überlegendes Grinsen.

Doch die Tischkante?

Kurz schätzte sie die Entfernung ab. Boah, wenn er doch nur nicht so verdammt gut aussehen würde.


Und nun? Was sollte sie denn in so einer beschissenen Situation tun? Hatte sie ihm eben wirklich gesagt, dass sie Sex von ihm wollte? Alles nur wegen des dämlichen Rumbakurses, den sie nicht machen wollte. Beste Freundinnen wurden definitiv überbewertet. Da sie ihn die gesamte Zeit über ansah, verstand ihr Hirn nicht, dass er weiterhin schmunzelte oder lachte und seine stahlblauen Augen ihr wie fröhliche große Wackelaugen vorkamen, die sich die ganze Zeit um 360 Grad drehten.


Ob sie jetzt wohl verrückt werden würde? Oder er? Mit nen bissel Realismus sah sie beides im Bereich des Möglichen.
Apropos Realismus, Nadine zog ihren Bauch umgehend ein, reckte nochmal stolz das Kinn und natürlich auch die Brüste.

Die Waffen einer Frau, normal also.
»Ähm«, setzte sie an und da war das gesamte Potpourri an Schlagfertigkeit erneut erschöpft. Innerlich rollte sie jetzt ähnlich mit den Augen wie er, so genervt war sie von sich.

»Möchten sie vielleicht zahlen«, hörte sie seine lachende Stimme und wusste echt nicht mehr, wie sie aus dieser Chose rauskommen sollte. Sie nickte ihm entgegen und ihre Körpertemperatur rutschte von 42 auf 36 Grad, was sich gut anfühlte. Jetzt konnte sie durchatmen, er würde doch mit Sicherheit nicht selbst zum Kassieren kommen, oder?
Nein, würde er nicht.

Und ob, er kommt.

Neiinnnn, im Leben nicht.

Oh doch.

Scheiße, dass kann er nicht machen.

Wird er aber!

Und während dieser innere Monolog gefühlt Geburtstag in ihrem Kopf feierte, bemerkte sie nicht, dass ER ihr anstatt einer Rechnung eine Visitenkarte hinlegte. Als sie aus purer weiblicher Verzweiflung erneut die Tischkante taxierte und das mit der blutüberströmten Nummer Gestalt annahm, traf ihr Blick auf die Visitenkarte.

»Hä?« Nadine schaute drauf, sah alles, konnte alles lesen und nahm doch nichts auf.
Doch dann kam ihr hochgelobter Verstand zurück.
Er hieß John. Und er hatte ihr eine dominante Anweisung zum Treffpunkt dagelassen.

Heute Abend.


Sie las seine Worte und in ihrem Kopf durchforstete sie ihre Dessous Schublade, die Auswahl der Halterlosen, die High Heels. Dieser Mann mit den stahlblauen Wackelaugen wollte sie. Erneut senkte sie ihren Blick auf die Karte.

»Erotisches Abenteuer, ich komme«

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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