Ringsegment

Wien war eine Stadt wie eine Insel, nachts schwammen ihre Gebäude zwischen den Lichtern, wie graue Finger wenn man seine Hand vor dem Horizont ausstreckte, mit Licht und Lärm in allen Zwischenräumen. Alles roch nach Beton, Nachtleben, Hundescheiße und Mensch. Es war eine Stadt um die Ruhe zu zerstören und einem den Schlaf zu nehmen. Unruhiger Verkehr floss durch die Venen ihrer Hauptstraßen und es gab nie ein Abebben ihrer Geräuschkulisse. Die ganze Stadt ein einziger Motor, die Menschen als Benzin und jedes einzelne Leben ein Kolben. Überall floss Blut, Blaulicht, Fremdsprache und Rotlichtkultur. Prostitution passierte dort, wo sich niemand hätte einen besseren Namen dafür ausdenken können, auf dem Gürtel, eine Hauptverkehrsader, die als Ringsegement um den Stadtkern führte, dort wo man hin ging um die Hosen runter zu lassen, und wo man sich seinen Stoff besorgte. Ein Kriminalitätszentrum dessen Geschichten man ständig in der Nase hatte. Ich erkannte diese Gegend an ihrem Geruch, ihrer vergorenen Milch, mit der sie die Süchtigen an ihrer Burst säugte.  Die verschwitzten Männer, die aus den Massagesalons kamen, ein fester Teil der Kulisse, wie geile Komparsen in einem Kriegsfilm. Die Frauen mit hochhackigen Stiefeln und kurzen Röckchen, nicht wirklich schön, wie sie ihre Krankheiten feilboten. Das sprichwörtliche und wortwörtliche Rein und Raus des Nachtlebens, dieser Wille zur Penetration, kulturell und sexuell, dass man es riechen konnte.

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