Physiotherapie minus 1

Operiert zu werden ist ja grundlegend schon mal so erotisch wie nen Knoblauchbrot beim ersten Date, welches der männliche Part grob kauend verschlingt, beim Sprechen die Hälfte aus dem Mund verliert und das alles nicht mal wirklich mitbekommt. Während die Frau das Spektakel mit weit aufgerissenen Augen beobachtet, nur noch sprachlos nickt, was er wiederum als absolutes Interesse an seiner Person wertet.

Was ne Vorstellung für ein erstes Treffen, oder?

#romantikkannich

Operiert werden ist auch vergleichbar mit akuten Hämorrhoiden ohne Apotheke oder Chirurgen in der Nähe. Am besten bekommt man die Klabusterbeeren im Urlaub, wo niemand nicht helfen kann.

Soweit. Nicht gut, denn …

Fakt war, das der Operateur lediglich vier Monate älter war als sie, selbstverständlich gutaussehend und. jetzt. kommts. DICKE! (Wirklich dicke!)
 

 

 
Spannungsaufbau!
 

 

 
Ihr weiblicher, adipöser, Cellulite angehauchter über 40-jähriger Hintern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diesem gutaussehendem, 40 Jahre und vier Monate altem, wirklich gutaussehenden Chirurgen auf dem Silbertablett präsentiert werden würde …

Autsch. Doppelautsch, Dreifachautsch …

Egal wie viel Autsch, ihr Hintern war ne hausgemachte Katastrophe. Diese Gedanken an ihren eigenen Hintern kamen ihr natürlich nicht sofort.

Psychologisch auch sehr wertvoll.

Also was geschah im Vorfeld, bevor sie an ihren Hintern dachte:

Drei Tage sollte sie im Krankenhaus bleiben, was natürlich an Langeweile und Einöde nicht zu überbieten war. Also, was brauchte Frau von Welt für die stationäre Krankenhauszeit von zwei Nächten?

1. 6 T-Shirts. 1 Langarm und 5 Kurzarm Shirts
2. 6 Paar Socken, kurze, ganz kurze, mittel und lange, dicke und dünne
3. Einen Jogginganzug, sich einmal so richtig gehen lassen, yeahhh
4. 6 Strings (verschiedene Farben, je nach Laune)
5. 6 Schlüppis für die Nacht
6. Einen BH zum Wechseln
7. Flip Flops, denn ohne geht gar nixxxx
8. Eine kurze Schlafhose, falls es warm sein würde
9. Eine lange Schlafhose, falls es kalt sein würde
10. 250 gr. Gummitiere – trotz ww – der Tag war dann definitiv nicht blau
11. 200 gr. Pfefferminzdragees – Tüte ging voll zurück
12. Opulenter Kulturbeutel, Einzelheiten werden hier verschwiegen

Zack, alles war schnell gepackt und die Operation noch 9 Tage hin. Sie war in jedem Fall zufrieden, die Operation konnte kommen. Am Wochenende davor bemerkte sie, dass ihre Füße nunja, Flip Flop Füße halt. Klingt komisch, aber sie trug nun mal stets und ständig Flip Flops, was man ihren Füßen eben auch ansah.

Sie begann darüber nachzudenken und erschrak, als ihr klar wurde, dass sie in Bauchlage operiert werden würde. Beste Aussicht auf ihre Flip Flop Füße. Zack, Feile geschnappt und ratzfatz, janz fixe Schnitzel in vier Stunden die Flunken in Bestform gefeilt. *freu

Yes! Die Operation konnte kommen!

Zwei Tage vor der OP kam das Vorgespräch mit dem Anästhesisten, der ihr professionell erklärte, dass das OP-Team sie nachdem sie narkotisiert wurde, auf dem Bauch drehen würde.  

Kopfkino an …

Voller Stolz dachte sie an ihre gefeilten Füße.
Voller Panik an ihren Bauch.

Die Zeit war reif, sie musste sich in jedem Fall ihren Bauch im Liegen anschauen, sich dann langsam auf die Seite wälzen und genaustens gucken, wie das so wirkte.

Gesagt. Getan. Diskussion beendet.

Das Ding war hoffnungslos, in zwei Tagen konnte sie nix mehr machen.

Die Füße waren makellos. Jeder im OP-Saal durfte die bewundern. Als es dann losging, wurde alles um sie geschäftig, mittlerweile war klar, dass ihr kugeliger Hintern im Fokus stehen würde und ja, auch dass sie in Bauchlage gedreht werden würde.

(Die Füße waren top!)

Und dann, als sie dachte, dass alle Peinlichkeit durchdacht war, zogen ihr die Leute dieses unerotische Nachthemdchen vom Leib.

Hilfe, jetzt sah ja jeder (auch dieser gutaussehende Arzt) ihre Brüste, dachte sie noch, als die Narkose sie tief in den Schlaf zog.

CS und so weiter …
 

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

2 Kommentare zu „Physiotherapie minus 1

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