Persönliche Zeitreise

In seinem alten Tagebuch zu lesen ist eine persönliche Zeitreise. Der Mensch der einen auf diesen Seiten entgegenblickt, wie von der anderen Seite eines Spiegels, kann so verdammt fremd anmuten. Da sind nicht nur Jahre vergangen, sondern ein ganzes Leben hat sich geteilt und immer wieder neu zusammengesetzt. Die Jahre an Lebenserfahrungen teilen einen menschlich wie einen Regenwurm. Man wird immer wieder in zwei Teile gerissen, lässt einen Teil von sich sterben und der andere entwickelt sich weiter. Man kann das richtig auf den Seiten verfolgen, wenn man sie weiter blättert dreht man am Regler der Zeit. Du kannst sie daran verfolgen, die tiefe Veränderung in Wort und Sprache und Mensch, wie aus dir langsam ein anderer wird. Es ist wie ein Selbstgespräch durch die Zeit. Eigentlich Scheiße, dass diese Kommunikation nur in eine Richtung funktioniert. Ich die Stimmen aus der Vergangenheit hören kann, aber nicht umgekehrt. Es gäbe eine Menge was man sich zu sagen hätte. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich ich bin. Oder besser gesagt, ob das wirklich ich war. Mich kann dieser ganze Pathos manchmal ziemlich nerven. Diese Person wirkt so lose und ungefestigt. Außerdem waren meine meisten Probleme selbstgemacht. Vermutlich würde ich auf mein jetziges Zukunfts-Ich genauso wirken, aber es ist schön, dass ich mich offensichtlich mehr und mehr gefunden habe. Ich sammle die Scherben aus der Vergangenheit zusammen und setze sie wieder ins Bild, das langsam anfängt Sinn zu ergeben. Warum war ich so empfindlich in so vielen Belangen, die eigentlich völlig gleichgültig sind? Warum glaubte ich immer die Bestätigung anderer zu brauchen, weil ich sonst unwirklich in der Luft hängen würde? Die Bedürftigkeit von der ich damals wollte, dass sie durch andere gestillt werden würde, konnte nur mit meiner eigenen Erfahrung aufgefüllt werden. Das fühlt sich irgendwie so an, als wäre ich menschlich weit gekommen. Das was aus mir geworden ist, damit bin ich endlich einverstanden. Ich muss nicht mehr an mir selbst herumschrauben um etwas zu verbessern, sondern ich kann mich selbst so lassen, und endlich etwas wie Respekt und Verbundenheit mit meiner eigenen Seele empfinden.

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