Kindheit – oder die DDR. Part III Das grüne Kaugummi oder das grüne Ge-lum-pe

Freunde der Sonne, es geht weiter mit meinen reichlichen Erinnerungen. Fragt mich bitte nicht, warum meine Erinnerungen sich so viel ums Essen drehen? Vielleicht ist es ja deshalb, weil wir nicht so viel anderes da drüben hatten, außer …

(Wiederholungen veranschaulichen und festigen ja …)

Also was hatten wir?

– Fahnenapell

– Milch in einem riesigen Bottich, die geangelt werden wollte und wo Dirty Dancing eine unbekannte, jedoch entscheidende Rolle einnahm

– schwarz-weiß-grau 👉🤪

– Kubarumpeln (konkret geniales Wort für Apfelsinen, die man eigentlich nicht essen konnte, da akute Erstickungsgefahr)

– den Unerreichbar Joghurt (der Teil kommt noch, Geduld)


Also, liebe Nichtostdeutsche, nur kein Neid …

Was gab es nun noch Schönes in meiner Koof-ha-lle des Vertrauens? Es gab in jedem Fall nicht sonderlich viel Süßigkeiten. Also lachte mich in meinen jungen und wilden Jahren immer das heilig-grüne Kaugummi an. Schließlich mutete es westdeutsch, modern, ja mondän an, denn es stand was drauf?

Kaugummi? – Klar, sonst hätte ja keiner gewusst, um was es sich handelt. Ich meine das Wort!

S

P

A

E

R

M

I

N

T

Das! war wahrscheinlich ein Versehen, schließlich hat die DDR nix freiwillig vom kapitalistischen Feind übernommen. So war der Hot Dog die Ketwurst und das Chicken der Broiler. Kreativ, oder? Muss man sich mal vorstellen, saß da prinzipiell der Vorläufer des heutigen Marketings und hat sich den ganzen sozialistischen Arbeitstag lang den Kopf zerbrochen, wie man Dinge umbenennen kann. Wow, da pfeife ich anerkennend durch die Zähne, denn ich hätte diesen Job auch gern gemacht, bin schließlich erfolglose Autorin. Da müsste doch was gehen.

Wusstet ihr, dass der Stoff Nylon aus der BRD in der DDR mehr oder weniger kopiert wurde und Dederon hieß? Und habt ihr bemerkt, dass im Wort DEDERON – die Buchstaben DDR sind?

Leute! Das ist doch schon die Grenze zur Genialität!

Back to Basic, da ich ja keine Dederon Marketing Managerin mehr werden kann.

Das grüne Kaugummi lag also immer irgendwo in meiner Koofhalle und lauterte nur darauf, dass ich es kaufte. Soweit ich mich erinnere kostete der Spaß 40 Pfennig und ich kaufte das Teil gefühlte 5 Mal bis zur Wende, weil …

Ausgepackt war er ähnlich grün wie injepackt, dann aber, wenn man ihn in den Mund steckte, war er:

– zu groß

– zu kantig (piekte im Zahnfleisch)

– zu hart (wahrscheinlich schon ein paar Jahre alt – mit uns konnten se es ja machen)

Und wenn ich den mit meinem Kindergebiss endlich, endlich durch hatte, ließ er mir so zirka acht Minuten Zeit, bis er sich im Modus der Selbstzerstörung im Mund atomarisierte. Er zerfiel also in kleine und jetzt kommt es, er zerfiel in 3.754.842 Atomgroße Einzelteile, die …

Ja …

Wie soll ich das denn jetzt wertneutral beschreiben?

Bedenkt, ich hab es echt versucht.

Also dieser elende, scheiß-wichs-drecks-Gelumpe-Kaugummi zerfiel in super-widerliche-kaum-aushaltbare-bittere Flatschen. Das war der Moment, in welchem ich mir einen westdeutschen Zungenreiniger gewünscht hätte.

Coming soon IV: Ominöse Feiertage

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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