Über Zeit

Zeit ist die Füllmenge an Langeweile, die man fähig ist, in einem Moment zu empfinden. Vor allem aber, ist sie die Fähigkeit, mit dem was man tun sollte zu warten, bis man es nicht mehr tun kann, um dann zu behaupten, dass man es will, aber nicht schafft. Zeit ist ein Kontinuum, und als solches gebunden an den Raum. Das heißt das Wann, ist immer eine unzulängliche Information, ohne das Wo. Erst durch dieses Kontinuum wird es überhaupt erst möglich, irgendwohin zu spät zu kommen. Darin liegt nämlich die praktische Anwendung. Man muss wissen, wohin man will, und braucht dann auch noch einen Zeitpunkt. Sonst könnte man nirgendwo nicht ankommen. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Pünktlich-sein. Kommt aber so gut wie nicht vor, also darf man diese Aufzählung vernachlässigen. Zeit ist auch das, was man bei einem langen Vortrag aus den Menschen saugen kann, was man daran merkt, dass langsam ihre Augen glasig werden. Man kann die Zeit also stehlen, aber scheinbar nicht zurückgeben. Außerdem ist sie ein begrenzter Rohstoff, was vor allem dann spürbar wird, wenn man sich gerade im Urlaub befindet. Außerdem hat Einstein einmal behauptet, dass sie relativ sei. Das bedeutet, sie dehnt sich wenn uns etwas quält, oder zieht sich zusammen, wenn es lustig wird. Interessanterweise kann diese subjektive Zeitspanne von zwei gleichzeitig Beteiligten als völlig unterschiedlich empfunden werden. Zum Beispiel beim Kauf von Schuhen, bei welchem Frauen meinen, sie wären doch gerade erst angekommen, während die Männer darauf schwören, dass bereits eine Ewigkeit vergangen wäre. Genau umgekehrt ist es dann lustigerweise oft im Schlafzimmer. Zeit als Träger, der immer gleichen Information, wird in seiner Spannweite also oft als unterschiedlich empfunden. Ein weiterer besonderer Umstand ist, dass man Zeit theoretisch unendlich oft teilen kann. So kann man die Hälfte einer Sekunde nehmen, und diese wiederum in die Hälfte teilen, was sich beliebig oft wiederholen ließe. Womit sich sagen lässt, es gibt kein Atom, kein Unteilbares der Zeit. Trotzdem schafft es aber fast niemand, sich seine Zeit aufzuteilen. Der Volksmund behauptet oft, Zeit wäre kostbar. Was die Einen so verstehen, dass man sie gut nutzen sollte, während die Anderen glauben, Zeit ist Geld, was so einfach nicht stimmen kann, weil die Meisten viel Zeit darauf verwenden, eben dieses Geld zu verdienen. Richtig müsste man also sagen ›Zeit statt Geld‹. Auch interessant ist, dass Zeit sich immer in die selbe Richtung bewegt, nie umgekehrt. Darum ist morgen, heute gestern und aus dem Gestern, wird dann nie wieder heute. Was natürlich bedeutet, dass alle die von Gestern sind, keine Zukunft besitzen. Zeit ist die Kraft, die an unseren Uhren dreht, und Brüste immer weiter zu Boden sacken lässt. Die Kinder zum Wachsen bringt, und Opa schrumpfen lässt. Zeit ist das, was ich jetzt nicht mehr habe, und darum aufhören muss, aber schön war’s.

Vergessen ist der Neigungswinkel der Zeit, beim Schreiten über das Gefälle der Aufmerksamkeit. Das müssen Sie aber nicht verstehen.

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