Da waren wir vorletztes Wochenende wieder. In der DDR 😎
Zwei Jahre später, residierten wir erneut in einer ostdeutschen Fachwerkstadt zur optimalen Federweißer-Wein-Sekt-Prosecco-Rum-mit-und-ohne-Coke-Zeit, um unseren medizinischen Kongress über zwei Tage zu besuchen und die Aussteller anzusehen, Gratisproben abzugreifen und was?
Genau – feiern.
Anreise freitags, war der Kongress mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit interessant für …
… huch, ein Eichhörnchen, aber das Wiedersehen und vor allem das unglaublich lustige Vorglühen am Freitagabend im Hotelzimmer und auch der Samstag sollten uns alle schnell zusammenbringen.
Knapp 400 km später parkten wir den Wagen in der Tiefgarage des Hotels und bezogen unser Zimmer gegen 16:00 Uhr. Koffer wurde für zwei Tage nicht ausgepackt, da bin ich konsequent. Den Rum noch schnell ausgepackt, drei Flaschen – logo, wir sind in Dunkeldeutschland. Da wird gefeiert, uff ostdeutsch jefeiert. Dazu die Flaschen Coke in den Kühli und nen paar Snacks, der Abend konnte kommen.
Peter sollte sich später (haha, reimt sich) bei den französischen Kartoffelchips vor allem wegen eines Turms auf der Verpackung freuen. Diese Ostdeutschen, bis heute Verpackungsopfer. Da gibst du dir aus dem goldenen Westen voll Mühe für die Kulturbanausen und was finden sie geil? Die Verpackung.

Die verschwörerische Anweisung zum geheimen Treffen kam ohne Umschweife aufs Handy:
18:00 Uhr. Zimmer 335!
Schließlich sind nur die elitären zehn am Freitag und sieben am Samstag ins Zimmer der Zimmer injeladen, um sich einen reinzubimmeln und dann fett zu feiern.
Yeahh … wie Weihnachten, Ostern oder was auch immer auf einen Tag, machte ich mich schick, schließlich glühen wir ja gemeinsam für den großen Bankettabend vor. Ich gefalle mir so weit, wobei ich da echt Pragmat:innen 🤪 bin und es geht der Anweisung entsprechend direkt in das Zimmer 335.
Krasser Scheiß, denn wir hatten vergessen, so alibimäßig ne Jacke über die Auswahl an Rum, Snacks, ähm Verpackungen und Coke zu werfen, denn wir latschten mit dem offenen neumodernen Tragedingens über die edlen (Medizinkongress) Hotelflure und zogen natürlich alle Blicke auf uns, da die Pullen klimperten und die Verpackungen knisterten.
Logo, dachten doch alle, die unseren Weg kreuzten: Scheiß Trinker da. Boah, sind die problematisch. Haste die Menge gesehen, die spinnen ja. Das kann ja keiner trinken.
Natürlich nicht, wir befinden uns bei den Galliern, alle fragten uns also, in welches Zimmer sie kommen sollten. Wir grinsten, aber das durfte nicht verraten werden, schließlich könnte diese Information dazu führen, dass Peter und ich zu wenig Rum für uns haben würden.
Wir schwiegen.
Im Zimmer gab es zuerst herzliche Umarmungen, so richtig echte, menschliche Freude, die selten geworden ist und unglaublich guttut. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Ellen, an die witzigste aller Frauen zwischen Leipzig und Dresden sowie an die edle Frau, die dieses Zusammentreffen ermöglicht.
Anfangs tun alle so, als wären drei Flaschen Rum und die gefühlten anderen 18 Flaschen ne Hausnummer.
Nur kurz, keine Sorge, denn zack, die erste Rum Cola ist gemixxt und Wein, Sekt und was auch immer sind offen und eingeschenkt.
Stößchen, Skoll, Prost …
T minus 90 Minuten, dann startet der Bankettabend, der zwar großartiges Essen und Getränke parat hält, jedoch den Charme und das Flair eines Bankettabends am Flughafen oder Hauptbahnhof hat. Heißt also, es ist so unfassbar laut, dass es stresst. Viel zu viele Menschen!
Stößchen, Skoll, Prost …
Stößchen, Skoll, Prost …
Stößchen, Skoll, Prost …
Stößchen, Skoll, Prost …
Die Flasche Rum aus Barbados schmeckt für dein Einstieg fast zu gut und zeigt schnell Wirkung, was daran liegt, dass noch niemand was gegessen hat. Kausal, sozusagen.

Alle quatschen, Madeleine lacht bei jedem noch so flachen Witz ihr Lachen, dass nur sie hat und alle lachen mit. Geht nicht anders, obwohl wir mit diesem hohen, Orgasmus-gleichen Gejohle noch insofern auffallen sollten, als dass der Wintergarten geschlossen werden musste.
Uhrzeit – alle – wollen – schlafen – Zeit – Erinnerung. Aber dazu erst später.
Ich merke, dass ich einen im Tee habe und finde alles leicht, lustig und verhungere jede Minute.
Plötzlich ist es soweit, Peter sieht endlich ein, dass ich einen großartigen Rum-Geschmack habe und macht ein Foto von dem dahinschwindenden Rum aus Barbados. Um den nach-zu-koofen, sagt er mit einem so fetten Dialekt, dass ich voll lachen muss und glücklich bin, dass es nicht nur um den Papagei auf der Glasflasche geht. Bei Peter weiß man ja nie! Er würdigt auch adäquat, dass ich 1-Liter Flaschen dabeihabe. Der Mann hat nen Blick fürs Detail.
Ich unterhalte mich mit Peters Frau, auch wenn die beiden (noch) nicht verheiratet sind und ahne nicht, mit welchem Entertainment-Biest ich da gerade quatsche. Noch geht es um so seichte Inhalte wie Personalentwicklung, Idioten und dem Sinn des Lebens.
Hätte ich geahnt, was des Peters Fastfrau auf dem Kasten hat, hätte ich alle namenhaften Schauspielschulen her zitiert und ihr den Wechsel von der wahrscheinlich großartigen Medizinerin zur Nation beeindruckenden Entertainerin ermöglicht.
Erkenntnis verpflichtet eben.
Wir latschen alle runter und finden zwischen gefühlt achtausend anderen Menschen noch einen Tisch für uns zehn. Die Lautstärke ist so ohrenbetäubend und brechreizverursachend, dass selbst mein Hunger sich freiwillig zurückzieht. Ellen und ich sitzen direkt nebeneinander und schreien uns 1A aus vollem Herzen an, mit irgendjemand anderen könnten wir uns aber auch nicht unterhalten. Unmöglich.
Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für den in Barbados hergestellten Rum und danke intrinisch Coca-Cola, weil ich das hier nüchtern wirklich nicht könnte.
Irgendwer hält eine wahrscheinlich monatelang vorbereitete Dreiminutenrede und dann?
Bleibt es laut. Überraschung!👌
Keine Musik, Kapelle oder Humptataaa. Nichts. Ich frage mich, wer auf solche Abendbrot-Ideen kommt und hole mir erst mal was zu essen.
Barbados-Rum-Peter neben mir erklärt sich nach den dritten Teller zum Buffetschwein und wird später noch einiges vertragen, während seine Frau Energie sammelte, um später als Stand-up Comedian aufzutreten, während der Rest sich wahrscheinlich anschreit, ich aber nichts davon mitbekomme. Dafür habe ich ein großartiges Gespräch mit Ellen.
Coming soon: Comedian, Rum und zurück im Hotelzimmer.