Eigentlich saßen wir einfach nur in diesem Gefühl latenter Übelkeit beisammen, uns einredend, dass wir dadurch irgendwie älter und reifer wären. Die ersten Schlücke waren wie kleine Pfade, die zu begehen sich so wundervoll verboten anfühlte, und die Musik kam irgendwie anders, und ich konnte sie besser empfinden. Ich glaube, dass die richtige Musik jeden Rausch erst echt macht. Weil man sie dann wie Gefühlswellen empfindet, und man später jedes Lied immer wieder wie ein Fotoalbum hören. Und weil es das ist, woran man sich später melancholisch erinnert, an dieses Kontinuum aus Musik und Erfahrungen, und umso kitschiger die Musik, desto besser unterstreicht sie später den Moment, weil wenn man ehrlich ist, auch die besten Augenblicke kitschig sind. Die Bierflaschen standen in einem obszönen Winkel von unseren Gesichtern ab, während das Glitzern des Glases unsere Augen blendete, und wir wagten uns tiefer in den innerlich gedämpften aquatischen Mikrokosmos des Rausches. Ein idiotischer Tanz der Sinne begann, als ob etwas in unserer Seele falsch verkabelt wäre, diese selige Erlösung der Trinkerdummheit, die Konturen verschwammen, und ich tauchte in ein Kaleidoskop von Farben und grundlosem Lachen. Ich spürte diesen berühmten Schwund meiner Hemmungen, und bald wurde alles begleitet von unserem schelmischen Lachen, das sich mit dem anti-rhythmischen Schaukeln der Welt vereinte. Wir redeten über das Ficken, obwohl wir beide noch Jungfrauen waren, und wen wir alles gerne ficken würden, weil unsere Leben plötzlich Episoden in dieser vorgealterten Nacht waren, in der wir uns beide vorspielten Erwachsene zu sein, und weil das gespielte Erwachsensein nun mal das bessere, ideale Erwachsensein ist, berauschten wir uns doppelt an dieser Euphorie, und taten so, als würden wir uns gegenseitig alles glauben.
Ich schwamm in den Wellen dieser Euphorie, und ein Lächeln malte sich auf mein Gesicht, im Zentrum dieses eigenen kleinen Universums, zweiter Siebzehnjähriger, die sich an der Übertriebenheit ihrer Geschichten gegenseitig übertrumpften. Ein Hauch von Freiheit schwebte durch die Luft, und die Konturen des Lebens verschwammen zu impressionistischen Pinselstrichen, und ich fand mich in einem Gemälde aus den Glanzlichtern der Betrunkenheit wieder. Wir entdeckten gemeinsam eine neue Sprache, eine, die in dem reichen Zeichenschatz von Lallen und dem geistigen Stolpern eines alkoholisch desorientierten Geistes liegt, bis ich mich aus diesem Traum wieder zu meinen Stiefeln ergeben musste, in dem kleine Bröckchen meiner flüchtigen Freiheit schwammen, während das Echo der Nacht leiser wurde und wie die untergehende Sonne in dieser Erinnerung versinkt, in der sich die Schönheit der Jugend im Alkohol spiegelt.
Großartig!
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