Mr. Wackelauge und Mrs. Sexerzwingerin. Part V

Lachend zog er sie in das sündhaft teure Restaurant. Nadine checkte gedanklich den Inhalt ihres Geldbeutels und musste feststellen, dass sie sich das hier definitiv nicht leisten konnte. So ein Steak mit Rotwein kostete mal eben über hundert Euro.

Alternativ, grinste sie lässig, könnte sie ja abwaschen, oder ihren Körper verkaufen. Sie strich den letzten Gedanken wieder. Der Kellner wies beiden den Platz, ein einsamer Tisch in der hinteren Ecke des Nobelschuppens. Spontan dachte sie an Sex auf dem Küchentisch. Spontaner verwarf das Engelchen diese Idee kopfschüttelnd.

»Blöde Kuh«, zischte Nadine. Sie setzten sich und Nadine sah, dass sich das Teufelchen die Hände rieb. Orrrr, worüber freute der sich denn jetzt? Steak? Wein? Sex? Küchentisch? Dass sie Engelchen gerade doof fand? Hörte das Kopfkino auch mal wieder auf? Also irgendwann im Leben?


»Wie heißt du eigentlich«, erstaunt über so viel Geistreiches, lächelten Nadine, Engelchen und Teufelchen souverän in sein wunderschönes Gesicht. Alle drei freuten sich diebisch, dass die Schüchternheit fürs Erste ad acta lag.
»Mr. Wackelauge und du«, fragte er und da war er wieder, der Schalk in seinen Augen. Das konnte er haben.
»Mrs. Sexerzwingerin«, konterte sie und wuchs erneut um drei Zentimeter.

Okay, okay, alle drei wuchsen um drei Zentimeter.
Anscheinend belustigte ihn dieser unfassbar, einzigartige und absolut geniale Konter, denn er vergrub sein Gesicht lachend hinter der Speisekarte. Sie tat es ihm gleich und steckte ihre Nase in die Karte. Als erstes suchte sie einen fruchtigen Bordeaux, der hervorragend zum Steak passte.


»Was trinken wir, Mrs. Sexerzwingerin«, seine Stimme klang leicht. Er hörte sich relaxed und zufrieden an, sie mochte das und fragte sich, ob er, nachdem sie ihn in ihrem Bett hatte, nur noch lallen würde, da sein Entspannungsfaktor ungeahnte Sphären betreten würde.


»Den hier«, Nadine drehte die Karte in seine Richtung und zeigte auf ihre Wahl.
»Welchen«, hörte sie ihn fragen, da er noch immer mit der Speisekarte beschäftigt schien. Nadine schaute auf den Namen des Weines und wusste nicht wirklich, wie der ausgesprochen wurde.
Teufelchen lachte. Prima, ganz klasse.
Château Vieux Coutelin 2011 Sie konnte das schon lesen. Aber wie sprach sie das nun elegant aus, schließlich hatte sie nie französisch.


»Hm«, merkte er an. Sie sah in sein Gesicht. Seine Mundwinkel zuckten.

»Gib zu, du kannst den Namen nicht aussprechen.«
Zugeben oder Abstreiten, überlegte sie kurz, entschied sich aber für Authentizität, schließlich konnte sie die zehn Kilogramm zu viel auch nicht weg atmen. Was wirklich sehr, sehr schade war.
»Erwischt«, gab sie zu und sein Gesicht nährte sich. Er grinste. Ganz kurz vor ihren Lippen hielt er inne.

»Hast du eigentlich eine Ahnung, wie schön du bist … und wie witzig?« Während er sprach, streiften seine Lippen ganz sanft ihren Mund. Würde seine Hand nicht direkt unter ihrem Kinn liegen, würde sie sich reflexartig umschauen, ob nicht irgendeine andere ganz witzige oder schöne Frau hinter ihr saß. Erneut küsste er sie, doch dieser Kuss war bedachter, langsamer und sie irre machend. Sie schmeckte ihn und war versucht, alles um sich herum zu vergessen, als sie etwas auf ihrem Oberschenkel fühlte.
Das ging jetzt aber zu weit. Ähm, zu schnell, denn weit stimmte so nicht, er saß ja fast auf ihrem Schoß.


War das billig oder genial?


Billig oder genial?


Billig oder genial?


Sex auf dem Tisch?


»Was ist«, wollte er von ihr wissen, da er merkte, dass sie stockte.
»Deine Hand auf meinen Oberschenkel«, stotterte sie mehr, als dass sie es normal aussprach.
Sie sah ihm ins Gesicht und bemerkte, wie seine linke und rechte Hand neben seinem Gesicht auftauchten.


»Hä«, jetzt war er verwirrt und es stellte sich die Frage, wessen Hand da NOCH IMMER ihren Oberschenkel streichelte?

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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