Wie Geschichten an dir vorbeigehen

Früher habe ich mich gerne auf dem Bahnhof irgendwo hingesetzt, nur um die Leute dort zu beobachten. Wenn man etwas lange genug beobachtet, wird man ein Teil davon. Man spürt wie diese fremden Leben auf einen abfärben. Wie Geschichten an dir vorbeigehen, schnell oder langsam, und dir Momente aus ihrem Leben erzählen. Du fängst an ihre Geschichte zu antizipieren, lauscht ob du vielleicht eine Stimme zu ihren Gesichtern aufsammeln kannst, ob sie vielleicht unerwartet hell oder dunkel sind. Du besiehst ihre Kleidung, du stellst sie dir nackt vor. Du suchst in ihrer Mimik nach winzigen Ausdrücken, die ihnen vielleicht selbst gar nicht bewusst sind. Und du siehst schnell weg, wenn sich jemand beobachtet fühlt, und du mit deinen Augen zu nahe an ihn herangetreten bist. Man muss die Menschen wie wilde Tiere beobachten und immer darauf achten, dass sie nicht scheuen. Dann gehst du ihnen mit den Augen nach und sammelst ihre privaten Augenblicke die sie fallen lassen und versuchst diese Fetzen wieder zu einem ganzen Schriftstück zusammenzufügen, als ob jemand einen Brief zerrissen und verstreut hätte.

Ein Kommentar zu “Wie Geschichten an dir vorbeigehen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: