Wenn Eltern ihre Kinder schlagen

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen kommen immer wieder die selben Sätze und Erklärungen zum Vorschein: »Mir tut das mehr weh als dir« ― »Siehst du, wozu du mich bringst?« ― »Warum zwingst du mich dazu?« ― »Meine Mutter hätte mich umgebracht, wenn ich so gewesen wäre wie du« ― »Wir könnten es so gut haben« ― »Ich tue alles für dich und das ist der Dank« ― »Ich arbeite so hart und du tust mir das an«.
Ich habe sogar zwei große Aquarien solcher schwimmenden Sätze. Eines für davor und das Andere ist für danach: »Du darfst das niemandem sagen, sonst nehmen sie dich mir weg« ― »Hast du etwas daraus gelernt?« ― »Ich tue das, weil ich dich liebe« ― »Findest du nicht, dass du das verdient hast?« ― »Ich habe dich doch nicht zu fest geschlagen?« ― »Mir tut die Hand weh wegen dir« ― »Du weißt, dass die Mama das nicht gern tut«.
Das sind die zwei großen Kanister mit dem Öl welches man auf das Feuer gießen kann. Es sind immer und immer wieder die selben Sätze, mit leichten Abwandlungen natürlich, in verschiedenen Dialekten, aber eigentlich klingen sie alle gleich. Irgendwie kommen sie aus den Mündern all dieser Eltern gleichzeitig. Das ist einfach so dumm und wahr. Und wenn mir einer dieser Menschen seine Geschichte erzählt, dann ist es immer auch meine eigene Geschichte, die ich zu hören bekomme. Eine ständige Wiederholung der Schilderungen ihrer Abläufe. Das selbe Aufflackern von Verleugnung und Schuld. Dieses in den Schutz nehmen der Menschen von denen man geschlagen wurde. Der Zweifel ob das alles wirklich passiert ist, oder es nicht doch kindliche Einbildung war. Das Komische ist, dass ich mich an die Dunkelheit meiner Kindheit kaum noch erinnern kann, weil sich die Erinnerung mit dem Nachdenken vermischt hat. Ein Denken aus Gedanken, die endlich schlafen wollen. Dieser Wunsch einen Teil von sich selbst einzuschläfern. Ins Licht zu gehen durch den langen Tunnel des Vergessens.

2 Kommentare zu „Wenn Eltern ihre Kinder schlagen

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