Anfangspunkt

Ich habe mir das Schreiben ausgesucht, da ich ein sehr guter Beobachter bin, auch weil ich in meinem frühen Leben so passiv war, und meine Angst vor Menschen paradoxerweise dazu führte, dass ich mich sehr für ihre Wesenhaftigkeit interessiere. Ich wollte meine Ängste verstehen, und darum wollte ich die Menschen verstehen. Das führte bei mir zu einem seltsamen Amalgam aus Distanz und Nähe, das ich empfinde, wenn ich sie betrachte. Ich halte mich für relativ intelligent, aber habe keine besonderen Fähigkeiten kultiviert, und deswegen, weil man beim Schreiben immer wieder bei Null beginnt, dass ist der wiederkehrende Anfangspunkt von Prosa und Lyrik, das weite, weiße Papier und die Einsamkeit der eigenen Gedanken, die man mit dieser Leere zu etwas verbindet, worin sich das eigene Leben ein Stück weit verankert. Schreiben ist eine Fiktion, aber etwas das sich für mich unglaublich echt anfühlt, weil ich dabei ein Stück meiner eigenen Grenzen aufheben kann. Es ist reflektierend und auf das Leben bezogen, aber gleichzeitig hat es auch einen meditativen Charakter. Es hilft mir sowohl Dinge heranzuziehen, als auch diese loszulassen, und mein eigenes Leben, in viele kleinere Leben zu zerteilen, und die Module meiner Seele beliebig zusammenzusetzen, indem ich mir einen eigenen inneren Kosmos gebe, worin ich tauchen kann, in einer Welt ohne Unterscheidung zwischen Betrachter und Betrachtung, und auch wenn ich das Wort scheue, würde ich es als meine Religion bezeichnen. Weil Schreiben eigentlich etwas ist, das ich immer schon getan habe, etwas das eigentlich nur die Fähigkeit zu denken und sich zu wundern ist, auch vor meinem Beschluss es durch Niederschriften zu konservieren und festzuhalten. Ich habe diese tiefe Reflexion, welche bei mir zwanghaft ist, in etwas verwandelt, mit dem ich mich mir selbst gegenüberstehe, und durch diese Form von Kunst gelernt zu gleiten, wo ich sonst nur Widerstand spüren müsste, weil ich ohne all das einen Teil von mir immer als abwesend empfinden würde, wenn ich das Bedürfnis habe mich gedanklich mit den Dingen rück zu verbinden. Das ist für mich Physik, Chemie, Mathematik und Religion. Das ist mein Skelett der Realität, meine Magie. Ich habe dadurch etwas Entkerntem seine Mitte zurückgegeben.

3 Kommentare zu „Anfangspunkt

  1. Der Kommentar wurde übrigens nur genehmigt, weil ich möchte, dass hier jeder, unzensiert seine Meinung sagen darf. Egal ob das meinem Ego schmeichelt. Dennoch werde ich es ab hier ignorieren.

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