Ritualwochenenden sind ja etwas unfassbar Cooles!
Wartet, nochmal von vorn, man darf in der heutigen Zeit nicht mehr verallgemeinern. Das ist nämlich uncool und so.
Ritualwochenenden können ziemlich kacke oder ziemlich cool sein. Je nachdem, mit wem man unterwegs ist, scheint alles im Rahmen des Möglichen zu sein. Sucht euch was aus, mir egal.
Mein (unser) drittes Ritual-Wander-Wochenende war großartig. Lustig, schlammig, kalorienreich, waldig, schienenreich, kalt und der Weihnachtsmann ist nicht mehr das, was er einst war.
Aber dazu kommen wir später.
Am Freitag trafen wir uns in einem stehenden Kreuzfahrtschiff in Friedrichroda. (Wer wissen will, wo wir waren, sollte das riesige Teil mit Panoramablick (zwinker) finden. Die Anreise staureich mit Regen und Nebel, sollten wir alle gegen 18:19 und 12 Sekunden wieder vereint sein. Nicht nur rhetorisch wiedervereint, schließlich waren ein Wessi und sechs Ossis dabei.
Als erstes freuten wir uns so sehr über unser Wiedersehen, dass sich alle drückten, knufften, bufften und herzten. Hach … einfach schön. Ein Jahr ist lang, aber alle und alles ist vertraut. Und alle an Bord, denn die Älteste ist 82 und die Jüngste 47 Jahre alt.
Bevor wir alle was essen gingen, wurde selbstverständlich mit zwei Flaschen Sekt auf unser Ritualwochenende angestoßen, dazu darüber sinniert, dass dieses Hotel wie ein Kreuzfahrschiff in den Punkten Größe, Ausstattung und Service auf uns wirkte. Ich und mein Serviceherz waren tief, tief beeindruckt, dass es folgende Dinge in diesem ehemaligen DDR-Hotel gab:
Warmes Schwimmbad
Flur im Hotelzimmer mit Tür zum Hauptraum
Gusseiserne Heizkörper, die auf Stufe 2 400 Grad können
150 qm Flur vorm Fahrstuhl
Kino mit vier Vorstellungen am Tag
Kinderparadies
Dart
Kaffee rund um die Uhr
Eine Bar
Vitrine mit Geschmeide
Vitrine mit Geschmeide
Vitrine mit Geschmeide (es waren eben drei Vitrinen)
Popcorn-Maschinen-Automat
Langnese-Eis-Automat
Schlagermusik am Abend
Normale Musik am Abend
Einen Biergarten
Outdoor-Schach
Bocha
Curling
Abenteuerspielplatz
Grillecke
Kosmetika, Zahnbürste, Kamm, falls zu Hause vergessen
Kleiner Weihnachtsbasar
Unfassbar viel weihnachtliche Deko
Ein DDR-Notruftelefon im Fahrstuhl – Nein, nicht um die DDR in der Not zurückzurufen, sondern wen auch immer, wenn man in einem der fünf Fahrstühle steckenbleibt.

Gerade überlege ich, ob ich den Link des Hotels in meinen YouTube-Channel verlinke und ordentlich mitkassiere, es scheitert aber grandios daran, dass ich keinen Channel habe und dazu, dass das Hotel keine Ahnung von meiner Story hat.
In jedem Fall habe ich bestimmt zehnmal an diesem Wochenende darüber nachgedacht, dass hier keine Wünsche offenbleiben würden. Es ist einfach an alles gedacht. Wer auch immer hier an alles denkt, Glückwunsch, du Genie. Zusammenfassend hätte mir und wahrscheinlich 1000 anderen Menschen einfach nur das gefehlt, was wir zu Hause vergessen haben.
Gut, 19:00 Uhr finden wir uns ganz oben im Restaurant ein und tauschen uns erstmal zu den vergangenen Monaten aus, schließlich haben wir uns ja ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen. Meier und Frau ging es gar nicht mal so gut in der vergangenen Zeit, aber weder sie noch er haben ihren Humor und ihre Haltung verloren. Dafür von mir Chapeau. Krank sein ist nicht leicht. Ihr habt das super gemacht. Wobei Meier immer noch eingeschränkt ist, denn er muss seit vielen Tagen in die Tagespflege. Naja, Reha, aber des Meiers Frau macht sich über den Alten lustig und erklärt uns, dass es ne Tagespflege ist.
Meier ist wahrlich der Alte, denn er isst wie im letzten Jahr was?

Genau! Roulade mit Rotkohl, schließlich sind wir in Thüringen und da gibt es nix anderes.
Leider schmeckte das Teil nicht so wirklich, was schade war und so überlegte Meier umgehend, wie er sich das Debakel am ersten Abend versüßen konnte. Nach einigem hin und her entscheidet er sich, dass es eine Eismaus sein sollte, schließlich hätten Maus und er sehr ähnlich große Ohren.
Bestellt!
Wir zucken zusammen, als die gruselige Eismaus an den Tisch gebracht wurde und Meier erklärte sich ab sofort für traumatisiert. Da es bereits 20:00 Uhr war und das Restaurant 22:00 Uhr Feierabend hatte, schließen wir nicht aus, dass es sich bei Maus um eine ernstzunehmende Warnung an uns handelte, in den nächsten 30 Minuten hier die Segel zu setzen und weiterzusegeln, schließlich gibt es da unten im Hotel mehr als genug Entertainment.


Zum Vergleich für Sie, mal Maus in der Werbung und gelieferte Maus. Wenn ich bedenke, dass Maus eigentlich für Kinder sein sollte, ziehe ich in Betracht, dass Maushersteller in der Küche ein Sadist ist oder einfach nur großartig Nichtkreativ. Da nützt die niedliche Story rund um Eismaus mit den großen Ohren auch nichts. Die Küche war enttarnt. Roulade und Maus sind für uns genügend Indizien, aber da Meier nen cooler Typ ist, verschlingt er das eisige Trauma und wir suchen die Sitzmöglichkeiten in unserer Etage auf, also jene 150 qm.
Alle strömen in die Zimmer und typisch ostdeutsch bringen alle ihre Mitbringsel zurück in die Fahrstuhl-Vorhalle.
Wir haben eine riesige Auswahl an Getränken und Snacks und der Abend beginnt mit der Frage, wo wandern wir morgen, wann frühstücken wir und wie gehen die Schwimmwilligen schwimmen.
Der Rotwein ist wenige Minuten später offen, die ersten Kurzen inhaliert, da ist klar.
09:00 Uhr Frühstück.
Davor alle die wollen ins Schwimmbad.
Wir laufen von hier 16 km nach Gotha.
Auf den Weihnachtsmarkt.
Jawohl.
Coming soon Part II