Kongress der Mediziner – oder Tonne 38 / Part II

Als wir alle gesättigt sind und auch Peter (endlich) aufgehört hat zu essen, verlassen wir mit einem zuvor georderten Tablett alkoholischer Getränke die Location und setzen uns in und unter sowas mit Glasdach. 

Wintergarten versus Atrium. 

Da ich beim Schreiben der Story keinen Plan habe, was da der Unterschied ist, lasse ich das mal so stehen. #Selbstbewusstseinkannich!

Wir sitzen also alle draußen, Wetter ist mega für September und wir quatschen, trinken und versuchen das gute Essen zu verdauen. Paule bekommt aufgrund meiner motorischen Defizite volle Kanne nen Glas Sekt über den Minirock geschubst. An dieser Stelle frage ich mich, ob ich mich entschuldigt hatte.

Entschuldigung!

Dazwischen müssen wir alle unglaublich viel lachen, was am Pegel und Madeleine liegt. Wie bereits geschrieben, ist dieses aufjuchzende Lachen absolut unverwechselbar. 

Alle, die jetzt schon schlafen wollten, finden das Lachen nicht so cool wie wir und der Wiedererkennungswert sorgt dafür, dass wir alle den Innenhof mit Glasdach räumen müssen, weil spät und so.

Deutschland eben, 22 Uhr. An vielen Stellen, denke ich, hat die Gesellschaft ihren Humor längst verloren … oder nie gehabt.

Kein Thema, es gibt ja unser Backup, schließlich fahren wir mit dem Fahrstuhl schnurstracks in Zimmer 335 und machen da weiter, wo wir vor dem Essen aufgehört hatten.

Kartoffelchips, Wein, Sekt, Rum, Coke!

Plötzlich und ohne erkennbarer Vorwarnung, fängt des Peters Frau an von Urlaubsgewohnheiten, Bootstouren und weiteren familieninternen, unfassbar lustigen Begebenheiten zu erzählen.

Das tut sie aber nicht wie alle anderen Menschen, indem sie auf ihrer Sitzmöglichkeit verharrt und redet, weit gefehlt. Denn nichts hält sie auf ihrem Platz. 

Sie zieht an ihrem Shirt wie eine Amazone kurz vorm Kampf oder Sex, fällt dem Peter ins Wort, weil er es einfach nicht korrekt und im Vergleich zum holden Fastweib, einfach nicht enthusiastisch genug erzählt.

Akzentuell springt sie auf und haut uns mit ihrer Ganzkörpermimik aus den Socken. Es laufen teils Tränen, weil sie dazu Gesichtsausdrücke vorweist, die noch niemand je gesehen hat. Unglaublich, wie gut diese Frau ist. Eine begnadete Erzählerin.

Ich frage mich, ob Fastehefrau und ich nen mega Ensemble wären. Humor in Schrift küsst Stand-up-Ganzkörper-Mimik. Dit hätte was, finde ick. Alternativ weist man uns halt ein.

War sagste, Fasteheweib?

Dazu frage ich mich, wie viel Kalorien sie dabei verbraucht?

Wir, alle ordentlich einem im Tee erfahren von ihr, dass der Turm auf der Chipstüte deshalb so cool für Peter ist, weil sie mehrfach in der Bretagne waren und das sozusagen der Urlaubsort schlechthin ist. Quasi der Ort der Orte. Nichts, aber auch gar nichts in diesem und acht Millionen Paralleluniversen kann da mithalten. Nein. Nein und nochmal Nein.

Reminder:

Ihre körperliche Darbietung und die dazugehörige Mimik ist derart ansteckend, fast wollen wir alle aufspringen und den Wagen aus der Tiefgarage holen. Auf gehts. In die Region mit dem Turm auf der Chipstüte. 

Dann erfahren wir, dass der Peter im Urlaub zur Höchstform aufläuft. Er plant und setzt um, da nützt es der siebenköpfigen Familie auch nichts, im Arsch zu sein. Nach Kunst, Kultur und Kapitalismus in der Turmregion gibt es keene Pause.

So gesehen der NichtPausenPeter.

Alle müssen mit. Keine Ausnahmen. Peter nickt eifrig und versteht nicht, was daran schlecht sein soll, schließlich wäre man ja im Urlaub. 

Alle packen sich am Kopf und ich frage mich, wie viel Adrenalin Familie Peter im Urlaub so mit sich rumschleppt.

Alles lacht und trinkt nebenbei weiter. Logo! Die Flasche Rum mit dem gelben Papagei drauf, leert sich, wir beginnen mit der zweiten Flasche. Plantaton, heißt der und Peter meint erneut, dass er den noch nie gesehen hat. Tja, DDR halt, denke ich grinsend. Vielleicht meint er aber auch nur ein Detail auf dem Bild.

Peter eben.

Dann kommt zur Sprache, dass Peter mal ein Boot hatte. Aber nie ne Karte dabei und Kompass lesen für Voodoo hielt. Bei schönem Wetter ja kein Thema, sagen Sie?

Klar, aber die Beispiele am Abend hatten immer den harten Fakt Gewitter in der Story. Die witzigste Frau zwischen Leipzig und Dresden stellte in ihrem unverwechselbaren Humor, nüchtern fest, dass Peter das doch auch hätte lassen können, so ohne Karte und Kompass. Alle lachen und ich knie vor deinem Humor nieder, liebe Dagmar.

Mein Autorenhirn stellt sich des Peters Szenario folgendermaßen vor:

So schipperte er ohne Navigation über diverse Seen in Sax“n und später in Brandenburg. Einmal wollte er die weltbeste Erzählerin aka Fastfrau vom anderen Ende des Sees mit dem Boot abholen. Scheiterte aber grandios am Gewitter, fehlender Karte, Kompass, Weitsicht, Coca Cola und Erdnussflips. Keine Ahnung, was zwischen den beiden dann los war, aber ihr Gesicht schrieb Bände.

Dagmar lachte Tränen und Peter fand, dass das zukünftige Weib übertreibt. Sein Protest war so bewundernswert, er sagte völlig ruhig Sätze wie:

Das kannste so aber nicht sagen.

Das stimmt doch gar nicht.

Ein bisschen anders war es schon.

Ich feiere seine naiv wirkende Ruhe enorm. Er verdient dafür wahrlich Applaus. Oder es ist seine Art Humor, die ich dann ebenfalls großartig finde.

Ich frage mich insgeheim, ob das am Turm auf der Chipstüte liegt, oder an dem Rum aus Barbados, oder, ob das einfach sein Charakter ist?!

Während alle vor Lachen Bauchweh haben, planen wir ein morgiges Abendessen beim Spanier.

Coming soon: Tapas, geborgte Schnitzel und beschissen sitzender Zahnersatz. 😎

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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