
Da beschließen wir im September zu siebt auf den Brocken in Sax‘n-Anhalt zu latschen und zack haben wir Januar und fahren gestern endlose Kilometer, um gegen 23 Uhr in dem verschneiten, ohne freie Parkplätze und furchtbar kalten Schierke anzukommen.
Winter.
Geil.
Kalt.

Aufgrund meiner vielen Lebenserfahrung habe ich ne Wärmflasche dabei und nehme die mit ins Bett. Natürlich gefüllt. Ich habe Glück, denn ich wache ohne Verbrennungen wieder auf, was nicht zwingend die Norm ist. Ich schaffe es nämlich auch, mich an dem Ding zu verbrennen. Komisch, aufwachen tue ich im Prozess des Verbrennens nicht.
Ob mit mir was nicht stimmt?
Superkräfte?
Schlafschmerzbefreit?
Na egal.
Samstag, ja heute. Los geht’s, Treffpunkt Parkplatz Schierke, altes DDR Hotel, wobei die hier fast alle so aussehen wie damals. Gut, dass wir uns nicht verpasst haben.
Wir sieben latschen los. Es geht gleich gut bergan, von oben kommen uns militante Schlittenfahrer entgegen und kurz überlegen wir, da reinzugrätschen, sind aber momentan zu aufstiegsmotiviert. Wobei das für Meier und mich ne gute Idee wäre mit dem Angriff auf die Schlittenleute.
Zurück zu aufstiegsmotiviert: Nicht Karriere, hochlaufen natürlich.
Fichten voller Schnee, der Pfad voller Schnee und es war großartig.

Aber wie alles großartige, gibt es ne Kehrseite, denn Steigerungen laufen ist natürlich anstrengend, dazu kommt, durch Schnee laufen ist wie durch Sand laufen.
Anstrengend Advanced.
Aber der erste der Gruppe, der Wessi vermeldet humorvolle Verluste, mit denen niemand gerechnet hat, denn die rechte Sohle seines Wanderschuhs atomarisiert sich selbständig.
Alle schauen ungläubig auf den Schlappen im Modus der Selbstzerstörung und durchdenken die Ursachen:

- Der Schuh ist vom Aldi-Alda und kostete 29.90€. Alles im Rahmen des Möglichen, schließlich ist das der Schlappen des einzigen Wessis in der Runde und die Kapitalisten sind ja bekanntlich geizig. (Keine Sorge, ist Spaß, der Wessi wird geliebt und gehört fest dazu) und kooft nicht beim Aldi-Alda.
- Montags-Schlappen.
- Die Schuhe sind Äonen von Jahre alt und wenn die Macht nicht mehr mit ihnen ist, zerfallen sie zu Staub.
Wessi klärt auf, dass drittens der Grund sein muss, da er sie das letzte Mal vor 20 Jahren anhatte.
Jetzt muss er sich definitiv Neue holen.
Also im ersten Kilometer verliert der Erste der Truppe seine Sohlen, denn auch die Linke zerfällt zu Staub. Aber er kommt trotzdem mit trockenen Füßen oben an. Der Gott der sich atomarisierenden Sohlen hatte ein Einsehen.
Nach 1.2 Kilometer machen wir die erste Pause und feiern uns dafür hart. Mayer sieht mit seiner Mütze mit dem großen M für Meier stark aus und nascht Wunderbar Riegel und Mettenden, Butterstullen und Klöpse. Krasse Kombi.
Es gibt Kurze, Prosecco, Würstchen, Butterstullen, Glühwein und Obst. Niemand hat Hunger, aber alle essen sich den Bauch dick. Osten eben.
Dann schleppen wir uns weiter hoch. Alle ziehen den Hut vor der Schneekönigin, die sich mit knapp 81 mit uns hochkämpft. Dazu halte ich sie konditionell für besser als mich selbst. Später isst sie Waffeln, Suppen und Würzfleisch. Sie ist der Hammer.
Noch 5 km bergauf. SchlappenWessi kann laufen und wir finden eine Abkürzung, nachdem die nächste Runde Kurze rumgegangen ist.
Alle happy. Es kommt die Frage nach der nächsten Essenspause auf, aber wir laufen weiter und finden den Brocken-Benno-Weg. Ne Abkürzung stand dran. Zack hoch, wir laufen jetzt seit zwei Stunden.
Da jede Abkürzung nen Wermutstropfen hat, ist es bei der Abkürzung die Steigerung von gefühlten 27.34 Prozent. Niemand denkt ans Essen oder Trinken. Alle konzentrieren sich aufs Hochkommen und es fühlt sich so an, als würden wir auf der anderen Seite des Bergs bereits wieder runterlaufen, als wir wieder auf dem Hauptweg kommen.
Immer noch 2.5 km und ich frage mich, was für eine Abkürzung das Schild vorhin meinte. Alles ist jetzt vereist, eine surreale Landschaft. Wunderschön und doch lebensfeindlich, denken wir und legen fest, dass wir als Erstes oben ne Erbsensuppe mit Wurst brauchen. Obwohl keiner Hunger hat.

Wir sind uns einig mit der Suppe, aber wenn wir gewusst hätten, unter welchen Umständen wir diese Suppe später essen werden, hätten wir vielleicht doch am Konzept feilen sollen.
Dann Schockmoment beim Sax‘n. Der Autoschlüssel ist weg, da die Skihose in der Tasche ein Loch hat. Prima, denken wir. Zurückgehen und suchen fällt aufgrund der Schneehöhe aus. Er hat Glück! Schlüssel ist in den toten Winkel seiner Skihose versackt und schwimmt im Hosenzwischenraum unten am Fuß.
Da nicht wirklich klar ist, ob auch der Fußbereich nen Loch hat, fummle ich ihm den Autoschlüssel zurück zum Loch in der Hosentasche. Alle lachen, sieht wahrscheinlich nach Fummeln mit Happy End aus. Egal, Schlüssel gerettet.
Dann kommt unfassbar eiskalter Wind und klatscht uns ins Gesicht. Wir sind fast oben. Es sollen minus 5 Grad sein, aber die fühlen sich im Gesicht wie minus 1266 Grad an. Krass, wie kalt kalt sein kann.
Dann Klamotten ins Hotel und runter zur Erbsensuppe. Diese kostet nicht nur romantische 09,40€, nein, dazu ist die Bude wahrscheinlich am zügigsten Ort auf dem Brocken. Egal. Gekooft und ab Löffel Nummer fünf hat sie knapp null Grad.
Lecker!
Also auf zum höchsten 1142 Meter Punkt und hier winded es derart eisig, dass ich nicht weiß, wie lange ich und die sechs anderen das aushalten.
Überlebt. Wenn auch knapp. Jedes Foto war potentiell ne Fingerabsterb-Situation.
Ab ins siebte Stockwerk, ins Café. Waffeln, Irish Coffee und heiße Kirschen. Der Saxe nen Bier.
Später dann Abendessen. Bei so viel abgelatschten Kalorien, müssen wir ja wieder nachtanken, also Abendessen und aus Meier wird Jemüse-Fred, denn eigentlich hat niemand wirklich Hunger und Jemüse-Fred entscheidet sich für 2 kg Wurzeljemüse. Petra hingegen nascht heute heimlich, was Jemüse-Fred strafend anerkennt.
Und jetzt? Jetzt schauen wir Handball.

Deutschland – Sissi.
Es sieht so aus als würden wir verlieren.
Kacke.
Unentschieden und alle meckern, weil wir nicht gewonnen haben.
😂