Dies wird eine Trostgeschichte. Sie soll allen Menschen da draußen Trost und Zuversicht und auch Humor spenden. Für Menschen, die in Berufen arbeiten, in welchen sie der Gesellschaft Support leisten müssen. Und aus dieser schlimmen Geschichte nicht mehr rauskommen.
Auf Deutsch: Gewidmet allen, die in ihrem Job anderen, ihnen fremden Menschen mit Dingen unterstützen und helfen müssen, die 92,8 Prozent selbst könnten, wenn sie nicht zu faul wären. Oder lesen würden. Nachdenken. Hinhören. Zusehen. Abwarten. Würden …
Also mein Kollege Marc Uwe (Name von der Redaktion geändert, gezeichnet das Känguru 🤪) macht irgendwas mit Medien und mit Pädagogik. #Anonymisierungkannich! So brachte es die Zeit mit sich, dass er wirklich arbeiten musste und Fortbildungen, welche bisher analog, in Präsenz oder mit Mitteln aus der Steinzeit angeboten wurden, von ihm in neu und schick transformiert werden mussten. Man könnte meinen, eine tolle, interessante Aufgabe, oder? Ja! Definitiv ja. Bis zum Livegang. Dann wird’s kriminell aufgrund der Endnutzer an deren Endgeräten.
Ende.
Nee. Spaß.
Als erfahrene Bürotussi war mir klar, dass das immens viel Arbeit werden würde und dass unsere anfangs netten Gespräche bald versiegt sein würden. Dafür war der gewitzten Autorin aber auch klar, dass er aufgrund der ganzen Support-Dummarbeit einfach nur großartig genervt sein würde, was dann auch so kam. Ein Blick in die Gesellschaft – kausal sozusagen.
Hier eine kleine Auswahl an weltverändernden Schwierigkeiten beim Einloggen auf eine Lernplattform und dazu seine gedachten und meine ausgeschriebenen Konter:
Ich habe keine E-Mail bekommen – Doch, hast Du. Alter, wie wäre es mit Lesen?
Können sie mir erklären, was Google ist? – Keine Ahnung, noch nie gehört. Ehrlich.
Also ich habe ja keine Ahnung von diesen ganzen E-Learnings – Ich auch nicht, Mann.
Es wäre sinnvoll, nicht alles noch zeitaufwendiger und komplizierter zu machen als ohne hin schon – Dann geh doch zu Netto! Ernsthaft, für einen Ganztagesworkshop sitzt der Kasper jetzt nur noch zwei Stunden vorm PC und mault immer noch rum. Es wäre auch ziemlich sinnvoll, wenn sie sich jetzt löschen würden. 3 …2 …1
Ich kann nichts sehen – Mach die Augen auf, dann wird’s hell. Alternativ: Licht an? PC an? Brille putzen?
Pflichtveranstaltungen von Vorgesetzten genehmigen lassen – geht’s noch? Ha, ha, ha … der Favorit schlechthin, weil er einfach nur die Mail hätte lesen müssen. Geht´z denn bei dir noch, hm?
Leider habe ich ein Problem mit dem E-Learning. Ich muss da meinen Benutzernamen eingeben, aber ich habe gar keinen – Lösch dich, bitte. Sofort. Deine Kündigung mit einer Gehaltsrückforderung ab 1972 folgt postalisch.
Ich habe bisher keine Zugangsdaten erhalten. Diese Nachricht kam von einem Funktionspostfach. Keine Ahnung, wer da draußen im Universum Zugangsdaten für was braucht. Leckt mich.
Ich habe bisher keine Zugangsdaten erhalten – Kurz geguckt, ob es der Freak von eben ist, nein. Ein neuer Freak. Große Freude. Dieser hier behauptet, er hätte keine Zugangsdaten hat sich aber, Ü-b-e-r-r-a-s-c-h-u-n-g … schon gefühlte 322-mal versucht anzumelden.
Um weiter zu kommen musste man teilweise alle Kacheln anklicken und alle Dropdown Menüs öffnen. Das hat genervt – War so gut, dass es der Titel der Story wurde. Bravo. Applaus. *Rakete zünd!
Da ich Luftlinie lediglich 60 cm neben ihm sitze und Marc Uwe nach einem gemeinsamen Jahr im Büro, diversen Alkohol- und Rum-Tastings in der Freizeit und verschiedenen Essengehen mittlerweile doch recht gut kenne, genieße ich seine rhetorischen Fuck-off Gesten am Telefon. Oder auch diesen einen Blick, wenn ihn die Endgegner mit IQ einer Taschenlampe völlig alle machen oder er Mails so spitzfindig schreibt, so krass an der Grenze zu allem machbaren, aber für den Laien dennoch kaum sondierbar, dass der Empfänger eigentlich gerade gefragt wird, ob er dumm ist. Ich weiß, dass er darunter leidet, weil sie ihn nerven und Energie klauen ohne Ende, aber wenn man jemanden gut kennt und aus allem das rausliest und hört, was da gerade wirklich im Kopf vorgeht, komme ich nicht drumherum zuzugeben, dass ich darüber echt oft lachen muss oder auch beeindruckt bin, wie sehr er in der Lage ist, Kacke nicht als Kacke zu bezeichnen. Chapeau, Marc Uwe. Ich bin begeistert. Belustigt. Habe Mitleid. Aber nicht immer, weil dir die Herausforderung auch manchmal gefällt, auch wenn du es nicht zugeben würdest.
Das Schlimme daran ist, dass er A: zu teuer für so einen Job ist und B: leider auch zu schlau. Ich grinse an manchen Tagen endlos, es gibt bereits Votings, auf welchem Bild er genervter ausschaut und ich überlege die ganze Zeit, wie ich ihm folgende Anleitung für sein nächstes jour-fixe mit dem Chef unterschiebe, damit er seinen so notwendigen Hilferuf absetzen kann.

Marc Uwe? Denk dran die best of zu sammeln, damit wir daraus irgendwann einen Bestseller für alle Supportgebeutelten machen können.
*lächelt rüber …