Knastleben

Die Besonderheit am Knastleben ist, dass man sich nicht aus dem Weg gehen kann. Wenn du draußen mit jemandem Ärger hast, und wenn dieser Ärger dann irgendwann eskaliert, dann kann der Verlierer einfach den Schwanz einziehen, und seinem Peiniger für einige Zeit, oder manchmal sogar für immer aus dem Weg gehen. Der Eine hört für den Anderen im Interesse beider Seiten einfach auf zu existieren. So respektiert man in der Welt da draußen jemandes Dominanz, der dir die Zähne ausgeschlagen hat. Hinter Gittern ist das viel komplizierter. Egal was man einander grässliches antut, spätestens beim Hofgang sieht man sich wieder. Darum kann niemals Gras über eine Sache wachsen. Genau genommen hast du zwei Möglichkeiten, und keine davon ist sonderlich attraktiv: Entweder legt sich jemand mit dir an, und du lässt dir das einfach gefallen. Dann bist du seine Schlampe und jeder sieht, dass du ein Schwächling bist, und man mit dir sowas einfach machen kann. Deine andere Möglichkeit besteht darin, dass du dem Clown einfach mit deiner Faust das Gesicht verstopfst. Klingt gut, aber dieser jemand hat dann durch dich sein Gesicht verloren. Also entweder hat er dann Lust seine restliche Zeit wirklich nur noch mit Einstecken zu verbringen, oder er MUSS sich rehabilitieren, in dem er Rache an dir nimmt. Notfalls gerne auch von hinten, wenn du ihn gerade nicht kommen sieht. Das wird er durchziehen, egal wie übel du ihn auch zusammengeschlagen hast, völlig gleich wie viel Angst er vor dir haben mag, weil er vor den anderen immer noch mehr Angst haben muss, die jetzt alle zusammen, wie ein Rudel Hyänen, seine Schwäche gewittert haben. Das bedeutet außerdem, dass jeder kleine Scheiß eskaliert. Drinnen kann man einfach nicht vergessen und absolut alles schaukelt sich hoch. Alleine schon weil alle immer von einem erwarten, dass man jetzt irgendetwas unternehmen muss. Selbst wenn man keine Lust darauf hat, oder dir wird irgendjemand zeigen, der sich so sehr langweilt, und in dem sich so viel Hass angestaut hat, wie man einen anderen Menschen fachmännisch so auseinandernimmt, dass es nur noch ein verdammt guter Arzt schafft ihn wieder zusammenzusetzen. Im Knast ist das Karma. Der ewige Kreis. Ficken und gefickt werden. Darum ist es immer am besten einfach den Kopf unten zu halten, und jedem Ärger fern zu bleiben. Aber auch das wird natürlich nicht funktionieren, weil es hier drinnen viele Arschlöcher gibt, die verzweifelt einen Grund suchen, warum ihnen heute deine Visage nicht passt. Einfach nur damit die anderen sehen, was für harte Schweinehunde sie sind, und nicht selbst auf blöde Gedanken kommen, was man jemandem alles mieses antun könnte. Und schon musst du jemandem zusammenschlagen, oder du bist für den Rest deiner Zeit seine Schlampe, und danach muss er dich zusammenschlagen. Bis jeder vergessen hat worum es bei der Sache eigentlich ging. Man zählt einfach nur die Punkte wie bei einem Spiel. Nur, dass es dabei niemals einen Gewinner gibt, und es ist auch niemals vorbei. Also ist deine beste reelle Möglichkeit ein perverses Schwein zu werden, weil man nur so nicht kaputt geht. Gewalt ist ab jetzt deine Religion. Und Gott ist dein Stiefel, dessen Gewicht sich auf jemandes Kehle verlagert. Das akzeptierst du am besten möglichst schnell.

3 Kommentare zu „Knastleben

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