Der Partyunterschied

Der Partyunterschied …, oder die differenzierte Diversität zwischen den Entitäten in West- und Ostdeutschland (meine Fresse, es klingt soooo schlau)

Die ultimative, hammergeile, super duper Party im Westen …

Das Gastgeberpaar plant die Party bereits 5 Monate zuvor, schickt allen ein Save the date Reminder, eröffnet eine WhatsApp Gruppe, aus der niemand aussteigen sollte, ansonsten erlebt er sein zivilisiertes Inferno und wird aus allen Vereinen rausgeschmissen, in denen er nie drin sein wollte, aber musste. Zeitgleich werden jedes Wochenende die Angebote vom Aldi-Alda gecheckt, um möglichst alle Utensilien für das Megaevent im reduzierten Zustand zu erstehen. Vormittags wird die Bude mit Zahnbürste geschrubbt, damit niemand denkt, die Familie wäre unsauber. Am Abend der Party hatte das Paar seinen dritten großen Streit, weil er ihren Rock zu kurz findet und sie findet, dass der Alte zu wenig mithilft. Dabei steht er bereits Stunden vorm offenen Kühlschrank und sucht die Butter.

Na, jedenfalls kommen die drei geplanten Gäste pünktlich 17 Uhr mit zwei Kindern, die ausgerechnet an diesem Abend brechend schlechte Laune haben. Es gibt keinen Kuchen, da 17 Uhr überraschenderweise keine Kuchenzeit mehr ist, dafür gibt es aber Laktose freie Milch zum entkoffeinierten Kaffee und Gemüsechips als dargebotene Knabberei. Alle unterhalten sich über die Kindertagesstätte, den aufkommenden Fluglärm und dem Edeka im Dorf mit seinen unverschämten Preisen, während die beiden Kinder in Dauerschleife schreien, das jedoch ignorieren alle, da antiautoritär eben nicht inflationär zu sein scheint.

Zurück zum teuren Edeka. Niemand erwähnt, dass jedes Paar locker 100-tausend Euro Barvermögen zur Verfügung hat und allein der Ehemann 70-tausend Jahresgehalt mit nach Hause bringt. Da die Jemüsechips vom Aldi-Alda sind, schmecken sie entsprechend scheiße und vertrocknen auf dem Tisch. Die Gäste funkeln sich gegenseitig an und geben geheime Abreisezeichen, jedoch wissen sie sehr genau, dass sie noch bis zum Abendessen durchhalten müssen. Es kommt im schlimmsten Fall Robby Bubble – Alkoholfreier Sekt auf den Tisch, damit der Fahrer bei 0,0 Promille bleibt, um richtig aufzutrumpfen, holt der Gastgeber noch ein Jever Alkoholfrei dazu. Ist ja auch undenkbar, sich für drei Kilometer Entfernung nen Taxi zu nehmen. Wobei ich die schreienden Kinder definitiv als Ausschlusskriterium betrachten würde. Zum Abendessen um 17:42 Uhr gibt es dann halt irgendwas, was Maggi oder Knorr im Angebot hatte und alle essen schweigend das perfekte Dinner. Gegen 18:30 Uhr verlassen die Gäste die Party und fahren nach Hause, während sich die Gastgeber unfassbar über den gelungenen Abend freuen.

Irgendeine Party im Osten

Freitag nachmittags.

Langeweile? – Langeweile!

Bock auf Party? – Bock auf Party!

Via WhatsApp alle kurz angefragt, ob sie Bock haben, morgen Abend gegen 20 Uhr vorbei zu kommen. In drei Sätzen klärt man ab, dass die Gäste die Getränke mitbringen und der Gastgeber sich um das Essen kümmert. Eher die Saufgrundlage. Meistens sind das Mettbrötchen mit Jewürzjurken und Zwiebeln, oder Wiener Würstchen mit frischen Brötchen oder man bestellt mal schnell 20 Pizzen beim lecker Lieferservice.

Zack, ab 20 Uhr geht es los, alle kommen. Es gab keinen Streit, die Ossigastgeber und alle Gäste haben am Nachmittag vorgeschlafen, niemand kam auf die Idee sauber zu machen und Streit gab es nicht, da niemand die Butter suchen musste. Röcke sind nicht zu kurz und Kinder bei Oma und Opa.

Da knapp vierzig Gäste nicht auf die Möbel passen, werfen die Gastgeber Decken und Kissen an die Erde, damit es sich alle irgendwie bequem machen können.

Ding-Dong, der Pizzabote liefert 20 Pizzen, alle sind froh um 21 Uhr den Boten klingeln zu hören, da die Bässe ordentlich wummern in der 55qm Wohnung. Alle, egal ob dick oder dünn essen nach Herzenslust die Pizzen, nichts ist laktose- oder glutenfrei und alle trinken dazu Lausitzer Porter, Berliner Luft und eben alles, was alle so mitgebracht haben. Es gibt nichts Alkoholfreies. Der finanzielle Aufwand spielt keine Rolle, niemand hat 100-tausend in Bar und noch niemander verdient 70-tausend im Jahr.

Irgendwer fragt nach dem süßen Abschluss und die Gastgeberin haut alle Chips- und Schokoladenreserven auf den Tisch, was alle voll freut und das große Fressen geht weiter. Gegen 23 Uhr sitzt die Hälfte der Gäste auf dem Balkon, raucht und betrinkt sich, während in der Bude die Musikanlage auf Anschlag läuft. Zehn der fünfunddreißig Gäste tanzen zur lauten Mukke, der Rest ist auf dem Balkon und genießt den Abend.

Gegen 3 Uhr morgens fallen die letzten Pizzareste, während der fünfte Kasten Porter und die neunte Flasche Berliner Luft geleert ist. Alle trinken alles durcheinander, es tanzen noch immer die zehn von 23 Uhr, der Rest ist weiterhin auf dem Balkon. Alle quatschen, die ohrenbetäubende Lautstärke wird von allen ignoriert, da man sich ja so herrlich anschreien kann. Die Stimmung ist cool, alle wollen bleiben.

6 Uhr morgens. Die Gastgeber bestellen Taxen für die letzten vierunddreißig Gäste und treten sie bei Eintreffen der Autos aus der Bude. Alle verabschieden sich lallend mit dem besoffenem Bewusstsein, dass nächstes Wochenende irgendwer von den anderen einlädt.

Nichts steht fester als das!

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

2 Kommentare zu „Der Partyunterschied

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