Ost-West Migration I

Ein wahrer Kulturschock. Ernsthaft. Aus dem angeblich so tristen Sax´n-Anhalt mal eben ins schicke, ja sich permanent mondän fühlende Hessen. Hier tragen die über 80-jährigen Damen den Lippenstift grundlegend schon mal drei Zentimeter überschmiert, scheint aber keinem aufzufallen. Pappnasen oder mondän eben. Man weiß es nicht. Kommste als Ossi nicht mit. Aber is lustig. Also der verschmierte Dior. Irgendwo habe ich mal gelesen: Sei so anders wie du nur sein kannst. Muss wohl Hessen gemeint gewesen sein.

So, weg vom Osten, ab nach Hessen. Sozusagen weg von den Alltagsrassisten, hin zu den … tja, da fängt die Komplexität der Bezeichnungen und Namensgebungen schon an. Schließlich biste heute schon ein Nazi, wenn de vor der Türkin das letzte Vollkorn-Dinkel-Rübli-blubb-und-bla-Brot für 12,95€ beim Bäcker kaufst. (500 Gramm, versteht sich)

Ja, fast fühlste dich dann schuldig. Aber auch nur fast, schließlich bin ich ein Ossi und habe aufgrund Dessen schon mal per se die Erlaubnis Dinge als Erste zu bekommen (oder als letzte-höhöhö) und selbstverständlich darf ich für schlechte Zeiten horten. Ein Gesetz ähnlich der Evolutionstheorie, Menschenskinder. Kann doch nicht so schwer sein.

Back to Basic. Anfangs fühlte es sich abenteuerlich, gar aufregend an. Sozusagen von der Thüringer Bratwurst zu grüner Soße oder vom Pfannkuchen zum Kreppel. Von der Fettbemme zur Knifte. Von was zu naschen zum Schnucker. Irrungen und Wirrungen im zwischenmenschlichen Ost-West Kontext – all inclusive.

Geschenkt!

Lebenslanges Lernen hatte ich mir doch anders vorgestellt. Ha, ha, ha … selten so gelacht! Könnt ihr jetzt denken was ihr wollt, ich haue es jetze raus, denn in der DDR gab es nur Vietnamesen, die die Jeanshosen für so mondäne Bundesländer wie Hessen genäht haben. Für nen Appel und nen Ei, versteht sich. Gut, ein paar unterernährte Russen schlenderten auch mal hier mal da, spielten aber keene Rolle, da die Hierarchien bei denen so heftig waren, dass man als Ossi kaum Kontakt zum kalten Freund hatte. Die lebten uniformiert und Orden behangen in den schicksten Wohngebieten und hatten laut Papa immer nüscht zu fressen. Das sind arme Schweine, sagte Papa. Also der Vorläufer zu Nordkorea. Nur inne DDR halt.

Wir hatten immer genug zu fressen – Papa war Fleischer. Zwar gab es nicht immer das, was Herz und Magen begehrte, aber gehungert haben nur die, die Diät machten. Wie heute auch, da braucht mir niemand ein Trostbonbon anzubieten. Lehne ich strikt ab, bin schließlich Frau und seit Januar auf Diät. Wie jedes Jahr.

Back to Basic, Part II, denn eigentlich wollte ich loswerden, dass mich die (Achtung! Ich spreche jetzt leiser) die Masse der Kulturen echt geflasht hat, zeitgleich stellte sich mir die Frage, ob ich als Thüringer Bratwurst nicht ebenso in die grüne Soße migriert bin. Ich muss gerade hart auflachen, denn ich höre den Aufschrei, dass ich ein Wirtschaftsflüchtling sei.

*In die Luft pfeiff …

Joar, mag sein, denn die Wessis haben mir ohne Androhung irgendwelcher Waffen einfach so mehr Geld gegeben. Schon cool, fand ich. Doch die Enttäuschung kam eins, zwei oder drei. Ach nee, war ne Westsendung. Hmm, die Enttäuschung kam Spuk im Hochhaus im nächsten Edeka, denn meine kulinarische Schnute musste erneuten Mangel hinnehmen. Ihr Wessis wisst gar nicht, wie gut Deutschland schmecken kann. Aber dazu später mehr, nicht dass alle ihre Diät brechen.

Leiser, viel leiser. Gott, diese Leberwurst fehlt mir so.

Coming soon …

Der Einblick in meine ostdeutsche Seele. Oder, als wenn ich euch das offenbaren würde!

Veröffentlicht von Vielverwinkelte

Lyrik berührt Moderne.

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